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Schwalmtal: Gemeinde will Rettungswache halten

Schwalmtal : Gemeinde will Rettungswache in Waldniel halten

Dem Vorschlag des Gutachters, den Standort der Rettungswache Schwalmtal nach Dülken zu verlegen, stimmte der Rat nicht zu. Stattdessen soll eine Wache an der Nordtangente geprüft werden

Die Gemeinde Schwalmtal ist mit dem Konzept für den Rettungsdienst im Kreis Viersen gar nicht zufrieden: Der Gemeinderat stimmte in seiner jüngsten Sitzung dem Vorschlag des Gutachters nicht zu, den Standort der bisherigen Rettungswache Schwalmtal nach Dülken zu verlegen. Der Kreis Viersen hatte dem Büro Forplan Schmiedel GmbH aus Bonn im vergangenen Jahr den Auftrag erteilt, ein Gutachten für die Bedarfsplanung von Rettunsgwachenstandorten und -fahrzeugen im Kreis Viersen zu erstellen. Als die Sachverständigen überprüften, wie lange ein Rettungswagen braucht, um nach der Alarmierung auszurücken und zum Einsatzort zu gelangen, stellten sie fest, dass die empfohlenen Hilfsfristen nicht überall eingehalten werden können.

In städtischen Gebieten soll der Rettungswagen in acht, in ländlichen Gebieten in zwölf Minuten vor Ort sein. Für die Rettungswache Schwalmtal-Niederkrüchten (in Heyen) und die Rettungswache Schwalmtal (in Waldniel) stellten die Gutachter fest, dass von Heyen aus das gesamte Versorgungsgebiet innerhalb von zwölf Minuten zu erreichen sei. Gebiete von Dülken hingegen würden planerisch nicht innerhalb von acht Minuten erreicht. Auf dieser Grundlage empfahlen die Gutachter, den Standort der Rettungswache Schwalmtal, die sich noch an der Schulstraße in Waldniel befindet, nach Dülken zu verlegen, um sowohl Dülken als auch Waldniel innerhalb einer Hilfsfrist von acht Minuten zu erreichen.

Noch ist nicht klar, wo in Dülken eine Rettungswache eingerichtet werden könnte. Das Gutachten empfiehlt Mackenstein – von dort würden Rettungswagen dann auch nach Waldniel fahren. Die Stadt Viersen hingegen hat den Ransberg als Standort einer neuen Rettungswache ins Auge gefasst, um von dort auch Süchteln besser erreichen zu können.

Die Schwalmtaler Gemeindeverwaltung hatte dazu schon klar Position bezogen: Unabhängig von der Einhaltung der vorgegebenen Hilfsfristen würden sich im Vergleich zur jetzigen Situation längere Anfahrtszeiten in den Waldnieler Ortskern ergeben. Selbst wenn die neue Rettungswache unmittelbar an der K8 (Eicken/Hausen) gebaut werden würde, müsste der Rettungswagen etwa vier Kilometer weiter fahren als heute, um nach Waldniel zu kommen. Hinzu kommt, dass ein Investor auf dem ehemaligen Weuthen-Gelände an der Industriestraße ein Ärztezentrum errichten will. Dort könnte auch eine neue Rettungswache eingerichtet werden, so die Schwalmtaler Überlegung. Amern könnte weiterhin von einer Rettungswache im Bereich Niederkrüchten-Heyen angefahren werden.

Vor dem Rat hatte sich schon der Ausschuss für Demografie und Soziales einstimmig dagegen ausgesprochen, den Standort von Waldniel nach Dülken zu verlagern. Ein Vertreter des Gutachter-Büros hatte die Ergebnisse des Gutachtens in Kürze dargelegt. Schon die unterschiedlichen Hilfsfristen, die für städtische und ländliche Gebiete vorgegeben sind, stießen im Ausschuss auf Kritik. Man müsse doch mal nachhaken, ob man „Landmenschen zumuten könne, vier Minuten länger mit einem Herzinfarkt dazuliegen als Stadtmenschen“, gab Hans-Dieter Heinrichs (FDP) zu bedenken. Thomas Paschmanns (CDU) kritisierte eine Verlagerung in Richtung Ransberg: „Ich kann mir nicht vorstellen, wie man Waldniel in 90 Prozent der Fälle in zwölf Minuten erreichen will, wenn die Wache am Ransberg eingerichtet wird.“ Auch Hermann-Josef Welters (SPD), selbst Mediziner, erklärte, die Planung verbessere die Situation in Dülken, sorge in Waldniel aber für eine Verschlechterung: „Die Situation der Leute, die im Moment noch eine gute Chance haben, zu überleben, verschlechtert sich, ganz klar.“ Welters warnte auch vor der Entwicklung in den kommenden Jahren: Im Waldnieler Ortskern befänden sich ein Altenheim und viele Seniorenwohnungen. Die Anzahl schwer kranker Menschen werde steigen. Für sie sehe er durch eine längere Anfahrt von Mackenstein „ein wachsendes Risiko“. Daraufhin verweigerte auch der Rat die Zustimmung zu einer Standort-Verlegung nach Mackenstein. Außerdem bittet die Gemeinde Schwalmtal den Kreis Viersen darum, Standort-Varianten für eine Rettungswache an der Nordtangente zu prüfen.