Viersen: Schüleraustausch: Erfahrungen in der Fremde

Viersen: Schüleraustausch: Erfahrungen in der Fremde

Beim Schüleraustausch konnten Schüler des St. Wolfhelm-Gymnasiums Waldniel im nordfranzösischen Landrecies Schulluft schnuppern. Ihre Gastschüler und sie erzählen, welche Unterschiede sie entdeckt haben.

Die Franzosen: " In Deutschland lächeln die Lehrer seltener als bei uns, aber sie sind irgendwie auch cooler drauf. Jedenfalls sind die deutschen Lehrer nicht so streng wie die Lehrer bei uns zuhause. Die Lehrer bei uns fordern eben mehr Respekt von ihren Schülern ein. Auch ihre Aufgaben sind ein bisschen anders als bei uns: Während die Lehrer in Frankreich nur ein Fach unterrichten, haben hier die Lehrer gleich zwei oder drei Fächer zu unterrichten.

Bei uns hat außerdem jeder Lehrer einen festen Raum in der Schule. Wenn zum Beispiel erst Erdkunde und dann Französisch auf dem Stundenplan steht, wechseln die Schüler den Raum ­ und gehen dorthin, wo die Französischlehrerin sitzt. In Deutschland ist das anders, da wechseln die Lehrer die Räume.

Aufgefallen ist uns auch, dass die Schüler in Deutschland im Unterricht kaum schreiben müssen. Bei uns wird ganz viel geschrieben und nicht so viel geredet. Aber hier wird mehr diskutiert. Das finden wir eigentlich gut, dass die Lehrer hier auch mal die Schüler nach ihrer Meinung fragen. Richtig toll finden wir die kurzen Pausen zwischen den Unterrichtsstunden, das gibt es bei uns nicht. Schön, dass die deutschen Schüler dann wenigstens kurz mal durchschnaufen können.

Überhaupt, die Pausen: In Deutschland dürfen die Schüler in den kurzen Pausen auch im Gebäude bleiben, das gefällt uns. Wir müssen immer nach draußen, egal wie kalt es ist. Auch der Klingelton hier am St. Wolfhelm-Gymnasium gefällt uns gut, das klingt schön.

Ein Schultag in Deutschland ist schon ganz anders als bei uns. Wir haben bis halb sechs am Abend Unterricht. Ob wir lieber früher frei hätten wie die Schüler in Deutschland? Bloß nicht! Dann hätten wir wahrscheinlich nicht so viel Ferien. In Frankreich haben wir nämlich ganz lange Ferien, insgesamt vier Monate im Jahr!”

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Die Deutschen: "Die Lehrer in Frankreich sind schon strenger als bei uns. Oft müssen die Schüler zum Beispiel am Anfang jeder Stunde einen kurzen Vortrag halten. Dafür achten alle auf einen respektvollen Umgang miteinander. Die Lehrer sind Respektspersonen, und die Schüler untereinander sind auch lockerer drauf. Die akzeptieren auch untereinander ihre verschiedenen Styles. Die Schule, die wir besucht haben, war total modern eingerichtet. Die haben zum Beispiel einen tollen Computerraum mit den neuesten Rechnern und Flachbildschirmen.

Auch die Schulkantine war toll. So soll unsere Mensa auch werden! Die hatten nämlich eine offene Küche, so dass man im Vorbeigehen sehen konnte, was da zubereitet wird. Liegt wahrscheinlich daran, dass die Franzosen so viel Wert auf Essen legen. Wir sind richtig gemästet worden, als wir dort waren. Das fängt schon damit an, dass die Franzosen zwei Mal am Tag warm essen ­ also mittags und dann abends noch mal, aber abends ganz spät.

Zum Teil haben unsere Gastfamilien erst abends um neun ein richtig großes Mahl noch aufgetischt. Für uns haben sie ganz besondere Sachen gekocht, zum Beispiel Entenleber, die es dort sonst eigentlich nur zu Weihnachten gibt. Die Schultage sind in Frankreich sehr lang, die gehen bis abends um halb sechs. Da bleibt nicht viel Zeit für Freizeit. Dafür geht die Schule morgens aber später los als bei uns ­ um halb neun nämlich ­ und mittags gibt es eine lange große Pause von anderthalb Stunden.

Auch die Unterrichtseinheiten sind länger, eine Schulstunde dauert 60 Minuten. Der Stundenplan ist dort auch anders strukturiert als bei uns, zum Beispiel wird mehr in Blöcken unterrichtet. Dann gibt es in der einen Woche etwa mehr Englisch und in der Woche darauf mehr Geschichte. Das wechselt dann, und man muss nicht so viel mitschleppen.” Protokoll: biro

(dur)