1. NRW
  2. Städte
  3. Viersen

Kreis Viersen: Polizisten verärgert über Krad-Beschluss

Kreis Viersen : Polizisten verärgert über Krad-Beschluss

Gereizte Stimmung an der Polizei-Basis im Kreis: Viele Beamte sind sauer darüber, dass die Motorradstreife abgeschafft werden soll. Polizeigewerkschafter und Kommunalpolitiker äußern ihr Unverständnis über die Entscheidung.

Seit einigen Tagen begrüßen manche Polizeibeamte in Viersen ihre Kollegen zum Dienst mit den Worten: "Na, gehst Du auch wieder Deinem Hobby nach?" Der Spruch gibt die gereizte Stimmung in der Polizeibehörde wieder. Er bezieht sich auf die Äußerung der Polizei-Sprecherin, die Polizei sei keine "Hobby-Werkstatt". Es geht um das Thema Abschaffung der Motorradstreife. Wie die RP vergangene Woche berichtete, hat die Polizei Viersen beschlossen, demnächst ihre fünf Motorräder abzugeben.

"Viele Kollegen sind stinkig", sagt ein Polizeibeamter. In der Tat sind nicht nur die 18 fürs Polizei-Krad ausgebildeten Kräfte, sondern auch viele andere Beamte erbost — über den "Hobby-Spruch" zum einen und über die Abschaffung der Krads zum anderen. "Die Belegschaft hat das Gefühl, ihnen wird etwas weggenommen. Da ist ein Gefühl der Verschlechterung entstanden", sagt Ralf Robertz. Der Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) im Kreis Viersen hat kein Verständnis für die Entscheidung der Polizeispitze.

"Angesichts der desolaten landesweiten Haushaltssituation könnte ich viele Maßnahmen verstehen, aber mit der Abschaffung der Motorräder spart man ohne Not ein sinnvolles Einsatzmittel ein", sagt Robertz. Für die Verkehrsüberwachung seien Motorräder äußerst effektiv. Während ein Streifenwagen immer mit zwei Polizisten besetzt sein muss, sind die Motorradpolizisten in der Regel allein unterwegs. "Wenn man die Tätigkeit pro Beamtem betrachtet, ist das sehr effizient", sagt Robertz.

Johannes Peters, ebenfalls Polizeibeamter und Gewerkschafter, sieht das ähnlich: "Für kleinere Einsätze und kleinere Unfälle ist ein Motorrad sinnvoll. Ebenso wie für schwer zugängliche Feldwege." Zudem stehe der Vorwurf im Raum, die Motorradpolizisten seien reine Schön-Wetter-Fahrer, dabei leisteten sie richtig gute Arbeit.

"Ich hätte diese Konsequenz so nicht gezogen", sagt Robertz. "Man könnte darauf verzichten, Krafträder zu ersetzen, falls sie veraltet sind. Aber voll intakte Motorräder an das Land zurückzugeben, ist nicht sinnvoll. Zumal man dabei nicht viel einspart", sagt Robertz.

Allerdings habe der Polizeichef sicherlich nicht ohne Grund so entschieden, räumt Robertz ein. Tatsächlich seien zwei Haupteinsatzbereiche der Motorradstreife im Landkreis nicht gegeben: "Wir haben hier keinen dichten, innerstädtischen Verkehr, und wir haben hier auch keine Großveranstaltungen."

Zu den Gründen für die Entscheidung könnte auch die grundsätzliche Überalterung der Polizei gehören, auf die die Gewerkschaft der Polizei immer hinweist. Allein im Kreis Viersen gehen 21 Beamte bis zum Jahr 2020 in den Ruhestand.

Für Ärger sorgte die Kunde von der Abschaffung der Motorradstreife auch in der Politik. Just zwei Tage vor Erscheinen des RP-Berichts war der Polizeibeirat zusammen gekommen. Über Unfall- und Kriminalstatistiken wurde gesprochen, nur das Thema Motorradstreife wurde mit keinem Wort erwähnt, wie Beiratsvorsitzender Wolfgang Lochner (FDP) bestätigte. Angeblich werde sie so selten benutzt und sei daher nicht wirtschaftlich, hieß es dann später bei der Kreistagssitzung.

Vor allem bei der CDU sorgte die Nicht-Information für Unmut. "Es ist die typische Sprachlosigkeit, die so oft bei wichtigen Themen herrscht. Ein gutes Miteinander sieht anders aus", sagte Hans Josef Kampe, Geschäftsführer des CDU-Kreisverbands.

"Man kann das doch nicht allein auf der Grundlage der Zahlen entscheiden. Motorradpolizisten sind Sympathieträger", argumentiert Kampe. "Sie sind nahe am Bürger ebenso wie Fußstreifen und berittene Polizisten." Landrat Peter Ottmann habe die CDU nun mit auf den Weg gegeben, dass man über Zahlen und Gründe für die Entscheidung noch einmal informiert werden wolle.

(RP)