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Viersen: Schulranzen müssen richtig sitzen

Viersen : Schulranzen müssen richtig sitzen

Viele Eltern kaufen schon Monate vor der Einschulung für ihre Kinder die Tornister. Sie kosten meist 160 bis 250 Euro - und sollten nicht nur hübsch aussehen, sondern auch den Rücken schonen.

Viele Kindergartenkinder können es kaum abwarten bis zu ihrer Einschulung im August. Den Tornister kaufen die meisten Eltern lange im Voraus. Auch die Freundinnen Lia Derejski (6), Lina Hüls (5) und Lia Jolie Fellsches (6) werden in Dülken in diesem Jahr eingeschult. Welchen Schulranzen sie haben möchten, wissen die drei ganz genau. Das stimmt mit den Vorstellungen der Eltern aber nicht überein. "Kinder gehen immer nach Motiv und Farbe", weiß Schulranzen-Fachverkäuferin Sabrina Mill, die seit fast vier Jahren für ein Schulranzen-Fachgeschäft in Mönchengladbach arbeitet.

Im Kreis Viersen werden in diesem Jahr 1457 Kinder eingeschult. Im Vorjahr waren es 1363 Erstklässler. Der Grund: 2010/11 war ein geburtsstarker Jahrgang. Für Bücher, Trinkflasche, Brotdose und Federmäppchen brauchen die Erstklässler deshalb einen Tornister. Dabei gilt es einiges zu beachten: "Die Passform muss mit der Schulterhöhe anfangen und im Steißbereich enden", sagt Sabrina Mill. Auch das Gewicht sollte dem des Kindes entsprechend sein. Es gibt viele Anbieter und noch mehr Modelle. Da kann man schnell den Überblick verlieren, deshalb rät die Fachverkäuferin: "Man sollte nie online kaufen ohne Beratung."

Lia Derejski betrachtet sich im Spiegel. Das Mädchen möchte den dunkelblauen Ranzen mit der Ballerina haben. Mutter Sabrina ist damit nicht glücklich: "Schau mal, der fällt so schnell um, der ist nicht stabil genug, schau noch mal bitte nach einem anderen", sagt sie und gibt dem Modell einen leichten Schubs, so dass er nach vorne fällt.

Auch bei Lina Hüls ist noch alles offen: Sie hatte bereits drei Modelle auf dem Rücken. Doch Sabrina Mill erklärt, warum die nicht optimal wären: "Die sind viel zu groß für dich, die liegen nicht richtig an." Die Fünfjährige ist ganz anderer Meinung und auch ihre Freundinnen finden den mit der Tänzerin "am schönsten". Vater Bernd Szpak versucht seine Tochter umzustimmen: "Schau mal, da sind so schöne Schmetterlinge drauf", sagt er und zeigt ihr das von Sabrina Mill vorgeschlagene Modell. Aber das Mädchen lässt sich nicht überzeugen - zunächst zumindest nicht. Für die Beratung sollten sich Eltern deshalb Zeit nehmen, das Kind solle zwar aussuchen, aber die Eltern sollten sich "zum Wohle des Kinderrückens" durchsetzen, so Sabrina Mill.

Je nach Marke und Modell müssen Eltern tief in die Tasche greifen. Die Preise variieren meist zwischen 160 und 250 Euro. "Wir zahlen die Hälfte und die andere übernehmen die Großeltern", sagt Katrin Dröse, Mutter von Lia Jolie. Im Preis sind Federmäppchen, Turnbeutel und eventuell noch eine Geldbörse oder Brotdose inbegriffen. Linas Eltern haben sich auf ein Modell geeinigt, die Tochter besteht aber auf einen anderen Ranzen. Wenn sich Eltern und Kind nicht einig sind, empfiehlt Mill: "Ein oder zwei Nächte drüber schlafen und dann wiederkommen." Die Ranzen sind alle in der Größe verstellbar. Das soll verhindern, dass nach zwei Jahren die teure Anschaffung nicht mehr passt. Sabrina Mill erkennt jedoch einen anderen Trend: "Meist in der dritten Klasse finden die Kinder ihre Tornister uncool und wollen lieber einen Rucksack." Deshalb greifen einige Händler dem vor und stellen nicht mehr nur "eckigere Modelle" her, sondern runden sie ab. Somit kommen viele dem Rucksack schon sehr nahe. "Die Kinder sollten unbedingt zum Kauf mitkommen", rät die Verkäuferin. Und der Tornister sollte mit und ohne Jacke anprobiert werden.

Im Fachgeschäft geht es dem Finale entgegen: Lia Jolie und Lia haben sich nach fast zwei Stunden endlich für zwei Tornister entschieden. Sie halten ein Foto mit ihren Schulranzen stolz in den Händen. Lina ist am Ende doch einsichtig und nimmt die von ihren Eltern bevorzugte Variante. "Da kann ich mir eine Ballerina draufkleben", sagt das Mädchen und verlässt lachend mit seinem Tornister auf dem Rücken das Geschäft.

(janji)