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Pflegenden durch Zuhören helfen - Gesprächskreis für pflegende Angehörige in Schwalmtal

Schwalmtal : Pflegenden durch Zuhören helfen

Edith Berndt leitet den Gesprächskreis für pflegende Angehörige in Amern. Betroffene können sich dort ihre Sorgen von der Seele reden

Sie hat ein fröhliches Lachen, das ansteckend wirkt. Und auch wenn Edith Berndt traurig zumute ist, lässt sie sich nicht unterkriegen: „Es geht so oft ernst zu, aber man darf das Lachen nicht verlieren, die Lebensfreude. Sonst ist man ganz schnell am Ende.“ Mit dieser Einstellung leitet sie den Gesprächskreis für pflegende Angehörige im evangelischen Gemeindezentrum am Kockskamp in Amern schon seit 18 Jahren.

An jedem zweiten Montag im Monat kommen Frauen und Männer aus Schwalmtal, Brüggen, Viersen und Umgebung zusammen, tauschen sich aus über ihre Erfahrungen. „Ich habe die Gesprächsleitung“, erklärt Berndt. Dabei war sie eigentlich durch mit dem Thema Pflege: „Ich habe viele Jahre meine Mutter gepflegt, bis zu ihrem Tod, und war ziemlich am Ende“, erinnert sich Berndt. Ausgerechnet damals sprach sie der evangelische Pfarrer Harald Ulland an: „Er meinte, ich hätte doch Erfahrung. Ob ich nicht einen Gesprächskreis zum Thema pflegende Angehörige leiten wolle? Der Bedarf sei groß.“

Berndt wollte erst nicht: „Ich war ja nicht vom Fach, hab als Verkäuferin gearbeitet. Ich konnte höchstens Herz und Ohren offen halten für andere.“ Doch genau das brauchen Betroffene. „Das erste Treffen war am 19. Januar 2000. Ich war zunächst erschrocken: Rund ein Dutzend Teilnehmer kamen, so viele Leute!“, erinnert sich Berndt. Damals war sie 64 Jahre alt: „Jetzt bin ich 82, und noch immer gibt es die Runde. Natürlich mit neuen, anderen Teilnehmern im Laufe der Jahre. Aber da sieht man mal, wie vielen Menschen es wichtig ist, über die Pflege von Angehörigen zu sprechen.“

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Da ist eine Frau, die ihren krebskranken Mann zu Hause pflegt, eine andere, die sich rund um die Uhr um ihre demenziell veränderte Mutter kümmert: „Wie oft hab ich im Gesprächskreis gehört: Ich kann nicht mehr, wie soll das weitergehen?“, erzählt Berndt. Namen und Details nennt sie nicht, macht höchstens Andeutungen: „Wenn eine Frau, und die meisten Teilnehmer sind Frauen, sich für einen Familienangehörigen aufopfert und dann selbst an Krebs erkrankt, also, das nimmt einen schon mit.“

Der Gesprächskreis ist für die meisten eine Entlastung, weil sie für diese Zeit eine Vertretung in der Pflege organisieren konnten und es so für anderthalb Stunden mal um sie selbst geht – eine seltene Gelegenheit, sich auszusprechen. „Wir sind eine offene, ökumenische Runde, der Gesprächskreis findet in Verbindung mit der Caritas statt“, erläutert Berndt. Regelmäßig geben in manchen Runden mal eine Hospizmitabeiterin, mal eine Fachkraft der Caritas Anstöße, sich nicht entmutigen zu lassen, und Tipps, etwa wie man einen Kranken umdreht, ohne ihm weh zu tun.

Wie gut es tut, sich auszusprechen, hat Edith Berndt selbst erfahren, als sie ihren kranken Mann bis zu seinem Tod 2014 pflegte: „Ich war ausgelaugt. Nachbarn sagten, ich sei gar nicht mehr ansprechbar gewesen. Da habe ich gemerkt, wie wichtig die Runde ist. So viel ich da geben kann, so viel nehme ich auch selbst mit.“

Info Der Gesprächskreis für pflegende Angehörige trifft sich am wieder am Montag, 9. Juli, von 16 bis 17.30 Uhr im evangelischen Gemeindezentrum in Amern, Kockskamp 24. Weitere Auskünfte gibt Edith Berndt unter Telefon 02163 20735.