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Viersen: Schüler aus Kanew kommen nach Viersen

Viersen : Schüler aus Kanew kommen nach Viersen

15 Schüler aus der ukrainischen Partnerstadt sind ab Ende August für zehn Tage in Deutschland zu Gast. In Viersen sollen sie mehr über das Leben in Deutschland, Demokratie und das Miteinander in Europa lernen.

Für viele der Jugendlichen ist es die Reise ihres Lebens: Vom 28. August bis zum 8. September werden 15 Schüler aus der Viersener Partnerstadt Kanew nach Deutschland reisen. Für zehn Tage sind sie dann zu Gast in Viersen und werden gemeinsam mit gleichaltrigen Schülern des Clara-Schumann-Gymnasiums die Schulbank drücken. In der Ukraine lernen die Jugendlichen im Alter zwischen 15 und 16 Jahren schon seit drei Jahren Deutsch. Für die Schüler ist der Deutschlandbesuch aber weitaus mehr als "nur" eine Sprachreise.

Für die Jugendlichen aus der krisengebeutelten Ukraine ist die Reise so etwas wie ein erster Blick über den Tellerrand. Viele der Schüler waren noch nie im Urlaub, geschweige denn im Ausland. "Wir wollen den Schülern zeigen, wie Demokratie bei uns funktioniert und ihre Identifikation mit Europa stärken", sagt Gunter Fischer, Leiter des Clara-Schumann-Gymnasiums.

Die Idee, die Schüler nach Deutschland zu holen, hatte Fritz Meies, der Vorsitzende des Vereins "Freunde von Kanew". Mit dem Verein engagiert er sich seit inzwischen 24 Jahren für die Menschen in der Viersener Partnerstadt. Er kennt die schwierigen Lebensbedingungen in dem finanzschwachen Land, in dem das Leben auch abseits der aktuellen Krise nicht einfach ist. Vielerorts sind die Menschen korrupt, Demokratie und Mitbestimmung sind leere Worthülsen. "Deshalb ist es wichtig, den Kindern etwas anderes zu zeigen", sagt Fritz Meies. "Denn diese Jugendlichen sind die Generation, die in der Ukraine demnächst politische Entscheidungen trifft", sagt er. Als Meies darüber ins Grübeln kam, kam ihm die Idee, die Kinder nach Deutschland zu holen.

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Vor zwei Monaten erzählte er Fischer von dieser Idee. Er war sofort Feuer und Flamme: "Wir sind seit Kurzem eine Europaschule und verstehen uns auch so, deswegen war ich sofort von der Idee begeistert, die Schüler bei uns aufzunehmen", sagt er. Die Vorbereitungen für den Besuch sind inzwischen nahezu abgeschlossen.

In Viersen sind die ukrainischen Schüler in Gastfamilien untergebracht. "Zunächst verlief die Suche nach Familien etwas schleppend, nach und nach meldeten sich aber immer mehr Eltern, inzwischen sind alle Kinder untergebracht", sagt Fischer.

Auf die Schüler aus der Ukraine wartet in Viersen eine erlebnisreiche Zeit. Gemeinsam mit den "Freunden von Kanew" haben die Verantwortlichen des Clara-Schumann-Gymnasiums bereits ein nahezu lückenloses Programm für die Jugendlichen zusammengestellt. Einer der Höhepunkte ist sicherlich die Fahrt zum Europaparlament in Brüssel. Dort empfängt die Schüler der Europa-Abgeordnete für den Niederrhein, Karl-Heinz Florenz (CDU). Geplant sind außerdem Ausflüge in die Niederlande und auch an den Rhein. In Bonn wird die Gruppe gemeinsam das Haus der Geschichte besuchen, in Köln das Leben in einer deutschen Großstadt kennenlernen. Bevor es aber auf Deutschlandrundfahrt geht, lernt die Gruppe erst einmal Viersen kennen. Am 29. August feiert Dülken das 650-jährige Bestehen. "Das ist eine hervorragende Gelegenheit, den Kindern auch die deutsche Kultur zu vermitteln", sagt Fischer. Dazu gehört natürlich auch der Fußball. Gemeinsam werden die Kinder während ihres Aufenthalts auch den Mönchengladbacher Borussia-Park besuchen.

Fischer ist sich indes sicher, dass auch die deutschen Schüler von dem Besuch profitieren werden. "Sie blicken nach dem Besuch und dem Austausch mit unseren Gastschülern vielleicht etwas anders auf die Möglichkeiten, die ihnen in Deutschland offenstehen", sagt er. Elvis Khurtych kennt die unterschiedlichen Lebensbedingungen in den beiden Ländern bereits. Er ist Schüler des Clara-Schumann-Gymnasiums und stammt aus der Ukraine. Nach Deutschland kam er vor etwa sechs Jahren, nachdem seine Mutter einen Deutschen heiratete: Hans Wilhelm Janissen, Vorstandsmitglied der "Freunde von Kanew". "Als die beiden nach Deutschland kamen, konnte der Junge kein Wort Deutsch", sagt Janissen. Heute ist das anders. In ein paar Jahren macht sein Stiefsohn das Abitur. Bis dorthin zu kommen, war für ihn nicht leicht. Seine Erfahrungen wird Elvis Khurtych im August mit den Schülern aus der Ukraine teilen. Er wird die Gruppe betreuen und für die Schüler ein offenes Ohr haben, wenn sie Fragen oder mal Heimweh haben sollten.

(RP)