Viersen: Protest gegen 2200 Mastschweine

Viersen : Protest gegen 2200 Mastschweine

"Wir haben nichts dagegen, dass Familie Gartz einen Maststall für 2200 Mastschweine bauen will!" Dies steht auf dem Schild, das Hans Peter Kreutzer in seinem Vorgarten im Dülkener Ortsteil Nette aufgestellt hat.

Und das meint er auch so, aber: Als sein Schwager Walter Lehnen im März zufällig eine Anzeige des Kreises in der Rheinischen Post fand, dass Brigitte Gartz, Nachbarin von Kreutzer, eine derartige Erweiterung ihres landwirtschaftlichen Betriebes beantragt hat, wurde er aufmerksam.

Da die Unterlagen öffentlich auslagen und Einwendungen zugelassen waren, ließ sich Lehnen alles zeigen und die wichtigsten Details kopieren, die er dann mit seinem Schwager durchging. Dabei fielen den beiden einige Ungereimtheiten auf, die sie zunächst mit Thomas Gartz und anschließend mit weiteren Anwohnern der Nette diskutierten und bei einem Erörterungstermin auch zur Sprache brachten.

Es ging ihnen vor allem darum, dass der riesige Stall im Landschaftsschutzgebiet direkt hinter der Bebauung mit vielen Wohnhäusern errichtet werden soll, die — so die Eigentümer — eine hohe Wertminderung erfahren würden, denn die mikrobiologische Belastung wäre enorm und der Kraftfahrzeugverkehr nähme rapide zu. Denn Mastschweine benötigen Futtermittel. Dann müssen Sauen an- und Mastschweine abtransportiert werden — rund 6600 Tiere im Jahr. Außerdem fallen rund sieben Millionen Liter Gülle jährlich an, die auch regelmäßig über die Nette gefahren werden müssen — 290 Ladungen im Frühjahr und 290 im Herbst plus die gleiche Anzahl Leerfahrten.

Dass dies nicht möglich ist, hat die Stadt Viersen — nachdem die Anwohner darauf hingewiesen haben — erkannt: Die Straße Nette wurde auf ihre Belastbarkeit überprüft und als "besserer Fahrradweg" beurteilt. Außerdem ist die Straße schmal, Begegnungsverkehr muss auf private Grundstückseinfahrten ausweichen. Also: Keine Gülletransporte über die Nette, sondern über die Wirtschaftswege Richtung Amerner Weg.

Die entstehenden Schäden an der Straße und den in Frage kommenden Wirtschaftswegen muss die Allgemeinheit tragen, also die Bürger. Und speziell für die Straße Nette werden die Anlieger zur Kasse gebeten. Dies und weitere Beanstandungen wie Ausbringung der Gülle in Nähe des Wasserwerks haben die Anwohner aufgelistet und dem Amt für technischen Umweltschutz und Kreisstraßen des Kreises Viersen als Genehmigungsbehörde vorgelegt.

Nun hoffen sie, dass für die Mastanlage am vorgesehenen Ort keine Genehmigung erteilt wird. Keiner der Anwohner an der Nette habe etwas gegen den Mastschweinestall, betonen die Anwohner, aber "bitte irgendwo weit genug im Feld, wo er keinen Bürger stört und es keinen Bürger Geld kostet."

(flo)
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