1. NRW
  2. Städte
  3. Viersen

Polizei Viersen bittet Eltern in Offenem Brief: Fahrt mit euren Kindern Rad!

Kreis Viersen : Polizist schreibt berührenden Brief

In einem Offenen Brief fordert er Väter und Mütter auf, gemeinsam mit ihren Kindern Rad zu fahren. Trauriger Hintergrund: viele Unfälle, weil den Kindern fundamentale Fertigkeiten wie richtiges Abbiegen fehlen.

„Sehr geehrte Eltern, wir – die Verkehrssicherheitsberater der Polizei Viersen – wenden uns an Sie mit dem dringenden Appell, mehr mit Ihren Kindern Fahrrad zu fahren!“ Mit diesen Worten beginnt ein ungewöhnlicher Offener Brief, den die Kreispolizeibehörde Viersen am Freitag veröffentlicht hat. „Bei unserer Arbeit müssen wir leider immer wieder feststellen, dass viele Kinder teilweise unsicher bis hin zu hilflos mit ihren Fahrrädern am Straßenverkehr teilnehmen“, heißt es in dem Schreiben weiter. „Leider verunglücken immer noch zu viele Kinder im Straßenverkehr auf den Straßen im Kreis Viersen.“

Die Idee zu der Brief-Aktion hatte André Berndt. Der 59-jährige Polizeihauptkommissar kümmert sich gemeinsam mit fünf Kollegen um die Radfahrprüfungen der Viert- und Fünftklässler. Mehr als 2000 Schüler nehmen jedes Jahr daran teil. Im vergangenen Frühling hatte er die Radfahrausbildung einer vierten Klasse in Brüggen-Bracht übernommen und sah die Kinder gut drei Monate später bei den wiederholenden Übungseinheiten in der fünften Klasse wieder. „Ich war sowas von baff. Bei einer Klasse hätte ich am liebsten sofort allen Teilnehmern das Radfahren verboten. Ich dachte mir, das endet sonst im Armageddon.“ So sei die Idee zu dem Brief gekommen.

  • Dieter Lambertz übergibt das Pedelec an
    Mehr Verkehrssicherheit auf zwei Rädern : Pedelec-Spende für Viersener Kreispolizeibehörde
  • Seit Beginn der Pandemie wurden 10.323
    Corona-Pandemie : Inzidenzwert im Kreis Viersen steigt auf 119
  • Plakate der Polizei in Willich : So gefährlich ist Radeln mit Handy

Vor drei Jahren war die Zahl der verunglückten Kinder auf Fahrrädern im Kreis Viersen auf ein Rekordhoch in NRW geklettert. Seither sind die Zahlen leicht rückläufig. Die Polizei ließ die Unfallhergänge wissenschaftlich untersuchen. „Falsches Abbiegen, Vorfahrt nehmen - das sind die Hauptunfallursachen“, sagt Michael Okuhn, Leiter der Direktion Verkehr.

„Die Kinder haben heute eine ganz andere Lebenswelt als früher“, sagt Berndt. „Viele werden im Elterntaxi zur Grundschule chauffiert, haben gar nicht das Training.“ Später, wenn das Rad dann nötig ist, um zur weiterführenden Schule zu kommen, passierten dann die Unfälle. Berndt: „Ein Indiz dafür: Die meisten Unfallopfer sind zwischen zehn und 14 Jahre alt.“

Auch die technische Entwicklung habe sich geändert: „Da kaufen Eltern ihren Kindern Räder mit 28 Gängen und ohne Rücktrittbremse, das überfordert die Kinder“, erklärt Berndt. Er nennt als Beispiel eine Übungsstrecke in Bracht: „Da geht’s den Hügel runter, dahinter müssen die Kinder links abbiegen. Sie trauen sich aber nicht, mit einer Hand anzuzeigen, dass sie abbiegen wollen, und mit der anderen Hand die Bremse zu betätigen, weil die so scharf eingestellt ist, dass die sonst über den Lenker gehen.“

Hilfreich sei deshalb, wenn die Eltern gemeinsam mit ihren Sprösslingen Fahrrad führen. „So bekommen Eltern auch ein Gespür dafür, was ihre Kinder schon können und was nicht“, sagt Berndt. Zugleich seien sie selbst Vorbild. „Eltern haben einen äußerst positiven, kaum zu überschätzenden Einfluss auf die Kinder“, erklärt Berndt. Im Offenen Brief heißt es: „Es gehört unzweifelhaft zu Ihrer Verantwortung, Ihre Kinder auch für diesen Bereich des Lebens zu befähigen.“

Das Schreiben der Polizei an die Eltern schließt mit den Worten: „Schwingen Sie sich mit Ihren Familien am Wochenende auf die Räder und erkunden Sie unseren schönen Kreis Viersen.“