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Ratsfrau aus Viersen wechselt von der CDU zu den Grünen

Politik in Viersen : Viersener Ratsfrau wechselt von der CDU zu den Grünen

Ratsfrau Angélique Vootz, seit 16 Jahren für die CDU im Rat der Stadt Viersen, hat am Freitag ihren Austritt aus Partei und Fraktion erklärt und wechselt mit ihrem Mandat zur Fraktion der Grünen.

Die Dülkenerin kandidierte bei der vergangenen Wahl zum Stadtrat im Dülkener Wahlkreis 807, war kulturpolitische Sprecherin der CDU-Fraktion und saß im Aufsichtsrat der NEW mobil.

Die CDU wollte sie allerdings für die Kommunalwahl am 13. September nicht mehr aufstellen; am Montagabend werden die christdemokratischen Kandidaten gewählt. Nun will Vootz bei der Kommunalwahl auf der Liste von Bündnis90/Die Grünen erneut für den Stadtrat kandidieren. Die CDU-Fraktion verkleinert sich durch den Wechsel auf 23 Mitglieder, die Grünen stellen ab sofort sieben Ratsmitglieder.

Die 53-Jährige begründet ihren Wechsel mit politischen und persönlichen Gründen: „Nach 35 Jahren in der Jungen Union und in der CDU stelle ich fest, dass diese Partei meine Werte nicht mehr vertritt. Auch die Viersener Christdemokraten haben die Zeichen der Zeit nicht erkannt und halten krampfhaft an der Vergangenheit fest“, sagte sie. Umwelt- und Klimaschutz seien für ihre früheren Parteikollegen Randthemen, die man nur pflichtschuldigst bedient – ohne echtes Engagement und eigenes Herzblut. „Ich sehe meine politische Zukunft jetzt bei den Grünen, die sich schon früh auch mit den Themen beschäftigt haben, die über den Tellerrand der kommunalpolitischen Tagespolitik hinausweisen: Klima, Umwelt, Natur und nicht zuletzt die Verkehrswende“, sagte Vootz.

Mit den Grünen möchte Vootz im Stadtrat auch weiterhin für einen starken Wirtschaftsstandort Viersen eintreten, der nicht nur den Rheinmetropolen als Schlafstadt dient, sondern mit attraktiven Arbeitgebern und einem lebenswerten kulturellen Umfeld auch selbst um junge und gut ausgebildete Fachkräfte werben kann. Vom Prinzip „Wachstum um jeden Preis“ habe sie sich allerdings verabschiedet: „Es geht nicht mehr darum, unsere Freiflächen im Außenbereich mit immer neuen Einfamilienhaus-Siedlungen zuzupflastern. Es geht um qualitatives, nachhaltiges Wachstum.“

Vootz kritisierte auch den Umgang der CDU mit den Bürgern: „Politik muss ehrlich mit den Menschen ins Gespräch kommen.“ Das gelte auch für die junge Protestbewegung für den weltweiten Klimaschutz. Vootz: „Für die konservativen Parteien ist ‚Fridays for future‘ im Grunde ein Ärgernis – eine Einmischung in die inneren Angelegenheiten der Politik.“ Für sie seien das aber politische Lebenszeichen eines demokratischen Systems. Die Geschäftsführerin eines Immobilienunternehmens fordert: „Wir müssen die jungen Menschen anhören, ernst nehmen und in unsere Entscheidungen einbinden, denn sie müssen die Folgen später tragen.“

Vootz nannte „die zunehmende Politikverdrossenheit und erschreckende Wahlergebnisse von Rechtspopulisten“ auch „ein Zeichen für das Versagen der etablierten Parteien des politischen Zentrums“: „Die Bürger sollten sehen können, dass sich ihre Vertreter in den Räten und Parlamenten um ihre Anliegen kümmern und nicht für sich selbst um Pöstchen und Posten rangeln.“ In diesem Bereich sehe sie ihre früheren Parteikollegen noch auf einem weiten Weg.

Die 53-Jährige sagte: „Die zunehmende Entfremdung zwischen mir und den Viersener Christdemokraten hat sich schon länger angebahnt und beruht, wie die Kandidatenaufstellung zur Kommunalwahl bestätigt hat, wohl auf Gegenseitigkeit.“ Die persönliche und politische Atmosphäre der Viersener CDU sei „mehr als gestört“. Vootz: „Bei den Grünen bin ich mit offenen Armen und auf Augenhöhe aufgenommen worden.“ Sie sei sehr zuversichtlich, ihre neue politische Heimat gefunden zu haben.

Mit Bedauern nahm Viersens CDU-Vorsitzender Sebastian Achten den Austritt von Angelique Vootz zur Kenntnis. Dass die Ratsfrau nun zu den Grünen wechselt, habe die CDU erst aus dem Bericht bei RP ONLINE erfahren. „In den letzten Tagen haben wir noch mehrmals miteinander telefoniert und auch nochmals ihre nicht erfolgte Aufstellung für ihren Wahlkreis im Stadtteil Dülken erörtert“, sagte Achten. „Dabei habe ich auch erläutert, dass unter dieser Prämisse eine Kampfkandidatur auf dem anstehenden Parteitag nicht zielführend sei.“ Für den Wahlkreis den bisher Ratsfrau Vootz betreute, stellte die CDU in Dülken mit sehr starker Mehrheit Jürgen Kalina auf. 26 Dülkener CDU-Mitglieder schlugen Kalina vor, zehn Vootz.

Für den CDU-Vorsitzenden stelle sich die Frage: Fußt der Wechsel zu den Grünen wirklich auf „unüberbrückbarer Differenzen“ zwischen ihren Ansichten und der derzeitigen Lage der Viersener CDU? Oder liegt es daran, dass Angélique Vootz von der Mitgliedern des Ortsverbands Dülken keine erneute Nominierung für den Ratsbezirk erhalten hat? Achten sagt: „Es gab sicher manchmal unterschiedliche Meinungen innerhalb der Fraktion, jedoch nie unüberbrückbar und im gesunden Maße, wie das in einer demokratischen Partei üblich ist.“ Von Differenzen oder Unzufriedenheit in Puncto Umweltpolitik sei dagegen nie die Rede gewesen, so der Parteivorsitzende. „Die Belange der Menschen in Viersen werden uns selbstverständlich immer in den Fokus genommen, in allen Fragen und auch in der Umweltpolitik.“ Dabei arbeite die CDU auch partnerschaftlich mit den anderen Fraktionen zusammen.

„Wenn man etwas verändern möchte, sollte man es von innen heraus zumindest versucht haben“, betonte Achten. „Dies blieb leider aus.“ Daher erkläre sich seine Überraschung über den Wechsel. Achten: „Ich persönlich wünsche Frau Vootz alles Gute für ihre neue politische Heimat und setze auf eine konstruktive Arbeit im Stadtrat zum Wohle der Stadt Viersen."