Brüggen: Schüler lernen diesmal in der Tafel

Brüggen: Schüler lernen diesmal in der Tafel

25 Schüler der Gesamtschule gehören zur "Soko Ehrenamt". Statt Trommel-AG oder Kochkursus helfen sie – zum Beispiel bei der Tafel.

25 Schüler der Gesamtschule gehören zur "Soko Ehrenamt". Statt Trommel-AG oder Kochkursus helfen sie — zum Beispiel bei der Tafel.

Unter dem Pavillon hinter der ehemaligen Dohlenschänke in Hülst warten schon die ersten Kunden darauf, dass die Brüggener Tafel öffnet. Drinnen sind die ehrenamtlichen Helfer des Vereins damit beschäftigt, Lebensmittel zu sortieren, die sie als Spenden erhalten haben. Viel Obst und Gemüse ist heute dabei. "Von Lidl", sagt Tafel-Vorsitzende Margit Schilling und strahlt: "Die haben so großzügig für die Wiedereröffnung am Montag disponiert, dass wir am Mittwoch ganz viel dort abholen konnten."

Kistenweise stapeln sich auch Weckmännchen mit Rosinen im Ausgaberaum der Tafel, "die haben uns die Bäcker gebracht", sagt Schilling. Unter den Helfern sind drei Mädchen: Samantha und Geraldine (beide 12) und Celina (13). Sie besuchen die Gesamtschule, an der viele Arbeitsgemeinschaften (AGs) angeboten werden. Doch statt zu trommeln, Badminton zu spielen, Töpfern oder Nähen zu lernen, haben die drei die AG "SoKo Ehrenamt" belegt. "SoKo" steht für Soziale Kompetenz: Die Schüler unterstützen soziale Einrichtungen und lernen dabei fürs Leben.

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"Ich wollte sehen, wie es den Menschen geht", sagt Celina. Samantha berichtet, dass auch ihre Mutter sich bei der Tafel engagiere: "Sie hat so begeistert davon erzählt, dass ich das auch mal probieren wollte." Bei der Arbeit für die Tafel lernten die Mädchen eine ganze Menge, sagt Schilling: "Sie sehen hier, dass es andere gibt, denen es nicht so gut geht. Da geht es nicht um Spielzeug oder Kleidung, sondern um ganz elementare Dinge, um Essen und Trinken."

Nicht zuletzt lernten die Schüler, sich in der Welt der Erwachsenen zurechtzufinden. Die ehrenamtlichen Tätigkeiten, die in diesem Halbjahr 25 Schüler übernommen haben, hätten auch Auswirkungen auf den Unterricht, sagt Ganztagskoordinator Gerard Terfloth. "Ich merke in einer Klasse sofort, wer sich ehrenamtlich engagiert. Diese Schüler achten mehr auf andere."

Im vergangenen Schulhalbjahr hatte die Gesamtschule mit der AG "SoKo Ehrenamt" begonnen: Schüler machten im Seniorenheim Haus Schleveringhoven den Rollstuhlführerschein, lasen den Bewohnern vor. "Leider hat das in diesem Jahr nicht mehr geklappt, weil sich in Schleveringhoven die Strukturen geändert haben", bedauert Terfloth. So machte er sich auf die Suche nach anderen Kooperationspartnern. Inzwischen gehören neben der Tafel auch Büchereien und Kindergärten zu den Partnern, über weitere würde sich Terfloth freuen. Die drei Mädchen sind sicher, am richtigen Platz gelandet zu sein.

(RP/ac)
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