Schwalmtal Psychologe: "Viele Opfer schämen sich"

Schwalmtal · Der Fall von Bernd Püllen zeigt, dass viele Opfer von Gewaltverbrechen nicht die Unterstützung erhalten, die sie benötigen. Dabei fehlt es nicht an Hilfsorganisationen.

Der "Weisse Ring" etwa, die bundesweite Hilfsorganisation für Kriminalitätsopfer, bietet ein breites Spektrum an Leistungen an. Aber nur wenige nehmen diese in Anspruch. 2010 wurden in NRW 199 150 Gewaltdelikte registriert. "Leider haben sich bisher nur 14 000 Opfer an uns gewandt", erklärt Roswitha Müller-Piepenkötter, Bundesvorsitzende des "Weissen Rings". "Daher ist es zwingend nötig, die Zusammenarbeit zwischen der Polizei, den Justizministerien und uns weiter auszubauen."

Der Kölner Psychologe Michael Kopper ist Trauma-Spezialist. "Menschen, die eine Situation erleben, in der das eigene oder ein fremdes Leben akut bedroht wird, speichern das Erlebte so tief im Gedächtnis ab, dass die Opfer anschließend meist nicht in der Lage sind, darüber zu sprechen." Ein weiteres Problem sei, dass sich viele Patienten schämen, zum Psychologen zu gehen. "Es muss dringend mehr Aufklärungsarbeit geleistet werden", so Kopper. Auch Schulungen für Polizisten und Ärzte seien nötig. Sie müssten lernen, wie man ein Trauma erkennt.

Die "Stiftung Opferhilfe Niedersachsen" setzt dort an, wo Menschen wie Bernd Püllen Hilfe benötigen. Hauptamtlich tätige Sozialpädagogen helfen den Betroffenen, ihre Rechte zu verstehen und einzufordern. "Behörden gehen oft nicht sensibel genug mit Opfern um. Daher begleiten wir sie beim gesamten Prozess", sagt Dunja McAllister, Ehefrau des niedersächsischen Ministerpräsidenten und Schirmherrin der Stiftung. Das beinhalte die Begleitung zu Gerichtsterminen und polizeilichen Vernehmungen. Zumutungen wie das Vorlegen von Quittungen müssen tabu sein.

(RP)
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