Mein Verein: Rollstuhl-Freundschaft seit 42 Jahren

Mein Verein : Rollstuhl-Freundschaft seit 42 Jahren

Der "Freundeskreis für Rollstuhlfahrer" ist offen für Menschen mit und ohne Handicap. Zurzeit fehlen junge Mitglieder

VIERSEN Als zwei Wochen nach Gründung des "Freundeskreises für Rollstuhlfahrer" im Jahre 1974 Josef Ungerechts seinen Kollegen im Rathaus Heinz Jürgen Antwerpes anrief und sagte: "Das wäre doch was für dich", da zögerte dieser nicht lange. "Ich bin gleich Geschäftsführer im Rollstuhl-Verein geworden", erzählt Antwerpes (76). Viele Jahre hatte er daraufhin den Vorsitz inne, erst vor zwei Jahren gab er diesen an Angelika Herrmann ab und wurde zum Ehrenpräsidenten ernannt.

"Wir wollten immer neben den Behinderten auch Nichtbehinderte in den Verein holen. Schließlich braucht ein Rollstuhlfahrer eine Begleitperson. Wir sahen das damals schon als eine Art Integration." Deshalb nannte sich der Verein auch "Freundeskreis für Rollstuhlfahrer". Schnell waren es 200 Mitglieder, doch im Laufe der Zeit reduzierte sich die Zahl auf jetzt 90. Rund ein Drittel davon sind Rollstuhlfahrer.

Das nächste gemeinsame Ziel des Freundeskreises, der seit 1989 an der Gladbacher Straße seine Begegnungsstätte hat, ist es, den Behindertenfahrdienst endlich im Rahmen des "Bundesteilhabegesetzes" einzurichten. Antwerpes findet: "Wir Behinderte müssen die gleichen Möglichkeiten haben wie Nicht-Behinderte".

Der Dülkener ist mittlerweile 76 Jahre alt, seit seiner Kindheit ist er aufgrund einer Kinderlähmung auf den Rollstuhl angewiesen. Er absolvierte die Schule, machte eine Ausbildung unter anderem im Sozialamt im Dülkener Rathaus. Als er 1999 Pensionär wurde, leitete er als Stadtamtsrat die Stadtkasse. Und auch im Ruhestand ist er noch als Sprecher des Arbeitskreises für Behindertenfragen in Viersen aktiv, setzt sich seit Jahrzehnten dafür ein, dass Viersen behindertenfreundlich wird. Ihm ist die Absenkung der Bürgersteige zu verdanken und der behindertengerechte Zugang zu öffentlichen Gebäuden sowie die Behinderten vorbehaltenen Parkplätze. "Ich bin als Sachverständiger für Behinderte in fünf Ausschüssen und kann immer wieder neue Ideen und Vorschläge einbringen, die wir im Verein besprochen haben."

Antwerpes wundert sich immer wieder, wenn er junge Menschen im Rollstuhl in der Stadt sieht. "Warum kommen die nicht zu uns, warum ignorieren sie einen Verein wie unseren? Wir haben so viele Veranstaltungen und auch sportliche Betätigung ist möglich." Gerade erst hat der Verein eine Fahrt nach Oberhausen unternommen, dort die Ausstellung im Gasometer und den benachbarten Weihnachtsmarkt besucht. Viele Veranstaltungen des Freundeskreises sind öffentlich.

(flo)
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