Schwalmtal: 20 Prozent der Wirtschaftswege sind marode

Schwalmtal : 20 Prozent der Wirtschaftswege marode

Landwirte, aber auch Radler nutzen die Wirtschaftswege in Schwalmtal. Das Netz ist 321 Kilometer lang, davon müssen 51 Kilometer vollständig saniert werden. Noch ist unklar, wer wieviel bezahlt. De Gemeinde hofft auf Fördermittel.

Eugen Bitjukov, Geschäftsführer der Ge-Komm GmbH, stellte vor rund 50 Landwirten und Politikern das  Sanierungskonzept für die Wirtschaftswege vor. Fast alle  genügen nicht mehr den Ansprüchen schwerer Landmaschinen.  Auch Radler (Schüler, Einheimische und Touristen) fahren dort.

In welchem Zustand sind die Wirtschaftswege? Zunächst wurden die Wirtschaftswege erfasst. Sie umfassen 232 Kilometer, rund 198 Kilometer sind Eigentum der Gemeinde. Bei 51 Kilometern ist eine vollständige Sanierung notwendig, bei rund 134 Kilometern genügen einzelne Arbeiten. In Ordnung sind nur 4,7 Kilometer des Wegenetzes. Auf fast neun Kilometern fehlt eine Verkehrsfläche. Der Konzeptentwurf wurde bereits in einem Arbeitskreis mit Vertretern der Landwirtschaft, aus dem Tourismusbereich, der Politik und der Feuerwehr behandelt.

Wie konnten sich die Schwalmtaler einbringen? Die Bürger und Landwirte wurden in einer Auftaktveranstaltung und vier Ortsgesprächen informiert. Danach konnten sie sich auf der Seite www.wirtschaftswegekonzept.de anmelden und dort Kommentare und Anregungen zur Kategorisierung der Wirtschaftswege verfassen.

Auf diese Weise wollte die Gemeindeverwaltung sicherstellen, ob die Einschätzung der Fachleute den realen Bedürfnissen der Schwalmtaler entspricht. 508 mal wurde diese Seite aufgerufen, jedoch gab es nur 55 Kommentare für 140 Wegabschnitte. Diese wurden ausgewertet.

Was gehörte zu den Kritikpunkten? Ein Beispiel: Angesprochen wurde in den Kommentaren etwa die Staubbelastung durch einen Weg. Der Asphalt solle gegen einen wassergebundenen Schotterweg getauscht werden. In anderen Fällen wurde begründet, warum ein Weg unbedingt erhalten bleiben soll.

Wie sieht der Zeitplan aus? Jeder Weg wird einzeln betrachtet, Handlungsempfehlungen wurden gegeben. Kurzfristig (fünf Jahre), mittelfristig (zehn Jahre) oder langfristig (20 Jahre) sollen die Wege instandgesetzt werden.

Wie teuer wird das? Grob wurden  die Kosten eingeschätzt. Betrachtet wurde das gesamte Wegenetz. Dabei galten die Handlungsempfehlung „Erhaltung wie im Bestand“ sowie eine mittlere Fahrbahnbreite von drei Metern. Daraus ergeben sich jährliche Kosten von mehr als 560.000 Euro. Dazu wurde eine Kennzahl von 1,30 Euro pro Quadratmeter pro Jahr inklusive Mehrwertsteuer angesetzt. Zur Bestandserhaltung gehören der betriebliche Unterhalt, der (etwa eine Oberflächenbehandlung oder Kleinreparaturen) sowie auch die Pflege der befahrbaren Seitenstreifen und die Instandsetzung durch neue Decken.

Ist das alles? Nein. Hinzu kommen  aktuell 100 Euro pro Quadratmeter für die Sanierung inklusive der Entsorgung von teerhaltigem Straßenmaterial, wenn ein Weg von Grund auf erneuert werden muss. So ergibt sich ein jährlicher Investitionsbedarf von  1,5 Millionen Euro.

Gibt es Fördertöpfe? Nur Wege mit einer Breite von 3,50 Metern werden durch das Programm zur Förderung der Modernisierung ländlicher Infrastruktur unterstützt. Bernd Gather, Fachbereichsleiter Planung, Verkehr und Umwelt, schlug vor, schnell diese Fördermöglichkeit zu beantragen.

Was passiert jetzt weiter? In der Zwischenzeit sollte ein Wegeunterhaltungsverband gegründet werden. Je nach angrenzender Fläche wird ein Pflichtbeitrag ermittelt.

Was befürchten die Landwirte? Je nach Finanzierungsmodell befürchteten einige Landwirte eine doppelte Belastung. Sie bemängelten, dass die Verwaltung bisher den Unterhalt vernachlässigt  und dadurch viel Geld gespart hätte; darum müsste sie ihnen entgegenkommen. Gather erwiderte, dass die Landwirte in der Zeit von Gebühren verschont wurden. „“Nun holt uns das aber ein““, räumte er ein. Es sei zwar der politische Wille, keine Beiträge für die Sanierung zu verlangen, jedoch könne die Gemeinde diese Millionenbeträge nicht allein aufbringen.