Viersen: QR-Codes an 50 Straßenschild-Pfosten

Viersen: QR-Codes an 50 Straßenschild-Pfosten

Warum heißt die Solferinostraße Solferinostraße? Das fragte sich ein Anwohner und begann mit der Recherche. Jetzt lassen sich Informationen zum Namensursprung per Smartphone via QR-Code abrufen

Ein kleiner Aufkleber klebt auf dem Rohrpfosten des Straßenschildes Solferinostraße/Ecke Hoserkirchweg. Darauf zu sehen ist neben dem Logo der Stadt Viersen ein kleiner QR-Code. Wer einen entsprechenden Scanner auf seinem Smartphone hat, kann zukünftig hier und an 50 anderen Schildern im Stadtgebiet online weitere Informationen zu den Straßennamen finden. Entstanden ist die Idee in Gesprächen der Stadt mit dem Heimatverein und auf Anregung von Anwohnern. Der Heimatverein hat in seinen Straßennamensbüchern bereits umfangreiche Informationen zu Menschen mit Bezug zur Stadt zusammengestellt. Hier gibt es ausführliche Erklärungen zu den Persönlichkeiten, den Bezug der Straßennamen zur Lage im Ort sowie Hintergrundwissen zu mundartlichen Benennungen. Dargestellt wird aber auch, wann die Straße so benannt wurde und ob es einen Ratsbeschluss dazu gab. Dies alles wird nun per QR-Code Interessenten online zugänglich gemacht. „Früher haben wir bei Straßennamen von wichtigen Bürgern entsprechende kleine Hinweisschilder unter dem eigentlichen Straßenschild angebracht“, erklärt Fred Pollmanns, Vorstandmitglied des Viersener Heimatvereins. „Textlich waren wir immer begrenzt: Auf die Zusatztafeln passen gerade einmal Geburts- und Sterbedatum sowie eine kurze Erklärung der Funktion dieser Person.“ Daher begrüße er die Idee, mittels QR-Codes diese Informationsvermittlung auszubauen und so für eine technische Verbesserung zu sorgen. Für die Umsetzung zeichnet unter anderem Joachim Seidenfaden verantwortlich. Der Abteilungsleiter Liegenschaften und Geodaten ist unter anderem für die Benennung von Straßen verantwortlich. An den Arbeiten für das Projekt waren verschiedene Dienststellen beteiligt: Zunächst mussten die Daten erzeugt, eine entsprechende Internetseite erstellt und natürlich die Aufkleber gedruckt werden. „Der Kostenaufwand für die Anbringung der zusätzlichen Daten ist bisher sehr hoch gewesen“, so Seidenfaden. Ein Aufkleber kostet hingegen nur 19 Cent, kann also schnell und günstig erneuert werden. Die QR-Lesemethode erlaube zudem schnelles und flexibles Reagieren, beispielsweise in Fällen wie der Überlegung, ob man die Hindenburgstraße umbenennen müsse. Da könne man entsprechende Informationen unkompliziert online hinterlegen. Interessierte können sich zudem die Informationen zu den Straßennamen auch im Internet anschauen. „Dazu muss man nur unter www.viersen.de in das Suchfeld den Begriff ,Straßennamen‘ eingeben.“

 „Wir sind der Digitalisierung ein kleines Schrittchen näher gekommen“, sagt Beatrice Kamper, technische Beigeordnete der Stadt Viersen, über den neuen Service. Dies habe man auch aufgeweckten Bürgern zu verdanken. Gemeint ist Rainer Flug (46), Anwohner der Solferinostraße: „Meine Familie und ich sind vor zwei Jahren hierhin gezogen, haben nichts über den Straßennamen gewusst und begonnen, zu recherchieren.“ Die Internetsuche ergab, dass es sich um einen kleinen Ort zehn Kilometer südlich des Gardasees handelt. Bekannt geworden ist die Stadt durch die Schlacht von Solferino im Jahr 1859. Aufgrund der Auswirkungen dieser Schlacht gilt sie als Geburtsort der Idee zur Gründung der Hilfsorganisation Rotes Kreuz. „Es gab 30.000 Verwundete, und es wurde beschlossen, allen zu helfen, egal ob einheimisch oder ausländisch.“ Begeistert von dieser humanitären Idee habe er beschlossen, ein entsprechendes Schild zu spenden, um es an den Mast anbringen zu lassen. „Doch die Idee, die Informationen nun so zu kommunizieren, ist absolut innovativ“, so Flug. Nach dem Start in Viersen sollen in den nächsten Wochen auch in Dülken, Süchteln und Boisheim QR-Aufkleber an den Straßenschild-Masten angebracht werden.

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