Kreis Viersen: Region kann mehr von Borussia profitieren

Kreis Viersen : Region kann mehr von Borussia profitieren

Von der Marke Borussia Mönchengladbach profitiert vor allem die Stadt Mönchengladbach, das zeigt eine neue Studie Die umliegenden Regionen und die Stadt Viersen werden weniger mit dem Traditionsverein in Verbindung gebracht.

Der Bundesligist Borussia Mönchengladbach hat den Niederrhein erst auf die Landkarte gesetzt. Das geht aus einer Studie des Niederrhein-Instituts für Regional- und Strukturforschung (Niers) der Hochschule Niederrhein hervor. Von der Strahlkraft des Bundesligisten profitiert in erster Linie aber nur die Stadt Mönchengladbach.

Institutsleiter Prof. Dr. Rüdiger Hamm ermittelte mit seinem Team durch Befragungen die Bedeutung des Traditionsvereins für die Stadt Mönchengladbach und die nähere Region im Umkreis von 50 Kilometern. Befragt wurden rund 1800 Personen bei insgesamt drei Heimspielen der Saison 2012/2013, bei einer Onlinebefragung und auf den Mönchengladbacher Straßen und in anderen Städten.

80,3 Prozent der Befragten sind überzeugt, dass Borussia Mönchengladbach die Bekanntheit der Stadt Mönchengladbach erhöht. Weiter noch: "Alle Befragten sind sich einig: Borussia Mönchengladbach ist das wichtigste Wahrzeichen beziehungsweise der wichtigste Imageträger der Stadt Mönchengladbach", heißt es in den Ergebnissen der Studie, die Hamm und seinen wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Christina Fischer und Angelika Jäger zusammenfassten. Der Verein schafft zudem einen Werbewert in der TV-Präsenz für Mönchengladbach, den die Wissenschaftler auf eine Summe zwischen 10,3 und 20,8 Millionen Euro beziffern. "Der Sport ist wichtiger für eine Stadt wie Mönchengladbach als beispielsweise der 1. FC für Köln", sagt Hamm.

Auch die angrenzenden Kreise profitieren von der Marke Borussia Mönchengladbach. Im Kreis Viersen, Neuss und Heinsberg, sorgt Borussia Mönchengladbach für eine direkte und indirekte Wertschöpfung von 94,1 Millionen Euro. Direkte Effekte sind beispielsweise das vom Verein gezahlte Einkommen oder die Bruttoproduktion. Indirekte Effekte sind Sachausgaben des Klubs oder Gelder, die Fans in Hotels, Geschäften, Tankstellen oder sonstigen Orten ausgeben, wenn sie die Heimspiele besuchen. Nur für den Kreis Viersen gibt es in der Analyse keine Zahlen. "Wir haben es nicht analysiert", sagt Hamm, der für den Niederrhein generell ein Wahrnehmungsproblem sieht: Der Niederrhein werde kaum mit dem Bundesligisten verbunden, meint Hamm.

Günther Thönnessen, der Bürgermeister der Stadt Viersen, der selber glühender Borussen-Fan ist, wünscht sich allein von Amtswegen, dass sich das ändert. "Es wäre wünschenswert, wenn die Borussia ihre Marketingaktivitäten auch ins Umfeld ausweiten würde", sagt Thönnessen und verweist auf den Vereinsslogan des Bundesligisten. "Das Stichwort ,Elf vom Niederrhein' könnte Programm sein." Wünschenswert sei es, dass sich die Borussia am Niederrhein stärker engagiert, damit die Verbindung zwischen Region und Verein gelebt wird. "Davon könnte auch Borussia profitieren", sagt Thönnessen.

Ein Blick auf die Zuschauerstruktur zeigt, wie hoch der Zulauf aus dem Umland bereits ist. "Unsere Zuschauerstruktur im Stadion setzt sich zu je einem Drittel aus Mönchengladbachern, aus einem Umkreis von hundert Kilometern und aus dem übrigen Bundesgebiet und Ausland wie der Schweiz oder den Benelux-Staaten zusammen", sagt Borussia Mönchengladbachs Geschäftsführer Stephan Schippers.

Wie wichtig auch regionale Netzwerke für den Verein sind, zeigt sich daran, dass 62 Prozent der Kooperationspartner Borussias aus der Region kommen. "Da wird sicherlich bei Gesprächen in den Stadien über Fußball gesprochen, aber nicht nur", ist sich Hamm sicher. Im Bereich der regionalen Netzwerke "würden wir gerne weiterforschen", sagt Hamm. Seine Mitarbeiterin Fischer, die ihre Masterarbeit zur vorgestellten Studie schrieb, würde zu diesem Thema gerne promovieren. Aktuell läuft der Promotionsantrag, vermutlich wird ihre Arbeit konkretere Ergebnisse auch für den Kreis Viersen liefern.

(RP)
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