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Schwalmtal: Hilfsaktion für jungen Realschüler

Junger Schwalmtaler verunglückt lebensgefährlich : Cedrics Schicksal lässt Menschen helfen

Es waren nur Sekunden, die das Leben von Cedric Rogers brutal änderten. Eigentlich wollte der sportliche Realschüler (17) mit seinem Mountainbike Rennen fahren. Dann kam der schwere Unfall. Was ihm jetzt Hoffnung gibt.

Der 27. Mai war für Cedric Rogers ein Tag wie jeder andere. Der 16-Jährige traf sich mit Freunden im Dirtpark in Elmpt, wollte wie fast jeden Tag mit seinem Mountainbike trainieren. Der Realschüler verfolgte leidenschaftlich seinen Traum: Er wollte an Rennen teilnehmen, suchte einen Sponsor. Für ihn gab es kein größeres Gefühl der Freiheit als auf dem Bike.

Doch innerhalb von Sekunden endete dieser Traum – und mit ihm das Leben, das der 16-Jährige bis dahin geführt hatte. Cedric sprang zu hoch ab, aber nicht weit genug. Er kam mit den Vorderrad falsch auf, sein Brustbein prallte hart auf den Lenker. „Dann bin ich wie eine Kerze mit dem Kopf in den Boden eingeschlagen“, schreibt er auf seinem Blog. „Ich weiß nur noch etwas, bis zu dem Moment des Absprungs – alles, was danach passierte, habe ich nicht mehr mitbekommen.“ Nach dem Unfall ruft der Mountainbiker seine Mutter Eleonore an, schildert ihr den schweren Unfall und sagt ihr, dass er seine Beine nicht mehr spüren könne. Seine Mutter kommt zum Unfallort, Cedrics Freunde hatten einen Krankenwagen gerufen. Der bringt den Verunglückten zum Helikopter, Cedric wird zur Unfallklinik in Duisburg geflogen. Dort wird er behandelt, erlebt seinen 17. Geburtstag. Sein Brustbein, zwei Hals- und zwei Brustwirbel sind gebrochen und müssen mit Platten stabilisiert werden. Cedric ist unterhalb der Brust inkomplett querschnittsgelähmt. Ob sich sein Zustand verbessern wird, kann ihm heute niemand sagen.

„Mein Leben ist durch den Unfall sehr anders geworden“, schildert der 17-Jährige vom Krankenbett aus. „Aber ich bin froh, dass ich noch lebe.“ Ihm sei erst langsam klar geworden, wie schwer er verletzt war. Sein Alltag habe sich vollkommen verändert. Vieles, was früher selbstverständlich war, ist nun unmöglich „wie zum Beispiel mit Freunden biken gehen oder auch einfach nur mit ihnen zusammen stehen. Ich muss jetzt immer von unten zu ihnen hochgucken.“ Im Rollstuhl müsse man auf vieles achten, etwa auf die Höhe des Bordsteins oder die Beschaffenheit des Geländes, ob es für einen Rollstuhl geeignet ist.

Die Diagnose „inkomplett querschnittsgelähmt“ hat das Leben des jungen Schwalmtalers und auch den Alltag seiner Familie radikal verändert: Das Haus muss an vielen Stellen umgebaut werden, damit sich Cedric dort im Rollstuhl bewegen kann. Die Türen müssen verbreitert werden, das Bad wird komplett umgebaut und ein weiteres soll dazu kommen, ein Treppenlift wird benötigt, auch Fortbewegungsmittel für mehr Mobilität müssen angeschafft werden. Hinzu kommen aufwändige Therapien wie Gehversuche mit einem Exoskelett. Eine Situation, die Familie Rogers mehr als fordert: Sie weiß nicht, wie sie das, was vor ihr liegt, alles stemmen soll.

 Cedric Rogers bei einer Therapie-Anwendung.
Cedric Rogers bei einer Therapie-Anwendung. Foto: Rogers

Doch Familie Rogers ist nicht allein. Cedric Rogers gehört zu den „Loose Riders Nettetal“, einer Gruppe von Mountainbike-Begeisterten. Und die ist auch nach seinem lebensgefährlichen Unfall für ihn da. Als Tanja Correderas von den Schwierig­keiten der Familie erfährt, hat sie spontan eine Spendenkampagne für Cedric in den Sozialen Netzwerken organisiert. Diese läuft seit wenigen Tagen.

„Es ist uns eine Herzens­angelegenheit, Cedric und seine Familie nach diesem schweren Schicksals­schlag zu unterstützen und ihnen das Leben zu erleichtern“, sagt Tanja Correderas über ihr Engagement. Auch weitere Mitglieder der „Loose Riders Nettetal“ helfen ihr dabei. „Cedric muss sich nun neu aufstellen und sich im Alltag arrangieren und zurecht kommen“, schreiben die Mountainbiker auf der Homepage für Cedric. „Er wird es schaffen, denn er hat sehr viel Ehrgeiz und den Willen dazu. Seine Familie und seine Freunde werden ihn dabei unterstützen.“

Aktuell sind über die sozialen Netzwerke bereits mehr als 6300 Euro für den jungen Realschüler im Rollstuhl gespendet worden. Das Ziel ist ein niedriger sechsstelliger Betrag.

Cedric Rogers gibt nicht auf: „Das Leben geht trotzdem weiter, nur anders. Auch wenn ich im Rollstuhl sitze, kann ich trotzdem noch geile Sachen machen, wie zum Beispiel Rollstuhl-Basketball.“ Die meiste Motivation bekomme er von seiner Familie und seiner Freundin,schildert der 17-Jährige. „Ich bekomme fast jeden Tag Besuch von meiner Familie oder meiner Freundin. Das hilft mir sehr.“

Was er sich für die nähere Zukunft wünscht: „Ich möchte wieder zurück in meine Schulklasse und meine zehnte Klasse mit meinen Klassenkameraden fertig machen.“ Auch durch den schweren Unfall hätten sich seine Ziele fast gar nicht geändert: „Ich möchte immer noch Menschen helfen“, sagt der junge Schwalmtaler. Eigentlich habe er zur Bundeswehr gewollt wie sein Bruder, dort wollte Cedric Sanitäter werden. „Jetzt möchte ich gerne Menschen helfen, die auch Einschränkungen haben. Ich möchte sie motivieren, dass sie weiter machen sollen. Egal, wie schwer es auch ist.“  Auch wenn er es hingenommen habe, dass seine Beine nicht mehr funktionieren, hofft er auf eine Verbesserung. „Es ist toll, mit dem Exoskelett zu laufen. Das ist dann so ein bisschen wie ein normaler Mensch.“ In der Klinik habe er auch viele nette Menschen  kennengelernt. Dazu gehörten auch solche, denen es noch viel schlechter geht als ihm und viele, die wieder laufen gelernt haben: „Das gibt Hoffnung“, sagt er. Was ihm zudem helfe: die Liebe seiner Familie und vieler Menschen: „Es tut so gut, wenn man fühlt, dass man geliebt wird.“

 Auch Cedrics Mutter Eleonore Rogers ist gerührt von der großen Anteilnahme am Schicksal ihres Sohnes: „Ich bedanke mich bei allen Unterstützern und vor allem bei Tanja Correderas für ihren Einsatz.“