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Brüggen: Politik für Umbau der Borner Straße

Brüggen : Politik für Umbau der Borner Straße

In der jüngsten Bauausschuss-Sitzung stellte ein Ingenieur zwei Entwürfe für die Umgestaltung der Borner Straße vor. Noch ist nicht klar, ob die Fahrbahn in Abschnitten erneuert wird und ob Anlieger an den Kosten beteiligt werden

Die Borner Straße in Brüggen soll für Radfahrer sicherer werden. Schon heute gibt es zwischen dem historischen Ortskern mit kleinen Geschäften und den großen Supermärkten an der oberen Borner Straße viel Verkehr. Er wird noch zunehmen, denn dort wird gebaut: Noch in diesem Jahr sollen die Arbeiten für den neuen Aldi-Markt auf der nördlichen Seite (bei Rewe) und für eine dm-Filiale beginnen. Auf der südlichen Seite sollen auf dem Laumans-Gelände Wohnhäuser errichtet werden.

Der Ausschuss hatte am Mittwochabend nur einen Punkt auf der Tagesordnung, doch darüber diskutierten die Fraktionen gut anderthalb Stunden. Jens Klähnhammer vom Ingenieurbüro Fischer stellte zwei Entwürfe für die Umgestaltung der Borner Straße vor. Er machte zunächst auf zwei Probleme aufmerksam: Zum einen seien E-Bikes enorm auf dem Vormarsch: "Die zunehmende Geschwindigkeit erfordert, dass man infrastrukturell reagiert und Situationen schafft, die für Fußgänger wie für Radfahrer verträglich sind." Zum anderen werde es durch den geplanten Kreisverkehr am Weihersfeld beim Abbiegen eine unfallträchtige Situation geben, "die gilt es zu vermeiden".

Nach Gesprächen in einer Arbeitsgruppe erstellte das Ingenieurbüro die beiden Entwürfe. Die erste Variante sieht einen Schutzstreifen für Radfahrer auf beiden Seiten der Fahrbahn vor. Diese mit einer gestrichelten Linie gekennzeichneten Streifen müssen mindestens 1,25 Meter breit sein, die Regelbreite liegt bei 1,50 Metern. Damit sich Fahrzeuge begegnen können, ohne den Streifen überfahren zu müssen, sollte die Fahrbahn 4,50 Meter breit sein. Dafür müsste die Borner Straße stellenweise verbreitert werden.

Vom Kreisverkehr bei Lidl gelangen Radler und Fußgänger über einen Geh- und Radweg in den Ortskern. Schutzstreifen für Radler wären möglich. Foto: Busch

Die zweite Variante sieht einen Umbau der Borner Straße in mehreren Abschnitten vor. Der erste Abschnitt vom Hagenkreuzweg bis zum Alter Postweg könnte durch eine Beschränkung auf Tempo 30, Querungshilfen, Bäume und einen kleinen Kreisel an der Einmündung Burgwall nicht nur eine Verkehrsberuhigung schaffen, sondern auch mehr Aufenthaltsqualität und ein attraktives Entree zum Ortskern. Das soll der Autofahrer auch durch eine rötlich eingefärbte Fahrbahn erkennen - im Entwurf sah das so aus, als rolle Brüggen Besuchern den roten Teppich aus.

Der zweite Abschnitt sieht Fahrbahn, Radfahrstreifen (mit durchgezogener Linie) und Gehweg nebeneinander vor, der dritte Abschnitt Schutzstreifen (mit gestrichelter Linie). Für Variante 1 und 2 sieht das Büro außerdem vor, vom Kreisel vor Lidl bis zur B221 auch auf der rechten Seite einen Radweg anzulegen. Auch eine Verlegung der Bushaltestelle in Richtung Autohaus hatte der Planer berücksichtigt.

Wenngleich die Fraktionen zunächst intern diskutieren wollen, welche Variante sie bevorzugen, und erst am 8. März einen Beschluss fassen wollen, gab es schon viel Zustimmung für die zweite Variante. Der CDU sei wichtig, Radfahrern Sicherheit zu geben, den Engpass am Katharinenhof zu beseitigen, den Ortskern stärker anzubinden, die Borner Straße städtebaulich aufzuwerten und die Zufahrt zu den bestehenden Geschäften zu erhalten, sagte Winfried Goertz. SPD-Fraktionschef Gottfried Optenplatz erklärte: "Meine Fraktion ist klar für Variante zwei. Sicherheit muss für uns oberste Priorität haben." Für die Grünen erklärte auch Ulrich Siebert, den zweiten Entwurf zu bevorzugen. Rolf Gersemann (AWB) sprach sich ebenfalls dafür aus, warnte mit Blick auf weitere Projekte aber vor den Kosten: Die erste Variante soll geschätzt 290.260 Euro brutto kosten, die zweite 874.125. Gersemann: "Wir sollten uns nicht übernehmen."

Wenn klar ist, welcher Entwurf gewählt wird, wird die Verwaltung auch sagen können, ob Anlieger an den Kosten beteiligt werden. Für die erste Variante sei mit keiner Beteiligung zu rechnen, erklärte Martin Houbertz vom Bauamt gestern auf Anfrage. Sollte sich die Politik für die zweite Variante entscheiden, müssen Anlieger mit Kosten rechnen. Nach dem Kommunalabgabengesetz werden sie beteiligt, wenn Straßen deutlich verbessert oder von Grund auf erneuert werden. Für Hauptverkehrsstraßen wie die Borner Straße liegt der Beitragssatz in Brüggen für Fahrbahn und Radweg bei 20 Prozent, für Parkstreifen und Gehweg bei 60 Prozent. Zu prüfen ist noch, ob der rund 50 Jahre alte Kanal ebenfalls zu erneuern wäre. An den Kanalbaukosten werden Anlieger nicht beteiligt.

(RP)