Billard-WM in Viersen: Politik streicht Zuschuss für WM

Billard-WM in Viersen : Politik streicht Zuschuss für WM

Ab 2016 wird Viersen für die WM-Ausrichtung kein Geld mehr an die Deutsche Billard-Union überweisen. Die zusätzlichen Personal- und Sachkosten will die Stadt jedoch weiterhin aufbringen.

Seit 26 Jahren ist die Dreiband-Billard-WM fester Bestandteil des Viersener Veranstaltungskalenders. Gäste aus allen Teilen der Welt kamen für ein verlängertes Wochenende in die Kreisstadt, um in der Festhalle ihren Champion zu ermitteln. Es könnte sein, dass die Veranstaltung 2015 die letzte in Viersen sein wird. Nach teils kontroverser Debatte beschloss der Rat mit einer Mehrheit von 28 zu 24 Stimmen, den jährlichen Barscheck an die Deutsche Billard-Union (DBU) in Höhe von 12 270 Euro für die Ausrichtung ab dem kommenden Jahr zu streichen. Eine Mehrheit von CDU, Linken und FürVIE votierte für einen sofortigen Stopp des Zuschusses. SPD, FDP und Grüne hatten sich für eine zweijährige Übergangsfrist ausgesprochen.

Das war auch der Vorschlag von Bürgermeister Günter Thönnessen gewesen, der sich zum Wochenanfang in diesem Punkt noch einmal schriftlich an den Chef der DBU, Michael John, gewandt hatte. In seinem Brief hatte Thönnessen auf die Möglichkeit hingewiesen, die bestehenden Konditionen für zwei Jahre zu verlängern und in dieser Zeit nach einer gemeinsamen vertraglichen Lösung für die weitere Zukunft zu suchen. Für seinen Plan brauchte der Bürgermeister allerdings die Zustimmung des Rates. Der machte ihm jetzt einen Strich durch die Rechnung.

Es waren zwei Faktoren, die vor allem die CDU zu ihrer Ablehnung bewogen hat. Zum einen bemängelten die Christdemokraten die fehlende Transparenz bei der Abrechnung der Veranstaltung durch die DBU. "Wir wissen gar nicht, ob wir mit den rund 12 000 Euro die Veranstaltung oder den Veranstalter unterstützen. Das können wir bei der derzeitigen Viersener Haushaltslage nicht mittragen", so Fraktionsvorsitzender Stephan Sillekens. Das zweite Problem ist der "Werbewert" für Viersen. "Wir sprechen hier von einer Randsportart, die in Viersen keine Heimat und auch keinen Verein hat. Parallel gibt es viele aktive Bereiche in der Stadt, für die wir gerne mehr tun würden, es aber mit Blick auf die Finanzlage nicht können. Für die CDU ist es daher nicht zu verantworten, dieses Geld für die WM auszugeben." Gleichzeitig betonte Sillekens, dass die Stadt auch für die kommenden Jahre die Festhalle und das notwendige Personal bei einer weiteren Austragung der WM in Viersen kostenfrei zur Verfügung stellen werde: "Hierbei handelt es sich um einen weiteren Beitrag an Personal- und Sachkosten, der noch einmal im fünfstelligen Euro-Bereich liegt."

Ganz anders argumentiert SPD-Ratsherr und Finanzexperte Ozan Atakani: "Man muss die Investition in die Billard-WM unter anderem auch als eine Art Wirtschaftsförderung sehen. Es kommen Vertreter aus 20 bis 30 Nationen für mehrere Tage in die Stadt. Das bedeutet zusätzlichen Umsatz für den Einzelhandel, die Hotels und die Gastronomie. Ich denke, diese 12 270 Euro waren gut angelegt."

Die Position von Thönnessen in den jetzt anstehenden Gesprächen mit der DBU hat die Ratsentscheidung nicht verbessert. Der Bürgermeister muss nun mit einem bereits für 2016 reduzierten Angebot in die Verhandlungen gehen. Und das mit der Gewissheit, dass sich schon in der Vergangenheit unter anderem im arabischen Raum zahlreiche Länder um die Ausrichtung der WM bemüht haben.

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(RP)