Photovoltaikanlage auf dem eigenen Dach - so funktioniert's, das bringt's

Stadt Viersen : Dem Klima helfen und Geld verdienen

In Viersen wird das Potenzial an Strom aus Photovoltaikanlagen nur zu vier Prozent ausgeschöpft. Dabei können Hauseigentümer mit einer Anlage auf dem Dach nicht nur das Treibhausgas CO2 einsparen, sondern auch eine anständige Rendite erwirtschaften. Ein Erfahrungsbericht.

Seit ziemlich genau zwei Jahren bin ich ein besserer Mensch. Weil ich einen Gutteil meines Stroms seit Januar 2018 selbst produziere, oder genauer: Ich lasse die Sonne für mich arbeiten. Die 21 polykristallinen Photovoltaik-Module auf meinem Hausdach haben seither 5797 Kilogramm des Treibhausgases CO2 eingespart – zum Vergleich: Das entspricht ungefähr dem, was ich bei 25 Flügen nach Rom in die Atmosphäre pusten würde. Seit gut zwei Jahren bin ich aber nicht nur ein besserer Mensch, sondern auch Unternehmer: Den grünen Strom, den ich nicht selbst verbrauche, speise ich ins Netz ein und bekomme Geld dafür. Über kurz oder lang amortisiert sich die Investition in die Photovoltaik-Anlage – wie lange es genau dauert, hängt von der Entwicklung der Strompreise ab. So bin ich vorgegangen:

Ist mein Hausdach überhaupt geeignet? Unsere Nachbarn haben einen wunderschönen riesigen Walnussbaum, der einen Nachteil hat: Er wirft einen Schatten auf die Dachseite, die nach Südwesten geht. Im Solarkataster des Landesamtes für Natur und Umweltschutz lässt sich gebäudescharf erkennen, ob sich die Installation einer Photovoltaikanlage lohnt. „In Viersen ist das bei rund 80 Prozent der Gebäude der Fall“, sagt der städtische Klimaschutzbeauftragte Björn Nemak. In meinem Fall stand dort: „Prüfung durch Fachunternehmen erforderlich.“ Ergebnis: Es geht, aber es wird ein bisschen teurer. Denn die Solarmodule werden in Reihe geschaltet – ausschlaggebend für die Produktion ist das schwächste Glied der Kette. Im Zweifel das Solarmodul mit dem Baumschatten drauf. Das lässt sich aber beheben, durch Leistungsoptimierer, die an jedes Modul angeklemmt werden. Das kostet allerdings extra: knapp 1100 Euro.

Wie teuer ist die Anlage? Ich habe knapp 9900 Euro inklusive Mehrwertsteuer bezahlt. Die Anlage wurde so dimensioniert, dass sie theoretisch unseren Strombedarf abdeckt – üppige 5500 Kilowattstunden pro Jahr, weil auch die Wasserversorgung über Strom läuft. Im Jahr 2018 produzierte die Anlage 5,1 Megawattstunden Strom, im etwas schattigeren Jahr 2019 waren es 4,9 MWh.

Wie kommt man ans Geld? Die 9900 Euro hatte ich nicht im Keller herumliegen. Es gibt aber einen zinsgünstigen Kredit der KfW-Bank (Programm 274). Damals lag der Zinssatz bei 2,37 Prozent, bei drei tilgungsfreien Jahren zu Beginn und einer Laufzeit von 20 Jahren. Finanziert wird aber nur der Nettowert der Anlage, in meinem Fall 8300 Euro. Problem: Meine Hausbank hatte kein Interesse daran, den KfW-Kredit durchzuleiten. Die SWK-Bank in Bingen am Rhein hat einen Schwerpunkt auf KfW-Förderkredite für Photovoltaik gesetzt, dort lässt sich ein entsprechender Kredit auch online leicht beantragen. Rechne ich die Zinsen noch hinzu, die ich im Zeitraum von 20 Jahren zahlen muss – 2350 Euro – muss die Anlage in dieser Zeit mindestens 10.650 Euro einbringen.

Was ist mit der Umsatzsteuer? Die knapp 1600 Euro musste ich vorschießen, das Finanzamt hat sie mir wenig später zurückerstattet.

Wie funktioniert der Einbau? Das ging reibungslos innerhalb eines Tages. Am Vortag wurden die 21 Solarmodule geliefert (und in der Garage zwischengelagert), dann kletterte der Solarteur aufs Dach und brachte die Module an. Im Keller musste noch der Wechselrichter installiert werden. Am Abend war alles fertig. Einen neuen Zähler lieferte der Stromversorger – er zeigt an, wie viel Strom bezogen wird und wie viel Strom ich ins Netz einspeise.

Was sollte man nicht vergessen? Die Anlage im Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur zu registrieren (im Normalfall erinnert einen der Solarteur daran). Und: Die Anlage der Wohngebäudeversicherung nachmelden – bei mir war deren Schutz bereits enthalten, in anderen Tarifen wird der Versicherungsschutz teurer. Es gibt auch Extra-Versicherungen für Photovoltaikanlagen.

Jetzt mal zum mitrechnen: Wie rentiert sich die Anlage? Auf mehreren Wegen. Zum einen spare ich Geld, weil ich weniger Strom bei meinem Stromanbieter einkaufen muss. Im vergangenen Jahr kamen wir auf einen Eigenverbrauch von 1900 kWh. Hätte ich die beim Stromanbieter zum Preis von 24 Cent je kWh eingekauft, hätte ich dafür 456 Euro bezahlt. Geht man mal davon aus, dass der Strompreis nicht steigt, kommen so in 20 Jahren 9100 Euro Ersparnis zusammen. Zusätzlich wird der eingespeiste Strom vergütet. Für jede Kilowattstunde erhalte ich 12,2 Cent (2020 wird weniger gezahlt, weil die Anlagen günstiger geworden sind). Der entsprechende Wert gilt 20 Jahre lang. Bei 3011 kWh, die ich vergangenes Jahr eingespeist habe, macht das 524 Euro. Rechnet man das auf 20 Jahre hoch, kommen weitere 10.500 Euro zusammen. Macht zusammen 19.600 Euro. Abzüglich der Gesamtinvestition von 10.650 Euro macht das knapp 9000 Euro.

Das bedeutet: Die Anlage wirft 20 Jahre lang netto je 450 Euro ab? Ja, wenn man die Rechnung ohne das Finanzamt macht. Das will auch etwas haben: Als Unternehmer muss ich die Einkünfte versteuern. Dazu zählen nicht nur die Einspeisevergütungen, sondern auch mein selbst verbrauchter Strom (Fachleute sprechen da von „unentgeltlicher Wertabgabe“). Beides zusammen macht meine Betriebseinnahmen aus, komme ich auf 942 Euro im Jahr. Ausgaben habe ich aber auch: Die Abschreibung für die Anlage (jährlich 416 Euro) kann ich als Betriebsausgaben absetzen, ebenso den Zinsaufwand für den Kredit. Bleibt ein rechnerischer Gewinn von rund 300 Euro im Jahr, den ich versteuern muss.

Was nervt? Dass es ohne Bürokratie nicht geht. Wer selbst Strom produziert und ins Netz einspeist, wird zum Unternehmer. Ein Gewerbe muss man zwar nicht anmelden, aber Kontakt zum Finanzamt aufnehmen. Das bietet die sogenannte Kleinunternehmerregelung an, was die Buchführung vereinfacht, weil dann keine Umsatzsteuerpflicht besteht. Allerdings wirkt sich das finanziell nachteilig aus, denn wer sich dafür entscheidet, kann vom Finanzamt nicht die gezahlte Vorsteuer für die Anlage zurückbekommen. In meinem Fall hätte das rund 1600 Euro ausgemacht. Stattdessen sinnvoll: Zunächst die Umsatzsteuerpflicht wählen, nach fünf Jahren kann man dann wechseln. Steuer-CDs wie beispielsweise von Wiso machen die Steuererklärung für den Betrieb zum Kinderspiel.

Mein persönliches Fazit: Schon aus Klimaschutzgründen ist die Anlage sinnvoll. Über eine Laufzeit von 20 Jahren spare ich fast 58.000 Kilogramm CO2 ein. Dabei ist mein Hausdach nur bedingt für Photovoltaik geeignet. Das wirkt sich auch auf die Wirtschaftlichkeit aus. Trotzdem verdient die Anlage während der Laufzeit tausende Euro. Bei einem besser geeigneten Hausdach wäre da durchaus noch mehr drin. Und auch wenn in 18 Jahren die Einspeisevergütung entfällt, spare ich weiter, weil die Anlage ja weiter Strom produziert, den ich selbst nutzen kann. Den Wert meines Häuschens habe ich nebenbei auch noch gesteigert.