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Niederkrüchten: "Schiffe versenken" an der Urne

Niederkrüchten : "Schiffe versenken" an der Urne

In Stress ist der Europawahltag für die rund 450 Wahlhelfer in den drei Westkreisgemeinden Brüggen, Niederkrüchten und Schwalmtal nicht ausgeartet. Die Wahlbeteiligung hielt sich erwartungsgemäß in Grenzen.

Beim Elmpter Trödelmarkt sind jede Menge Leute auf Schnäppchenjagd. Auch ein paar hundert Meter weiter gibt's reichlich Andrang: Die Freiwillige Feuerwehr hat zum Tag der Offenen Tür geladen. Wiederum ein paar hundert Meter weiter sind die Menschenmassen hingegen äußerst überschaubar: Ein paar Handvoll Wähler haben sich bis 11 Uhr in die zum Wahllokal umfunktionierte Kindertagesstätte Raupe Nimmersatt in Overhetfeld verirrt.

Wahlhelferin Andrea Zeien hat das wohl schon geahnt: Sie hat prophylaktisch ein Kreuzworträtselheft und "Schiffe versenken" mitgebracht. In Niederkrüchten gibt es Wahllokale, die drei Stunden nach Wahlbeginn um 8 Uhr immer noch einstellige Wählerzahlen vermelden. Die 132 Wähler im Rathaus Elmpt gehen da fast schon als Ansturm durch.

Eine besonders nette Wählerin versorgte die Wahlhelfer gar mit einem Tablett Brötchen. Um 12 Uhr gehen die ersten Zwischenmeldungen bei Wahlamtsleiter Frank Kriegers im Elmpter Rathaus ein. 1551 Menschen haben es bisher an die Urnen geschafft. Macht 13,6 Prozent Wahlbeteiligung bis dahin.

Klingt erschreckend, ist aber mehr als bei der Europawahl 2004: Damals hatten bis 12 Uhr gerade mal 1362 Menschen gewählt. Am Ende des Tages hatte Niederkrüchten immerhin 40,7 Prozent Wahlbeteiligung erreicht.

Ähnlich sieht es in den Nachbargemeinden Schwalmtal und Brüggen aus. Im Waldnieler Rathaus meldet Astrid Küppenbender vom Wahlamt um 12 Uhr 2555 Wähler — etwa 100 mehr als 2004, aber viel weniger als bei Bundestags-, Landtags- oder Kommunalwahlen.

Etwas irritiert ist eine offensichtlich aus Südosteuropa stammende Wählerin, die die staunenden Wahlhelfer fragt, wo denn die Fotos der Kandidaten auf dem Wahlzettel seien. In Brüggen registriert die stellvertretende Wahlleiterin Claudia Sieben um 12 Uhr ebenfalls Steigerungen auf bescheidenem Niveau.

1477 Wähler haben hier ihr Kreuzchen gemacht - rund 70 mehr als 2004. Am gemütlichsten ist es im Schützenhaus der Schützengesellschaft Börholz-Alst. Hier besteht die Möglichkeit, den Wahlgang mit einem Frühschoppen zu verbinden. Und so zieht es einige nach der Urne an die Theke. Wie Willi Kames. Wählen ist für ihn Bürgerpflicht. "Das ist die einzige Möglichkeit, meine demokratischen Rechte wahrzunehmen", sagt er. Darum komme Nichtwählen nicht in Frage. Außerdem: "Europa hat schon einiges bewegt". Georg Vennebusch, der gerade aus dem Elmpter Rathaus kommt, will mit seiner Stimmabgabe dazu beitragen, dass die Wahlbeteiligung nicht ins Bodenlose sinkt. Denn: "Je schlechter die Wahlbeteiligung, desto besser die Chancen für Rechtsradikale und andere Durchgeknallte."

(RP)