Kreis Viersen: Scharfe Kritik an Rettungswachen-Konzept

Kreis Viersen: Scharfe Kritik an Rettungswachen-Konzept

Die Bürgermeister und Beigeordneten von Viersen, Nettetal, Willich und Kempen betrachten die von einem Gutachten empfohlene Neugliederung des Rettungsdienstes im Kreis mit Sorge. Die Bandbreite reicht von Skepsis bis Ablehnung

Die Ideen zu einer kompletten Neugliederung des Rettungsdienstes im Kreis Viersen stoßen in vielen Städten und Gemeinden auf Widerstand und Unverständnis. Neben der Stadt Viersen sehen auch Willich, Nettetal und Kempen die Pläne mit großer Skepsis. Der Kreis Viersen dringt auf Änderungen, damit in Dülken und St. Tönis die vorgeschriebenen Rettungszeiten eingehalten werden. Ein Gutachter schlägt vor, drei Rettungswachen an neuen Standorten zu errichten, vier zusätzliche Fahrzeuge anzuschaffen und die Gemeindegrenzen aufzuheben.

"Das vom Gutachter vorgeschlagene Soll-Konzept zur künftigen Ausrichtung des Rettungsdienstes im Kreisgebiet ist nicht mit den Qualitätsanforderungen der Stadt Viersen in Einklang zu bringen", erklärte gestern Viersens Bürgermeisterin Sabine Anemüller (SPD). Das Konzept sieht für Viersen vor, dass neben der bestehenden Rettungswache an der Gerberstraße eine zweite Rettungswache in Mackenstein errichtet wird. "Die Stadt Viersen wird in wenigen Wochen die vorläufige zweite Viersener Rettungswache an der Sternstraße in Betrieb nehmen", erklärte die Bürgermeisterin. "Dann kann die für Dülken geforderte Hilfsfrist von acht Minuten eingehalten werden." Der Standort habe zudem einen weiteren Vorteil: Wegen seiner Nähe zur Autobahnauffahrt werde künftig auch Süchteln innerhalb einer Hilfsfrist von acht Minuten zu erreichen sein. Süchteln zählt als ländliches Gebiet; dort ist eine Frist von zwölf Minuten vorgeschrieben, bis zu der die Retter in 90 Prozent der Einsätze vor Ort sein müssen.

Eine Rettungswache Mackenstein würde zudem die Planungen der Stadt Viersen für den Neubau einer Rettungswache am Standort Ransberg zunichtemachen, kritisierte die Bürgermeisterin. "Der Standort Ransberg wurde gewählt, weil der Rettungsdienst von dort Dülken, Süchteln und Teilbereiche Alt-Viersens deutlich schneller erreichen könnte."

Kritik kommt auch aus der Stadt Willich, die nach den Plänen des Gutachters die Rettungswache in Anrath aufgeben müsste: "Diese Ankündigung hat uns in Schrecken versetzt", sagte Bürgermeister Josef Heyes (CDU). Noch nicht einmal vor einem Jahr wurde die neue 2,4 Millionen Euro teure Feuer- und Rettungswache in Anrath eröffnet. "Diese haben wir in Abstimmung mit dem Kreis und den Krankenkassen errichtet."

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Die Gemeinde Schwalmtal, deren Rettungswache nach Dülken wandern soll, fordern eine erneute Überprüfung der Angaben im Gutachten. "In Verantwortung für den Erhalt einer optimalen Notfallversorgung in der gesamten Gemeinde Schwalmtal erachten Rat und Verwaltung es als geboten, auch vorhandene Standortmöglichkeiten für eine Rettungswache innerhalb des Ortsteils Waldniel nochmals zu überprüfen", erklärte Bürgermeister Michael Pesch (CDU).

Reserviert äußerte sich auch Nettetals Bürgermeister Christian Wagner (CDU) zu den Vorschlägen: "Während die Zusammenführung unserer beiden Standorte sicher zu diskutieren ist, begegnet ein völlig neuer Standort in Breyell-Gier vielen Fragen. So haben wir in Abstimmung mit den Krankenkassen erst 2012 in Kaldenkirchen investiert, und zudem ist Gier nach erstem Anschein wegen der Bahntrasse und den zwangsläufigen Wartezeiten am Übergang Breyell eher schwierig."

Der Erste Beigeordnete der Stadt Kempen, Hans Ferber, warnte ausdrücklich davor, aus den Vorschlägen des Gutachters endgültige Beschlüsse herauszulesen. Die Stadt Kempen soll laut Konzept nicht mehr für die Versorgung mit Rettungswagen und -personal in der Stadt Tönisvorst und dem Grefrather Ortsteil Oedt zuständig sein.

(RP)