Viersen: Schimmel-Kita bleibt weiter geschlossen

Viersen : Schimmel-Kita bleibt weiter geschlossen

Wann die Viersener Kita "Am Steinkreis" wieder öffnet, ist unklar. Die Verwaltung stellt sich auf einen Rechtsstreit ein.

Die Stadt Viersen stellt sich bei der Frage um die Verantwortung für die Baumängel an der Kita am Steinkreis auf einen Rechtsstreit mit dem zuständigen Generalunternehmer ein. "Es ist nicht unwahrscheinlich, dass es eine juristische Auseinandersetzung geben könnte", erklärt dazu Viersens Bürgermeister Günter Thönnessen. "Experten haben die Raumluft überprüft. Wir müssen uns darauf einrichten, dass wir einen größeren Schimmelbefall haben. Man kann nicht davon ausgehen, dass wir hier zu einer schnellen Lösung kommen." Genauer äußert sich der Verwaltungschef nicht: "Es kann, sein dass es mehrere Ursachen für den Schimmel gibt."

In den Herbstferien im Oktober musste die Stadtverwaltung von einem auf den anderen Tag reagieren: Eltern, die ihre Kinder in die wenige Wochen zuvor eröffnete, über zwei Millionen Euro teure Kindertageseinrichtung Am Steinkreis bringen wollten, konnten mit dem Nachwuchs gleich wieder kehrtmachen. Aufgrund von Schimmelbefall durch Feuchtigkeitsprobleme wurde die als Passivhaus gebaute Kita damals sofort geschlossen. In vier der rund 20 Räume war durch einen Experten Schimmelbefall festgestellt worden, der die festgesetzten Grenzwerte deutlich übersteigt. Gleichzeitig beauftragte die Verwaltung ein Ingenieur-Büro, eine weitere Luftmessung im gesamten Gebäude durchzuführen. "In fast allen Räumen wurde ein Schimmelbefall festgestellt", erklärt Thönnessen jetzt.

Nach Aussage des Bürgermeisters ist eine Betreuung der betroffenen Mädchen und Jungen in anderen Einrichtungen sichergestellt: "Wir wollen die Kinder gruppenweise in anderen Einrichtungen unterbringen. Auch die bisherigen Betreuer sollen bei den Gruppen bleiben." Die Maßnahmen, die die Verwaltung hierfür ergreifen muss, erfordern derzeit erhebliche Aufwendungen und Kosten. "Die wollen wir bei einem schuldhaften Verhalten des Generalunternehmers erstattet bekommen", sagt Thönnessen. "Fakt ist, dass die Kinder in die Kita Am Steinkreis erst dann zurückkehren werden, wenn dort absolut keine gesundheitliche Gefahr mehr besteht."

Jetzt müssen die Ursachen für die Schimmelpilzbelastung gefunden werden. Hierzu sind bautechnische Untersuchungen des noch nicht abgenommenen Gebäudes erforderlich. Thönnessen: "Der Generalunternehmer steht nach wie vor in der Pflicht, uns einen funktionstüchtigen Kindergarten zu übergeben." Eine Zahlung der Stadt von mehr als 200 000 Euro ist noch offen.

Parallel schaltete die Verwaltung einen Baufachanwalt ein, der Kontakt zu dem Generalunternehmer aufgenommen hat. Gleichzeitig wurde ein vereidigter Sachverständiger beauftragt, die Ursache des Schimmelbefalls zu ermitteln. Ein weiterer Sachverständiger soll prüfen, ob die eingebaute Heizungs- und Belüftungsanlage des Passivhauses überhaupt geeignet ist. Überprüfungen gibt es aber auch bei der Verwaltung selbst. Geklärt werden muss die Frage, ob die Bauherrenfunktion bei der Stadt so ausgeführt worden ist, wie es hätte sein sollen.

Auch die Politik ist inzwischen aktiv geworden. CDU-Fraktionsvorsitzender Stephan Sillekens fordert in einem Antrag seiner Fraktion, dass der gesamte Bauverlauf mit all seinen negativen Auswirkungen für Eltern und Stadt aufgerollt und in den entsprechenden Ausschüssen analysiert werden muss. Sillekens: "Es gilt, die Fehler und Mängel zu identifizieren, damit ein solch unglaublicher Vorgang bei künftigen Bauvorhaben von vornherein ausgeschlossen bleibt."

(RP)
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