Viersen: Schulen: G 8 behalten, aber reformieren

Viersen : Schulen: G 8 behalten, aber reformieren

Das Clara-Schumann- und das Erasmus-von-Rotterdam-Gymnasium sprechen sich für das Abitur nach acht Jahren aus. Die Schulleiter fordern, die Lehrpläne anzupassen und den Ganztag auszubauen. Ein Rückschritt zu G 9 sei fatal.

Gerade finden an Gymnasien und Gesamtschulen im Kreis die Abiturfeierlichkeiten statt. Zum Ende des Schuljahres haben sich Viersens Gymnasien noch einmal für das Abitur nach acht Jahren (G 8) ausgesprochen.

Grundsätzlich bringe die Schulzeitverkürzung auf acht Jahre zwar ein erhebliches Belastungspotenzial für Schüler und Eltern mit sich, erklärte Thomas Prell-Holthausen, stellvertretender Schulleiter des Clara-Schumann-Gymnasiums in Dülken. Doch ein Rückschritt zu G 9 sei fatal. Dem stimmt auch Rolf Fenner, Schulleiter des Erasmus-von-Rotterdam-Gymnasiums zu. Er spricht sich dafür aus, noch einige Jahre zu warten, wie sich G 8 auswirke. Man müsse zwar nachbessern, aber das System funktioniere. Dafür spreche die geringere Zahl von Sitzenbleibern. Nur noch etwa 1,3 Prozent der Schüler müssten eine Klasse wiederholen.

Thomas Prell-Holthausen sieht gleich mehrere Probleme bei G 8. "Was bisher überhaupt noch nicht berücksichtig worden ist: Wenn wir von jetzt auf gleich wieder umstellen, haben wir ein Jahr ohne Abitur", sagt er. Denn nach dem letzten G 8-Jahrgang würde es zwei Jahre dauern, bis der nächste G 9-Jahrgang fertig würde. Er spricht sich für eine flexible Lösung aus. Man solle G 8 beibehalten, das System aber reformieren. Er schlägt vor, das Abitur nach acht oder neun Jahren parallel laufenzulassen. "Die Schüler, die sich die Leistung zutrauen, konnten schon früher in einer Profilklasse nach acht Jahren Abitur machen", erklärt er.

Das nächste Problem bestehe darin, dass der Unterricht am Clara-Schumann-Gymnasiums bisher nur halbtags ausgewiesen sei. Die optimale Umsetzung des G 8 laufe auf die Ganztagsschule hinaus. Das schließt ein, dass eine Mensa für die Schule gebaut werden müsste. Ganztagsschulen hätten sowohl finanziell, räumlich und was die Lehrstellen betrifft einen anderen Stellenwert. Sie erhalten mehr Mittel vom Land.

Sicherlich müssten auch die Lehrpläne entschlackt werden. Hier haben die Schulen einen gewissen Handlungsspielraum. Sie können die Lehrinhalte auf ihr schulinternes System übertragen und so Schwerpunkte bilden. Es sei wichtig die Lehrpläne, die sehr auf Kompetenzen fokussiert seien, auch auf die Fähigkeit, Wissen zu transferieren, auszurichten, so der stellvertretenden Schulleiter.

Ein weiteres Problem sieht Prell-Holthausen in der Kompatibilität der Schulabschlüsse. "Schüler, die nach der Sekundarstufe I die Schule verlassen, haben keinen mittleren Bildungsabschluss, sondern nur einen Hauptschulabschluss", erklärt er. So existieren vier unterschiedliche Abschlüsse in der Sekundarstufe I, der mittlere Bildungsabschluss mit und ohne Versetzung in die gymnasiale Oberstufe, der Hauptschulabschluss nach Klasse 10 und der einfache Hauptschulabschluss. "Das ist absurd", sagt Prell-Holthausen.

Sein Kollege vom Erasmus-von-Rotterdam-Gymnasium schlägt vor, die Unterteilung in Sekundarstufe eins und zwei zu prüfen. Das G 8 sah bisher vor, die Sekundarstufe I um ein Jahr zu verkürzen und die Sekundarstufe II bei drei Jahren zu belassen. Eher solle man es bei den sechs Jahren Sekundarstufe I belassen und die Oberstufe auf zwei Jahre verkürzen. Denkbar wäre auch eine Aufteilung in fünfeinhalb und zweieinhalb Jahre, so der Schulleiter. Wenn man die Jahrgangsstufe 10 als Einführungsjahr in die Oberstufe anpassen würde, brauche man die Jahrgangsstufe 11 nicht mehr.

Hausaufgaben sind ein weiteres Thema für die Schulen. "Von der siebten Klasse an haben Kinder nachmittags Unterricht", sagt Prell-Holthausen. Sinnvoll wären daher zusätzliche Betreuungsmöglichkeiten für Hausaufgaben. Das liefe ebenfalls wieder auf einen Ganztagsbetrieb hinaus. Schulleiter Fenner sieht die Hausaufgaben nicht als großes Problem. Seine Schule bietet bereits eine Hausaufgabenbetreuung an. "Wir haben jetzt nur noch G 8-Schüler, die kennen gar nichts anderes", meint er. Außerdem gehöre Klagen zum Schülerhandwerk.

(RP)
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