Schwalmtal: Säen und ernten ohne eigenen Garten

Schwalmtal : Säen und ernten ohne eigenen Garten

Das Projekt "Mein Garten" in Schwalmtal bietet allen, die keinen Garten haben oder sich ohne Hilfe nicht an den Anbau wagen, Parzellen an. Im Freiland oder im Gewächshaus können Familien pflanzen, was ihnen schmeckt.

Mit dem Fahrrad besucht Walter Karner seinen Garten. Der 63-jährige wohnt in Amern, und im Schagener Feld zwischen Amern und Waldniel hat er eine Parzelle gefunden, die er bewirtschaften kann. Heute will Karner nach den Kartoffeln schauen. "Ich wollte dazwischen eigentlich schuffeln und die Erde lockern, aber es ist noch zu nass", sagt er. Doch die Erdbeeren sind ja auch noch da. Im Schagener Feld können Gartenfreunde auch zum kleinen Preis ernten - zum Beispiel Salat, Kohlrabi und Radieschen.

Das Projekt im Schagener Feld, in der Nähe des Obsthofes Scholz-Döbelin, heißt "Mein Garten". Es wird in Kooperation mit Helmut Gotthardt angeboten - das Motto des Schwalmtaler Bio-Bauern: Natürlich genießen. Die Idee zum Projekt kam von der Agenda 21 der Gemeinde Schwalmtal, wie Diplom-Agraringenieur Herwig Scholz erzählt: "Schon vor zwei Jahren wurden Flächen gesucht. Doch damals fanden sich keine, die langfristig zur Verfügung standen." Doch dann gelang es, Landwirt Klaus Vollekier davon zu überzeugen, "dass ein solches Projekt sinnvoll ist und zu einem familienfreundliche Schwalmtal mit seinem ,Bündnis für Familie' passt", sagt Scholz.

Wer gärtnern möchte und keinen eigenen Garten hat oder sich ohne Hilfe nicht an Anbau und die Ernte wagen möchte, der kann sich an Gotthardt und Scholz wenden und im Schagener Feld eine oder mehrere Parzellen pachten - im Freien oder im Gewächshaus. Dort können sie säen, pflanzen und ernten. Der Anbau erfolgt nach den Richtlinien des ökologischen Landbaus und Bioland. Daher sind auch Saatgut und Pflanzen aus ökologischem Anbau zwingend zu verwenden.

So schaffe das Projekt "Mein Garten" ein Angebot zur Selbstversorgung mit Gemüse, Beerenobst oder auch Kartoffeln, erzählen die beiden Initiatoren. Wer eine Parzelle pachtet, muss sich entscheiden, was er pflanzen möchte - sich also überlegen, was er gerne isst und daher auch anbauen möchte, oder welche Blumen er selber heranziehen will. "Wir helfen gern bei der Auswahl des Saatgutes oder der Jungpflanzen", sagen Scholz und Gotthardt.

Die Unterstützung umfasst auch die artgerechte Pflanzung, die Pflege und Ernte. Im Schagener Feld werden auch Weintraubenstöcke angelegt. "Daran ist zu sehen, wie ernst es unsere Nutzer meinen", sagt Gotthardt. Schließlich dauere es zwei Jahre, bis man die Trauben ernten könne.

Die Gartenfreunde kommen aus der ganzen Region - von Krefeld bis Heinsberg, von Mönchengladbach bis Brüggen. Natürlich sind auch Schwalmtaler dabei. Patrick Schaffrath zum Beispiel kommt aus Mönchengladbach. Er hat eine 16 Quadratmeter große Parzelle im Folienhaus gepachtet. Häufig bringt er die ganze Familie mit, doch heute ist er allein unterwegs. Er sieht auch den Vorteil eines Gewächshauses: "Ich finde es toll, dass ich hier mediterrane Gemüse ansetzen und draußen ganz andere Dinge säen und pflanzen kann", sagt er. Nach drei Stunden fährt Schaffrath wieder heim. An Öffnungszeiten muss er sich nicht halten. "Die Leute können rund um die Uhr in ihren Garten", sagt Gotthardt.

Die beiden Initiatoren sind davon überzeugt, dass das, was man selbst sät und pflanzt, auch mehr genießt. Auch für Kinder sei die Erfahrung, Obst und Gemüse selbst anzubauen, zu pflegen und zu ernten, ein nachhaltiges Erlebnis.

Die Kinder des Kindergartens Schier etwa sind einmal pro Woche im Schagener Feld, arbeiten im Garten und sehen zu, wie alles wächst. Irgendwann ist Erntezeit - und dann werden Obst und Gemüse verarbeitet und gegessen.

(off)
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