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Riesige Flüchtlingsunterkunft in Niederkrüchten-Elmpt schließt früher

Niederkrüchten : Flüchtlingsheim in Elmpt schließt früher

Die Bezirksregierung Düsseldorf wird ihre größte Zentrale Unterbringungseinrichtung in Elmpt schon im März 2020 schließen — ein Jahr eher als geplant. Welche Auswirkungen hat das für die Gemeinde?

Die Bezirksregierung Düsseldorf hat am Mittwoch angekündigt, dass sie die Zentrale Unterbringungseinrichtung (ZUE) für Flüchtlinge in den Javelin Baracks auf dem ehemaligen Militärflughafen in Elmpt bereits im März 2020 schließen wird; ursprünglich sollte sie bis zum Jahr 2021 genutzt werden. Damit reagiere die Landesre-gierung auf die kontinuierlich zurückgegangenen Zugangszahlen Geflüchteter, erklärte eine Sprecherin. In der ZUE in Elmpt können 1500 Flüchtlinge untergebracht werden; es ist die größte Zentrale Unterbringungseinrichtung im Regierungsbezirk Düsseldorf. Welche Auswirkungen hat die Entscheidung auf die Gemeinde Niederkrüchten? Die wichtigsten Fragen und Antworten:

Bislang wurden die Flüchtlinge in der ZUE der Gemeinde angerechnet. Werden Niederkrüchten dann ab April 2020 Flüchtlinge zugewiesen?

Jein. Jede Kommune in Deutschland muss nach einem bestimmten Verteilschlüssel Flüchtlinge aufnehmen. Laut dem Flüchtlingsaufenthaltsgesetz konnten durch die Zentrale Unterbringungseinheit in Elmpt maximal 500 Flüchtlinge angerechnet werden. Ein Blick in die letzte vorliegende  Verteilstatistik der zuständigen Bezirksregierung zeigt: Gerade einmal 67 Flüchtlinge wurden in Abzug gebracht. Damit erfüllt Niederkrüchten seine Flüchtlinhsquote zu 100 Prozent. Richtig ist aber: Wegen der ZUE wurden der Gemeinde Niederkrüchten in den vergangenen Jahren keine Flüchtlinge zugewiesen. Das wird nach der Schließung der Einrichtung nicht mehr so bleiben. Üblicherweise gibt’s eine Übergangsphase von einigen Monaten – dann startet die Zuweisung. „Wir hatten uns auf Ende 2021 eingestellt“, berichtet Bürgermeister Kalle Wassong (parteilos). „Nun wird die Herausforderung sein, entsprechenden Wohnraum zu schaffen.“ Dabei habe die Gemeinde mit der Bezirksregierung Arnsberg besprochen, dass Niederkrüchten Flüchtlinge „in vertretbarem Umfang“ zugewiesen werden. Zahlen will Wassong nicht nennen. Er betont: „Wir werden nicht in die Situation kommen, dass wir Turnhallen für Flüchtlinge räumen müssen.“ Es gebe ein Entgegenkommen der Bezirksregierung, die Gemeinde Niederkrüchten „nicht von heute auf morgen mit Zuweisungen zu belasten“. Gleichwohl sei es eine Verpflichtung der Gemeinde, sich um die Unterbringung der Flüchtlinge zu kümmern. „Andere Gemeinden machen das seit 2015. Durch die Zentrale Unterbringungseinrichtung hatten wir diese Verpflichtung bislang nicht.“

Gehen der Gemeinde jetzt Mieteinnahmen verloren?

Nein. Die Javelin Baracks gehören nicht der Gemeinde, sondern der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben.

Was passiert mit den Mitarbeitern der Betreibergesellschaft und des Sicherheitsdienstes auf dem Gelände?

Viele der Mitarbeiter kommen aus Niederkrüchten oder anderen Gemeinden aus dem Westkreis. Ihre Arbeitsverträge sind befristet; sie laufen im März 2020 aus. Bürgermeister Kalle Wassong befürchtet, dass sie ihre Jobs verlieren werden. „Da geht es um eine große Zahl von Menschen.“

Kann wegen der vorzeitigen Aufgabe der Zentralen Unterbringungseinheit jetzt das Gewerbegebiet auf dem Gelände des ehemaligen Militärflughafens schneller entwickelt werden?

Das wird wohl nicht passieren. „Die Zentrale Unterbringungseinrichtung hätte bei den Planungen nicht wirklich gestört“, sagt Wassong. Hintergrund: Noch müssen Flächennutzungsplan und dann der Bebauungsplan für das Gewerbegebiet erstellt werden; beides benötigt viel Zeit – und soll erst in Angriff genommen werden, wenn Klarheit besteht, wer das Gewerbegebiet genau entwickelt. So weit ist man aber noch nicht.

Wie lief das Zusammenleben mit den Flüchtlingen in der großen Unterbringungseinrichtung?

Die Flüchtlinge in der ZUE haben keine Bleibeperspektive in Niederkrüchten – sie werden entweder auf andere Städte und Gemeinden verteilt oder, sollte das Asylverfahren negativ ausgehen, zurück in ihre Heimatländer gebracht. Das ist eine schwierige Ausgangslage. Ab und zu kam es zu Polizeieinsätzen; einzelne Bewohner hatten ihre Matratzen angezündet. Dennoch bemühte sich die Gemeinde, die Menschen willkommen zu heißen. Man feierte gemeinsam Karneval, auch an St. Martin zogen die Bewohner der Unterbringungseinrichtung mit.