Neuregelung: Reitwegepflicht im Wald aufgehoben

Neuregelung : Reitwegepflicht im Wald aufgehoben

Nach einem verlorenen Prozess erlaubt der Kreis Viersen jetzt das Reiten im Wald auch auf Wegen, die nicht extra als Reitweg gekennzeichnet sind

Im Kreis Viersen ist das Reiten im Wald jetzt auch auf privaten Fahrwegen erlaubt. Der Kreis Viersen hat eine Allgemeinverfügung, die das verbietet, wieder aufgehoben. Hintergrund ist eine Verfügung des Verwaltungsgerichts Düsseldorf. Im Eilverfahren hatte die Kammer festgestellt, dass die Verfügung des Kreises rechtswidrig ist. Gegen das Urteil werde der Kreis keine rechtlichen Mittel einlegen, teilte Landrat Andreas Coenen (CDU) mit.

Bis Ende 2017 war das Reiten im Wald nur auf den privaten Straßen und Wegen gestattet, die als Reitwege gekennzeichnet waren. Seit diesem Jahr ist durch eine Änderung im Landesnaturschutzgesetz das Reiten im Wald zum Zwecke der Erholung (also keine Reitsportveranstaltungen) landesweit auch auf Fahrwegen gestattet. Fahrwege sind befestigte oder naturfeste Waldwirtschaftswege.

Die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Viersen wollte zunächst erste Erfahrungen mit der liberalisierten Reitregelung abwarten und Reitverbote noch nicht wieder festlegen. Gegen dieses Vorgehen hatten sich das Regionalforstamt Niederrhein, die Gemeinden Brüggen und Niederkrüchten sowie die Stadt Nettetal ausgesprochen.

Diesem Wunsch entsprechend hatte der Kreis das Reiten mit der Allgemeinverfügung eingeschränkt – befristet bis Ende 2018. Auch in der Sitzung des Naturschutzbeirats am Ende November 2017 wurden Für und Wider der Reitmöglichkeit auf allen Fahrwegen im Wald, so wie es das Gesetz grundsätzlich vorsieht, kontrovers diskutiert. Laut Landesnaturschutzgesetz NRW ist  eine Beschränkung auf Reitwege nur noch unter bestimmten Voraussetzungen möglich. Diese lagen nicht vor, so entschied das Verwaltungsgericht. Zwar dürfe das Recht, im Wald auf privaten Wegen zu reiten, insbesondere dann eingeschränkt werden, wenn es auf diesen Wegen zu Konflikten zwischen Reitern und anderen Erholungssuchenden kommen könne, die zu Gefahren für Personen oder Sachen führen könnten. Der Kreis Viersen habe aber solche Konfliktfälle nicht belegen können. Er gehe von einer allenfalls abstrakten Gefahrenlage aus, die den Erlass einer Reitwegeregelung jedoch nicht rechtfertige, so das Gericht.

Über den Beschluss des Gerichts freute sich Saskia Janssen sehr. Sie hatte gegen die Allgemeinverfügung des Kreises geklagt. Als Vorsitzende des Ortsvereins Viersen-Schwalm-Nette der Vereinigung der Freizeitreiter in Deutschland spricht sie sich für eine Öffnung aller Wege für Reiter aus. Dadurch könnten Reiter auch auf ruhigere Nebenstrecken ausweichen, wenn auf einzelnen Streckenabschnitten mal mehr Ausflügler unterwegs sein sollten: „Wenn man alle Wege nutzen kann, hat man mehr Spielraum.“