Pläne für Wohnfläche auf Vorrat in Viersen

Regionalplan Viersen : Pläne für Wohnflächen auf Vorrat

Die Verwaltung ist mit dem ersten Änderungsentwurf für den Regionalplan der Bezirksregierung nicht einverstanden. So sollen darin etwa zu wenige potenzielle Siedlungsflächen ausgewiesen sein, um den Wohnraumbedarf zu decken.

Die Bezirksregierung Düsseldorf schlägt im ersten Änderungsentwurf für ihren Regionalplan fünf Landstücke in Viersen vor, die sich als zusätzliche Siedlungsfläche eignen würden. Wenn es nach der Viersener Stadtverwaltung ginge, sollten es eher neun Landstücke sein – die Viersener Grünen hingegen wären eher für eins, höchstens drei. In der jüngsten Sitzung des Ausschusses für Stadtentwicklung und Planung berieten die Mitglieder darüber, wie die Verwaltung denn nun auf den Änderungsentwurf aus Düsseldorf reagieren soll.

Die Fläche Viersen Süd-West an der Kölnischen Straße halten die Planer wegen sehr guter verkehrlicher Infrastruktur und der Nähe zur A52 für attraktiv. Foto: Martin Röse

Das Ergebnis: Sie soll der Bezirksregierung nun eine Stellungnahme schicken, in der sie unter anderem die Ausweisung von neun statt fünf zusätzlichen Flächen fordert. Das beschloss der Ausschuss mehrheitlich bei einer Enthaltung (Linke) und zwei Gegenstimmen (Grüne). Ludwig Mertens von den Grünen kritisierte, die Flächen seien „Ackerland, Bauland auf der grünen Wiese“. Im Hinblick auf den Klimaschutz sei das „absolut kontraproduktiv“.

Trotz wohl erheblicher Umweltauswirkungen soll wegen des hohen Wohnflächenbedarfes das Landstück Viersen-Süd (um Obi) Siedlungsfläche werden. Foto: Martin Röse

Noch bis 30. September sind die Unterlagen zum ersten Änderungsentwurf des Regionalplans öffentlich einsehbar. So liegen sie zum Beispiel im Kreishaus am Rathausmarkt in Viersen aus. Die Bezirksregierung hat sie erarbeitet mit dem Ziel, angesichts wachsender Bevölkerungszahlen in der Rhein-Region rund um Düsseldorf mehr Wohnbauflächen zu schaffen. Der Entwurf sieht vor, rund 100 zusätzliche Flächen mit einer Größe von insgesamt 1500 Hektar auszuweisen. Die Stadt Viersen hatte zehn mögliche Flächen gemeldet, die von der Bezirksregierung in einem Flächenranking bewertet wurden.  Dabei spielten unter anderem die Verkehrsanbindung und Umweltauswirkungen eine Rolle. Von den zehn möglichen Flächen in Viersen sind aktuell laut Änderungsentwurf fünf als Bauland geeignet.

Die Fläche Viersen-Dülken Friedhofsallee ist unter zehn Hektar groß, sie wurde vor allem wegen guter verkehrlicher Erreichbarkeit ausgewählt. Foto: Martin Röse

Bis Ende September hat die Stadt nun auch Zeit, zu reagieren. Die Verwaltung stellte den Mitgliedern des Ausschusses für Stadtentwicklung und Planung jetzt in der Sitzung ihren Entwurf für die Stellungnahme vor – das Schreiben soll sie nun nach Düsseldorf schicken, Änderungswünsche gab es nicht.

Das ehemalige Kaisers-Gelände in zentraler Lage möchte die Stadt doch lieber als Gewerbefläche nutzen. Foto: Martin Röse

Die Verwaltung kritisiert in der Stellungnahme unter anderem, wie die Flächen in dem Entwurf für den Regionalplan bewertet wurden. So ist nach Ansicht der Verwaltung etwa die verkehrliche Anbindung bei der Berechnung als Faktor zu stark gewichtet – was dafür sorge, dass dringend benötigte Siedlungsflächen weiter außerhalb in Süchteln und Boisheim im Flächenranking nun rausfallen würden.

Die Regionalplaner geben der Fläche Ransberg-Süd von allen Flächen in Viersen die wenigsten Punkte für ökologische Verträglichkeit, dennoch soll sie wegen guter Erreichbarkeit ausgewiesen werden. Foto: Martin Röse

Weiterer Kritikpunkt der Verwaltung: Die Bezirksregierung geht davon aus, dass in Viersen bis zum Jahr 2040 insgesamt ein Bedarf an 2534 Wohneinheiten besteht und bis dahin 300 zusätzliche Wohneinheiten gebaut werden müssen – die Stadtverwaltung rechnet derzeit damit, dass 300 nicht ausreichen und geht von einem Wohnraumbedarf von 3566 Einheiten schon bis 2030 aus.

Deshalb fordert sie, dass neun der vorgeschlagenen Flächen im Änderungsentwurf für den Regionalplan berücksichtigt werden. Nur das vorgeschlagene Landstück auf dem ehemaligen Kaiser’s-Gelände will sie zurückziehen, es soll lieber als Gewerbegebiet genutzt werden.

Thomas Gütgens (CDU) betonte in der Sitzung: „Wir brauchen diese Flächen.“ Sie bei Bedarf nicht zu nutzen, um Wohnraum zu schaffen, sei fast schon fahrlässig. „Das sind ja Vorratsgebiete“, sagte Heinz Plöckes (SPD). Vielleicht würden sie erst in Jahrzehnten als Bauland benötigt. „Das sind Potenziale, das heißt aber nicht, dass wir die bebauen“, bekräftigte die Technische Beigeordnete Susanne Fritzsche. In den kommenden Jahren stünden andere Baugebiete im Mittelpunkt. „Aber letztendlich müssen wir Wohnraum schaffen.“ Manfred Enger (FDP) sagte: „Ich fände es katastrophal, wenn wir nicht dafür sorgen, dass wir genügend Bauland in der Hinterhand haben.“ So sah es auch Christoph Saßen (Linke): „Ich denke, es macht Sinn, ein paar Flächen in der Hinterhalt zu haben.“ Diese sollten aber vor allem für sozialen Wohnungsbau genutzt werden.

Geplant ist, dass die Bezirksregierung im Oktober die Stellungnahmen der einzelnen Kommunen zum Änderungsentwurf des Regionalplans auswertet. Ziel ist, dass der Regionalrat dann im März 2020 über einen Aufstellungsbeschluss entscheidet.

Mehr von RP ONLINE