Schwalmtal Schulden gemeinsam anpacken

Schwalmtal · Sabine Broekmans ist Schuldnerberaterin bei der Caritas in Waldniel. Die gelernte Bankkauffrau braucht viel psychologisches Geschick. Viele Schuldner sind so verzweifelt, dass sie Briefe gar nicht mehr öffnen.

 Die meisten Klienten der Schuldnerberaterin Sabine Broekmans sind zwischen 40 und 50 Jahre alt. Viele geraten durch Krankheit, Scheidung oder den Tod des Partners in finanzielle Schwierigkeiten.

Die meisten Klienten der Schuldnerberaterin Sabine Broekmans sind zwischen 40 und 50 Jahre alt. Viele geraten durch Krankheit, Scheidung oder den Tod des Partners in finanzielle Schwierigkeiten.

Foto: Horst Siemes

Auf dem Tisch in Sabine Broekmans' Büro steht eine große Box Taschentücher. "Manchmal bricht es einfach aus den Leuten heraus", sagt Broekmans mit Blick auf die Box. Die gelernte Bankkauffrau ist seit fünf Jahren Schuldnerberatin bei der Caritas in Waldniel. Die Realität, so sagt sie, sei ganz anders, als man es aus den Reality-Formaten der Privatsender kennt.

"Im Gegensatz zu dem üblichen Vorurteil, dass es sich bei Überschuldeten meist um junge Erwachsene handelt, die im Internet oder durch Handyverträge in die Schuldenfalle getappt sind, sind meine Klienten meist im mittleren Alter", erzählt Broekmans. Denn die Jahre zwischen 40 und Mitte 50 seien die Jahre, in denen viele Menschen von Schicksalsschlägen heimgesucht werden. "Scheidung, der Tod eines Ehepartners oder auch schwere Krankheiten und dadurch bedingte Berufsunfähigkeit stellen die finanzielle Situation der Betroffenen auf den Kopf", erzählt die dreifache Mutter. Sie warnt davor, sich in solchen Situationen an ominöse Schuldnerberater aus dem Internet zu wenden. "Prinzipiell darf sich fast jeder Schuldnerberater nennen", erläutert sie das Problem.

Im Gegensatz zu den Diensten gewerblicher Berater ist die Beratung bei der Caritas kostenlos. Allerdings erfordert es ein gewisses Maß an Eigenverantwortung, damit Broekmans' Hilfe auch etwas nutzt. "Manchmal kommen hier Menschen mit zig ungeöffneten Rechnungen und Briefen an. Viele haben Angst, sich ihren Schulden zu stellen. Wir öffnen sie dann gemeinsam und sortieren aus, was wichtig ist und was nicht" erzählt Broekmans. "Ich versuche erst, die Leute zu stabilisieren und dann gemeinsam mit ihnen Lösungen zu erarbeiten", erklärt Broekmans den Ablauf der Beratung. Viele Überschuldete kennen ihre rechtliche Situation nicht. "Sie glauben, ein Gerichtsvollzieher könnte ihnen alles wegnehmen. Dabei gibt es ja einen gesetzlich vorgeschriebenen Rahmen", sagt sie. Andere hätten Probleme, Briefe an Gläubiger zu formulieren. "Diesen Menschen zeige ich dann Musterbriefe, an denen sie sich orientieren können", erzählt Broekmans. Viele können auf diesem Wege eine für sie und den Gläubiger zufriedenstellende Situation schaffen. "Andere sind leider so überschuldet, dass ich ihnen nur raten kann, ein Insolvenzverfahren anzumelden", sagt Broekmans.

Das klassische Haushaltsbuch ist laut Broekmans gar nicht nötig, um nicht in die Schuldenfalle zu tappen. "Ich muss nicht jeden Cent dokumentieren, aber es hilft schon, Einkaufsbons aufzubewahren, sie in einen Pappkarton zu schmeißen und einmal im Monat aufzulisten, was ich ausgegeben habe. So bekommt man ein Gefühl dafür, wie viel Geld man pro Monat an Lebenshaltungskosten benötigt."

(RP)
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