Restaurierung und Denkmalpflege in St. Cornelius Dülken

Alte Schätze: Fleißige Engel im Kirchturm

Acht Studentinnen wollen vor sich hin staubende Kirchenschätze im Turmzimmer von St. Cornelius vor dem Verfall bewahren. Einen Spitznamen haben die jungen Retterinnen auch schon

Ein Kruzifix liegt am Boden, ein Heiliger ruht daneben, die Holzwürmer haben sich schon gütlich an ihm getan. Andere Skulpturen zeigen den Besuchern ihren schön bemalten Rücken, ausgebaute Kirchenfenster, kaum noch als solche zu erkennen, stehen an den Wänden, ein Behälter, der zu Spenden für „bedürftige Theologiestudierende“ auffordert, fristet sein Dasein in einer Ecke.

In dem Turmzimmer des – inklusive Hahn – 87 Meter hohen Turms von St. Cornelius herrscht emsige Geschäftigkeit: Acht junge Frauen in weißen Anzügen, mit Atemschutz und Handschuhen angetan, katalogisieren, notieren, rätseln, stauben und räumen. Scherzhaft werden sie die „Acht Engel für St. Cornelius“ genannt. Und tatsächlich kamen sie wie gerufen, um die im Turmzimmer der Kirche, der „guten Stube“ lagernden, vor sich hin staubenden Kirchenschätze vor dem weiteren Verfall zu bewahren.

Seit Montag verbringen die Studentinnen ihre Tage im Turm. Hier in Dülken erleben sie unter Anleitung ihrer Professorin Regina Urbanek – nicht zum ersten Mal in ihrem Studium – die praktische Seite der Denkmalpflege.

  • Electro Deluxe Big Band im tiefen
    Jazzfestival : Electro Deluxe Big Band reißt die Zuhörer von den Stühlen

Urbanek freute sich sichtlich über die Möglichkeiten für ihre Studentinnen, sich der Herausforderung einer solchen Aufgabe stellen zu können. Dies hier sei „Praxis live“. Besonders freute sie sich über die Zusammenarbeit mit dem LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, vertreten durch Anne Heckenbücker, die vor vier Jahren bei Restaurierungsarbeiten im Chorraum der Kirche auf die Schätze aufmerksam wurde und dieses Projekt der TH Köln vorschlug. „Mit eigenen Mitteln“, so Pfarrer Jan Nienkerke, „hätte man das nie zustande bringen können“.

Die acht Engel haben ordentlich zu tun: Fahnen und andere Textilien wurden Jahre lang unsachgemäß gelagert, also bauen sie ein Regal mit ausziehbaren Fächern für ihre Unterbringung. Sie konstruieren Rollbretter, um die gereinigten und katalogisierten Skulpturen in dafür angefertigten Schutzhüllen an einem geeigneten Ort im Turmzimmer unterbringen zu können. Eine andere Gruppe katalogisiert lauter Einzelteile, die sie gefunden haben, nicht bevor sie herausgefunden haben, zu welchem Kirchenschatz das Detail gehört. Dann wird es in ein Säckchen gepackt, beschriftet, mit einer Sicherheitsnadel versehen und an die Hülle geheftet. Also ganz schön akribisch, diese Arbeit. „Das stellt uns vor besondere Herausforderungen“, sagt Daria Kozak. „Wir müssen lernen, im Team zu arbeiten, uns abzusprechen, Tagespläne einzuhalten, immer alles im Blick zu behalten.“ Auch kreativ und flexibel müssen sie sein. Und: „Man entwickelt eine intime Beziehung zu den Objekten und möchte weitermachen, um ihnen gerecht zu werden.“

Wenn die Studentinnen am Freitag ihre Arbeit beendet haben, dann haben sie rund 80 Objekte und 50 Raumausstattungsobjekte „trocken gereinigt“ und inventarisiert. Dann sind die Kirchenkunstschätze soweit grundversorgt und gesichert, dass sie restauriert werden können – was eine Frage der Finanzierung sein wird.