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Viersen: Preis für Niederrhein-Tramp

Viersen : Preis für Niederrhein-Tramp

Neuer Träger des Rheinlandtalers, einer Auszeichnung des Landschaftsverbandes Rheinland, ist der Viersener Schriftsteller Paul Eßer. Der 69-Jährige hat anspruchsvolle Texte über den Niederrhein verfasst.

Sein nächstes Buch, "Niederrhein – Gedanken und Geschichten" steht kurz vor der Auslieferung durch den renommierten Kölner Greven-Verlag. Über diese "mythische Landschaft", den Niederrhein, hat sich Dr. Paul Eßer in seiner bisher 20-jährigen Literaten-Laufbahn schon öfter geäußert. Stets mit einer Prise Ironie, in Hanns-Dieter-Hüsch-Manier, aber letztlich stets mit liebevoller Zuwendung.

"Ich freue mich über diese hohe Ehrung", sagt der pensionierte Studiendirektor eines Viersener Gymnasiums, der krankheitsbedingt schon ein paar Jahre vor dem regulären Ruhestandsalter mit dem Lehrerberuf Schluss machte. Geboren ist Paul Eßer 1939 in Mönchengladbach, als Kind verschlug es ihn jedoch zeitweilig nach Österreich. "Doch das Abi habe ich seinerzeit wieder in Gladbach abgelegt", erinnert sich der 69-jährige Germanist und Anglist. "Mit dem Schreiben habe ich erst angefangen, als ich auf meinen 50. Geburtstag zusteuerte", informiert Eßer.

Sprachforscher am Werk

Mit einem Gedichtband "Scheitelpunkt" begann sein dichterisches Schaffen 1985. Vier Jahre später folgte sein erster Erzählband, "Kalte Heimat". Da setzte sich der Autor erstmals kritisch mit dem Niederrhein auseinander. Nicht ohne Grund trug das Buch den Untertitel: " . . . und andere Geschichten von Auf- und Aussteigern." Was die Jury des Landschaftsverbandes Rheinland (LVR) gewiss aufmerken ließ, war die Veröffentlichung "Jenseits der Kopfweiden. Sprache und Literatur am Niederrhein" (2002). "Mit dem Zusammenhang von Dialekt und Identität befasste sich bereits meine Dissertation", erinnert sich der promovierte Linguist Paul Eßer.

Auch Romane und Erzählungen wie "Bellmans Blues" (2000), ein "grandioser Totentanz aus Sex, Alkohol- und Drogenexzessen", so ein Kritiker in der RP, steigerten Eßers Bekanntheitsgrad. Das Krimi-Genre eroberte sich der Autor im Jahr 2000 mit der Erzählung "Dealer-Wallfahrt".

Doch dann erlebte der seit längerem in Viersen lebende Schriftsteller noch einen späten Bekanntheits-Kick: Sein Niederrhein-Quiz, erschienen 2006, fand viele begeisterte Kunden. Inzwischen ist die zweite Auflage im Handel. "Das Quiz läuft ganz wunderbar", freut sich der kreative Feuerkopf, der erst seit jüngster Zeit mit Rücksicht auf seine angeknackste Gesundheit kürzer treten muss. Vorher hatte Paul Eßer gern und intensiv gelebt. Als 13-Jähriger verschwand er zum ersten Mal von zu Hause und trampte durch halb Europa. Er hielt sich zeitweilig in Kuba, Mexiko und Nicaragua auf. Bis vor wenigen Jahren ist Eßer gern und oft gereist. Aber der Niederrhein, seine Heimat, lässt ihn niemals los.

1993 erhielt Paul Eßer den Nikolaus-Lenau-Preis in Esslingen, 1997 den Kinder- und Jugendbuchpreis "Eberhard". Und nun bekommt er den Rheinlandtaler. Noch bevor er im Mai seinen 70. Geburtstag feiern wird, wird die Übergabe der begehrten Ehrenmünze erfolgen.

(RP)