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Viersen: Schule wie vor 125 Jahren

Viersen : Schule wie vor 125 Jahren

1893 besuchten die ersten Mädchen und Jungen in Dülken die damalige Nordschule. Im Juli soll das Jubiläum der Paul-Weyers-Schule groß gefeiert werden. Zur Einstimmung unternahmen die Grundschüler eine Zeitreise

"Allenengen ös jett Sonn" (Überall scheint jetzt die Sonne) - dieses Motto-Gedicht des Mundartdichters Paul Weyers, der 1890 in Dülken geboren wurde, erklang jetzt zum 125-jährigen Bestehen der nach ihm benannten Grundschule am Mühlenberg. Rund 300 Kinder aller vier Schuljahre hatten sich auf dem Schulhof unter strahlender Sonne versammelt, bildeten einen großen Kreis und hörten den Grußworten ihrer Schulleiterin Birgit Stieger-Becker zu, die ebenso wie die anderen Lehrerinnen in schwarzen Röcken auftrat, wie es vor 125 Jahren Vorschrift war.

 Nach Paul Weyers (1890—1972) wurde die Schule benannt.
Nach Paul Weyers (1890—1972) wurde die Schule benannt. Foto: Kreisarchiv

Bis zum eigentlichen Jubiläumsfest, das am Mittwoch, 4. Juli, begangen werden soll - um 10 Uhr mit einer Messe in St. Cornelius und anschließendem Festakt in der Aula der Dülkener Schule - will Nicole Gebel, früher Schülerin und jetzt Lehrerin an der Paul-Weyers-Schule, eine Festschrift erstellen. Und am Samstag, 7. Juli, steigt ein fröhliches Schulfest. Von oben schaut Paul Weyers dann zu und freut sich: "Allenengen ös jett Sonn. Maak dich et Leäver selbs neit schwoar."

 Lehrerin Monika Derichs mit weißer Bluse und im schwarzen Lehrerinnen-Rock, wie vor 125 Jahren üblich, bringt den Kindern das Sütterlin bei. Zum Beispiel das "i": "Rauf, runter, rauf - Pünktchen obendrauf".
Lehrerin Monika Derichs mit weißer Bluse und im schwarzen Lehrerinnen-Rock, wie vor 125 Jahren üblich, bringt den Kindern das Sütterlin bei. Zum Beispiel das "i": "Rauf, runter, rauf - Pünktchen obendrauf". Foto: Jörg Knappe
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Weyers war drei Jahre alt, als die damalige Nordschule 1893 eröffnet wurde. Mit sechs Jahren lernte er dort Lesen und Schreiben. Mit 18 verfasste er erste Gedichte in Mundart. Und auch nach seiner Pensionierung 1951 dichtete er und besuchte die Nordschule, um den Schülern dort das Dölker Plott nahezubringen.

Alle Klassen der Dülkener und der seit 2016 auch Boisheimer Paul-Weyers-Grundschule haben sich in der Projektwoche mit dem bevorstehenden Jubiläum ihrer Schule beschäftigt, die 1973 nach Weyers benannt wurde. Die Ergebnisse stellten sie ihren Eltern und Großeltern vor - und hatten sich dazu auch "wie früher" gekleidet. So kamen die Mädchen alle in Kleidern oder Röcken und Blusen, denn damals waren Hosen für Mädchen unmöglich.

Die Projektwoche begann mit einem gemeinsamen Besuch des Freilichtmuseums in Kommern, wohin 379 Kinder in acht Bussen fuhren. Dort sahen sie die deutlichen Unterschiede zwischen damals und heute. Zudem lernten sie Weyers' Gedicht "Allenengen ös jett Sonn", einige trugen es auswendig vor. Alle Klassen sangen zur Begrüßung die Hymne: "Paul-Weyers-Schull, op die mer all he stonn, Du häs et uns für immer an-jedonn: Unsre Jemeinschaft, die is wunderbar, wir lieben Dich, dat is doch sonnenklar."

Bei der Vorstellung der Projektergebnisse gingen alle Schüler mit ihren Lehrerinnen in die verschiedenen Klassenzimmer und zeigten, was sie so an früher erinnerte: Schönschreiben in Sütterlin, Rezepte aus Uromas Backstube, alte Gesellschaftsspiele, Arbeitsmaterial wie Schiefertafel und Griffel und viele Lieder und Gedichte in Dölker Plott.

Bernadette Kölling, Katrin Janssen und Claudia Maas-Bökels führten mit Texten, Liedern und Tanz durch eine Zeitreise vom ersten Rektor Erkens über Bürgermeister Voß, Dechant Rutge, Lehrerin Gorissen schließlich bis Paul Weyers. Die Paul-Weyers-Spatzen gaben den Ton an, die Paul-Weyers-Tanzmäuse zeigten einen Klumpentanz.

Viele Großeltern waren auch mitgekommen, auch Ehemalige der Schule wie Inge Driessen, geborene Schalley, die 1940 in die Nordschule eingeschult wurde. Alle gingen an einer "Zeitleiste" entlang, die im Flur angebracht war, und erfuhren viel Interessantes seit der Einweihung der Schule. Ebenso waren Erzählungen der Großeltern und Eltern zu lesen, die dort aufgehängt waren. Im Altbau zeigten die Kinder bei ihrer musikalischen Zeitreise die Reste des ehemaligen Bades, in dem die Kinder sich säubern konnten, und unter dem Dach das Zeugnis einer Bombe, die im Zweiten Weltkrieg die Schule traf.

Im Neubau, der 1995 zusätzlich bezogen wurde, führte Monika Derichs vor, wie früher die Lehrerinnen unterrichteten: Immer mit dem Stock in der Hand, um Spätkommer zu strafen, aber auch mit Fleißkärtchen, um die braven Kinder zu belohnen.

Bevor Birgit Stieger-Becker an die Vorbereitungen zum Jubiläum ging, besuchte sie zwei ehemalige Schulleiterinnen: Rektorin Gertrud Bohnen (bis 1987) und Konrektorin Ria Herbrandt. Beide erzählten viel von ihrer Zeit an der Paul-Weyers-Schule und freuten sich, dass die Schule so lebendig ist wie eh und je. Ria Herbrandt wurde in der Projektwoche von einer Gruppe auch dazu interviewt.

(flo)