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Viersen: Primusschule soll 2014 starten

Viersen : Primusschule soll 2014 starten

Viersen wirbt für die Primusschule: 1300 Eltern bekamen Post zu der Modellschule, die die Stadt errichten will. Sie soll ins Gebäude der Dülkener Ostschule ziehen, die dann auslaufen würde.

Ambitioniert zählt zu den ersten Worten, die einem einfallen, wenn es um die Primusschule geht. Kinder vom ersten bis zum zehnten Schuljahr sollen darin Klassen besuchen, die mit maximal 25 Schülern kleiner sind als an anderen Schulen. Ihre Lehrer bekämen mehr Zeit für die Unterrichtsvorbereitung und würden individuelle Lernpläne erstellen.

Unterrichtet würde in Klassen, die je zwei Jahrgänge übergreifen. Ein Team aus Fachleuten, wie zum Beispiel Sozialpädagogen und Erziehern würde Lehrer und Schüler unterstützen. Die Primusschule sei aus pädagogischer Sicht heraus entwickelt worden, sagt Schulamtsdirektorin Rosemarie Voßen.

In der vergangenen Woche hat die Stadt 1300 Familien angeschrieben, deren Kinder 2014 und 2015 in die Schule kommen: Die Eltern von 75 Kindern müssten Interesse bekunden, ihr Kind 2014 an der Primusschule anzumelden. Dann könnte die Stadt beim Land beantragen, eine Primusschule in Viersen zu eröffnen. 15 Primusschulen soll es in NRW geben. Ob die Stadt einen Zuschlag für die Schule erhielte, ist ungewiss: Das Landeschulministerium gibt noch keine Zahlen dazu heraus, wie viele Gemeinden Interesse an dem Modellprojekt haben.

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Sollte die Primusschule genehmigt werden, würde sie ins Gebäude der Dülkener Hauptschule Ostschule ziehen. Dort haben in den vergangenen beiden Jahren nur wenig Fünftklässler angefangen. "Eltern melden ihre Kinder heute entweder am Gymnasium an oder an Schulen des längeren gemeinsamen Lernens", sagt Schulamtsdirektorin Ursel Lamers-Heinemann.

Die zehn Klassenstufen an der Primusschule entsprächen damit dem, was viele Eltern sich wünschten. Vor allem aber nütze das längere gemeinsame Lernen den Kindern, sagt die Grundschulrektorin Gudrun Altemeier von der Kreuzherrenschule. Sie hat in einem Arbeitskreis mitgearbeitet, der ein Konzept für eine Zukunftsschule in Viersen entwickeln sollte. Altemeier beschreibt, dass sie jedes Jahr mit ihren Kollegen in Konferenzen lange diskutieren müsse, welches Kind eine Empfehlung für welche Schulform bekommen sollte. "Die Entwicklung vieler Kinder ist in diesem Alter noch so unfertig, dass man das kaum entscheiden kann."

Den Arbeitskreis für eine Zukunftsschule hatte die Stadt initiiert, nachdem vor eineinhalb Jahren das Ergebnis eines Gutachtens feststand. Es untersuchte, ob Viersen mit anderen Westkreis-Gemeinden die Zukunft der Schulen planen sollte. "Die Antwort war für uns enttäuschend, denn sie war: Viersen muss alleine klarkommen", sagt Schuldezernent Paul Schrömbges.

Im Arbeitskreis stellten die Mitglieder, darunter viele Rektoren, fest, dass sie ihre Ideen dem ähnelten, was das Land für die Primusschule vorschlägt. So war den Pädagogen die individuelle Förderung wichtig. Diese sei nicht allein durch das dreigliedrige Schulsystem mit Gymnasium, Haupt- und Realschule gewährleistet, sagt etwa Gunter Fischer, Rektor des Clara-Schumann-Gymnasiums. So seien die Gymnasiasten eine sehr heterogene Gruppe. "Wir wissen dank Pisa schon lange, dass das dreigliedrige Schulsystem keine Trennschärfe hat." An einigen Viersener Grundschulen lernen Kinder bereits jahrgangsübergreifend nach individuellen Lernplänen. Das ist an der Primusschule bis zur zehnten Klasse vorgesehen. Dann können die Schüler einen Abschluss machen oder ans Gymnasium wechseln.

Kommt die Primusschule, würde wohl auch die Kreuzherrenschule in Dülken schließen. Allerdings würde sie auslaufen, auch Kinder, die 2013 eingeschult würden, sollten bis zur vierten Klasse bleiben können, versichert die Rektorin Altemeier.

Hier geht es zur Infostrecke: Schulsystem-Chaos in Deutschland

(RP/rl)