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Kreis Viersen: Preissturz beim Altpapier

Kreis Viersen : Preissturz beim Altpapier

Die Finanzkrise und eine Marktsättigung in Fernost machen verwertbare Abfälle nahezu wertlos. Die Branche hofft, dass die Kommunen ihnen trotz bestehender Verträge entgegenkommen. Die Zeche zahlt der Verbraucher.

Mit einem Schlag sind die niederländischen Schrottsammler aus dem Straßenbild zwischen Nettetal und Viersen verschwunden. Der Markt für verwertbare Abfälle ist in wenigen Wochen zusammengebrochen. Die Preise für Schrott, Kunststoff und Altpapier sind abgestürzt. Die Folgen bedrängen die Gebührenkalkulationen der Kommunen.

Im vergangenen Jahr noch hat der Abfallbetrieb des Kreises Viersen ein prächtiges Geschäft gemacht. Per Ausschreibung erzielte er 75 Euro pro Gewichtstonne für Altpapier. Den Zuschlag erhielt die Viersener Entsorgungsgesellschaft Niederrhein (EGN). Die Preise kletterten danach noch bis in dieses Jahr über 80 Euro je Tonne — dann folgte der jähe Absturz. Der Markt in Fernost ist überfüttert, hinzu kommt die Finanzkrise. Schiffe mit Altpapier dürfen Chinas Häfen nicht anlaufen.

Der Kreis könnte sich locker zurücklehnen und abwarten. "Wir haben einen Dreijahresvertrag über 75 Euro mit der EGN bis Ende 2010 abgeschlossen", erklärt der Leiter des Abfallbetriebs, Reinhard Wernitz. Den Kommunen gibt er sogar 85 Euro je Gewichtstonne für die Lieferung von Altpapier. Das senkt die Abfallgebühren insgesamt.

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Noch. Denn die Wirtschaft ist aufgeschreckt. "Wir haben Gesprächsbedarf mit dem Kreis", erklärt für die Firma EGN Paul Mackes. Er sieht mit großer Sorge, wie die Preise für Wertstoffe abgestürzt sind. Etwa 20.000 Gewichtstonnen Altpapier pro Jahr sammelt EGN im Kreis.

Ein Abnehmer ist die Süchtelner Firma Newark, die den am Markt vereinbarten hohen Preis nicht mehr zahlen kann. Wie Newark ergeht es allen Verarbeitern von Wertstoffen, ob Schrott oder Kunststoff (aus dem "gelben Müll"). "Die Goldgräberstimmung der früheren Jahre gibt es längst nicht mehr", sagt Mackes. Seiner Meinung nach sollten Marktbeteiligte kompromissbereit aufeinander zugehen, um das über Jahre entwickelte "feine Gespinst" (Mackes) im Ablauf der Abfallverwertung zu retten.

Mit Spannung darf man unter diesen Vorzeichen auf den Altpapier-Krieg schauen, der zurzeit in Willich ausgefochten wird. Die Stadt hatte in einer Ausschreibung der Berliner Firma Alba den Zuschlag zur Papiersammlung erteilt. Die Tönisvorster Firma Gerke, die bisher beauftragt war, nahm an der Ausschreibung nicht teil. Sie will auf eigene Rechnung Papier sammeln und ihre grünen Tonnen stehen lassen.

Die Stadt muss die Bürger nun überzeugen, dass sie mehr davon haben, wenn sie sich an der kommunalen Abfuhr über Alba beteiligen. EGN hat eine Minderheitsbeteiligung an Gerke, dort hält man sich bedeckt. Die Abnahmeverträge Gerkes seien nicht bekannt. "Aber hier bestimmt der Markt, was bezahlt wird", sagt Paul Mackes von der EGN.

(RP)