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Viersen: Rabatt auf Bestattungen

Viersen : Rabatt auf Bestattungen

Der Dülkener Bestatter Volker Diericks bietet eine Gutschrift auf Beerdigungen an. Damit wolle er den Trend stoppen, dass sich immer mehr Menschen in Viersen anonym beisetzen lassen. Die Kirche begrüßt die Idee.

Was makaber klingt, soll die Friedhöfe retten. Volker Diericks, der das Dülkener Bestattungshaus Jansen seit zwölf Jahren führt, bietet zehn Prozent Rabatt auf Beerdigungen an — außer auf anonyme Bestattungen. "Wer auf den Friedhof geht, sieht immer mehr Rasen, darunter liegen Tote", sagt der 45-Jährige.

Ein Dülkener Bestattungshaus gibt Rabatt auf alle Beerdigungen außer anonyme – diese werden nach Ansicht des Leiters des immer häufiger. Foto: ddp

Lediglich ein Schild weise darauf hin, dass hier mehrere Verstorbene liegen. "Dem will ich entgegenwirken", sagt er. "Ich will, dass die Angehörigen einen festen Ort zur Trauer haben."

Der Kaplan in St. Cornelius und St. Peter in Dülken und Boisheim, Thomas Schlütter, findet die Idee gut. "Wir begrüßen das Engagement zur Förderung der Erdbestattung als Gegengewicht zur anonymen Bestattung", sagt er. Auch die Bischöfe seien gegen die günstige und pflegeleichte anonyme Bestattung. Sie verhindere die Trauerarbeit und das Totengedenken an einem bestimmten Ort. Trauer werde ortlos, der Umgang mit den Toten nur zur Entsorgung der Leichen.

Die Stadt zahlt jährlich etwa 65 000 Euro, um ihre Friedhöfe zu pflegen. Je weniger Menschen beerdigt werden, desto weniger Gebühren erhält die Stadt — und desto teurer wird in den Folgejahren die Bestattung für andere. "Das ist aber kein typisches Viersener Problem", sagt der stellvertretende Fachbereichsleiter der Zentralen Bauverwaltung, Georg Gellissen.

"Früher haben sich die Kinder oder Enkel um das Grab vor Ort gekümmert", erklärt er. "Durch die wachsende Mobilität sind viele nicht mehr an einen Ort gebunden." So wird die Oma, die immer in Boisheim gelebt hat, auch schon mal in Berlin beerdigt, weil die Angehörigen dort leben. Der Stadt Viersen fehlen so weitere Einnahmen.

"Wir wollen den Preis für Bestattungen nicht ins Unermessliche steigen lassen", sagt Gellissen. "Aber wir müssen finanziell auch auf plus minus Null kommen." Seit der letzten Gebührenerhöhung im August 2010 kosten Urnengräber 30 Prozent mehr als vorher. "Dort gibt es, wie nach einer Erdbestattung, aber einen festen Ort, an dem man trauern kann", sagt Gellissen.

Aus diesem Grund ist Bestatter Volker Diericks auf die Idee gekommen, den Rabatt anzubieten und alle Beerdigungen außer der anonymen zu fördern. "70 Prozent derer, die jemanden anonym bestatten lassen, bereuen das später", sagt er. "Sie stehen vor einem Rasen, und wissen nicht, wo sie am Geburts- oder Todestag das Blümchen hinlegen sollen."

Zwar hoffe er, dass auch mehr Kunden zu ihm kommen und sich das Angebot langfristig rechne. Schließlich steuere er durch den Rabatt pro Bestattung mehr als 200 Euro aus eigener Tasche bei. "Ich hoffe aber auch, dass meine Mitbewerber mitziehen und helfen, dass jeder Mensch eine würdevolle Beerdigung bekommt."

(RP/rl)