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Pfarrer Jan Nienkerke und Pfarrer Andreas Grefen sprechen über Ostern in Corona-Zeiten

Fakten & Hintergrund : „Ostern fällt nicht aus. Es ist nur anders“

Die Geistlichen Jan Nienkerke und Andreas Grefen sprechen über leere Kirchen und Hoffnung in der Krise.

Ostern ist mit Karfreitag das höchste Fest der Christen: ein Fest des Glaubens, der Gemeinsamkeit, der Auferstehung, der Hoffnung. Und nun stehen Sie als Pfarrer Ostern in einer leeren Kirche. Wie fühlen Sie sich bei dieser Vorstellung?

So ganz einfach ist das für mich nicht, es ist ein mulmiges Gefühl. Vieles, was zum Osterfest gehört, kann in diesem Jahr nicht in gewohnter Weise stattfinden, wie unser Zusammensein und das gemeinsame Gebet bei den Gottesdiensten. Das wird mir fehlen, und ich weiß von vielen anderen Menschen, dass es ihnen genauso geht. Manche sagen jetzt ,Ostern findet nicht statt’ oder ,Ostern fällt aus’. Das sehe ich anders. Ostern findet in jedem Fall statt, es ereignet sich nur anders als sonst, eher im kleinen Zuhause als in der großen Gemeinschaft mit anderen in der Kirche.

Welche Rituale werden Sie beibehalten, auch ohne Gottesdienste?

Seit Palmsonntag liegen in der Kirche gesegnete Palmzweige zum Mitnehmen bereit; sie sind auch noch an den Festtagen in ausreichender Menge verfügbar. Auch kleine gesegnete Osterkerzen sind gegen eine Spende zu haben. Zudem ist die Kirche nicht geschlossen, sondern zum persönlichen Gebet an allen Kar- und Ostertagen von morgens bis abends durchgehend geöffnet. An Karfreitag wird das verhüllte Kreuz zur Anschauung enthüllt, auch wenn die gewohnte Form der Kreuzverehrung nicht stattfinden kann. Vor der Osternacht wird die Osterkerze in einer schlichten Zeremonie entzündet –- leider ohne die Gemeinschaft der Gläubigen. Am Ostersonntag und -montag können die Menschen dann das Licht der Osterkerze von der Kirche mit nach Hause nehmen.

Wie helfen in dieser Ausnahmesituation  digitale Medien?

Wir können sie nutzen, um miteinander in Kontakt zu bleiben und auch um neue Wege zu gehen. Wir werden für jeden der Kar- und Ostertage, von Gründonnerstag bis Ostermontag, einen geistlichen Impuls als Kurzvideo auf unserer Homepage veröffentlichen. Zudem möchte ich die Menschen ermutigen, Ostern als Fest der Auferstehung zu sehen, das in ihrem persönlichen Lebensumfeld jeden Tag stattfindet.  Darüber hinaus habe ich an Mitarbeiter, Ehrenamtliche, Hauskranke und weitere Gemeindemitglieder, die nicht so mit dem Internet vertraut sind, einen Brief geschrieben, der diesen Gedanken in einem Osterimpuls aufgreift. So können wir zumindest das, was uns zurzeit an Nähe noch möglich ist, miteinander teilen.  Wir bleiben gerade in dieser Ausnahmesituation, die wohl niemand bisher erlebt hat, auch in Kontakt und Verbindung mit unseren Kommunionkindern, deren Erstkommunion leider verlegt werden muss, sowie mit unseren Katechetinnen und Firmlingen.

Tod, Auferstehung, neue Hoffnung: Können diese Gedanken nicht auch den Menschen in der jetzigen belastenden Situation helfen?

Enttäuschte Erwartungen und zerplatzte Träume, Trauer und Verzweiflung, Tod und auch das Aufleben neuer Lebenshoffnung – die ganze österliche Dramatik erlebt jeder Mensch bei sich und bei anderen. Vielleicht können Familien in diesem Jahr einander von solchen Oster-Erfahrungen erzählen, denn genau darum geht es. So kann das Osterfest Menschen näher zu Gott bringen und ihnen den Trost vermitteln: Ganz egal, was in meinem Leben passiert, ich bin damit nicht allein gelassen, sondern Gott ist solidarisch an meiner Seite, gerade auch in den dunklen Zeiten meines Lebens und im Leid. Denn Gott hat dieses Leid selbst erfahren und im Tod seines Sohnes mit ausgehalten und durchlitten.

Wie werden Sie als Pfarrer diese Osterfest verbringen?

Ich habe die Liturgie der Kar- und Ostertage immer gerne mit unseren Gemeinden gefeiert. Ohne die Anwesenheit von Gottesdienstbesuchern wird Entscheidendes fehlen, das für die Feier eigentlich unverzichtbar ist; ich muss erst lernen, damit umzugehen. Aber auch ich muss mich, so gut es geht, auf diese neue Situation einstellen. Sicher wird man mich an den Kar- und Ostertagen auch zum persönlichen Gebet in der Corneliuskirche antreffen.

Was planen Sie privat?

Meine Mutter hat am Gründonnerstag ihren 75. Geburtstag gefeiert, und ich konnte sie aufgrund der gegenwärtigen Situation nicht besuchen. An den Ostertagen hätte ich auch meine Schwester und ihre Familie in Erkelenz getroffen. Jetzt müssen Telefongespräche oder Briefe reichen.  Ich werde versuchen, das Beste aus der Situation zu machen, und die Gelegenheit nutzen, manche Dinge anzugehen, die ich schon lange mal machen wollte. Ich bin gern in der Natur, freue mich am Wachstum und Blühen, und fotografiere gern, besonders bei schönem Wetter. Gerade im Frühling freuen mich die überall sichtbaren Anzeichen neuen Lebens, die mich aufleben lassen und mir zeigen: ,Das Leben geht weiter. Gott will das Leben.’

Was werden Sie nach der Corona-Pandemie als erstes tun? Worauf freuen Sie sich als Pfarrer, worauf  als Jan Nienkerke privat?

Auf den ersten Gottesdienst, den ich wieder zusammen mit unseren Gemeindemitgliedern feiern kann, freue ich mich als Pfarrer schon heute. Mich mit Freunden und liebgewonnenen Menschen ohne Rücksicht auf die gegenwärtigen Beschränkungen wieder zum persönlichen Austausch oder zum gemeinsamen Essen treffen zu können, ist ebenfalls ein großer Wunsch für mich. Außerdem wird es langsam wirklich Zeit für einen Haarschnitt.

Wie gehen Sie damit um, dass an Karfreitag und Ostersonntag die Kirche leer bleiben wird?

Ich finde es ganz schrecklich. Klar fehlen mir die Gottesdienste an den höchsten Feiertagen im Kirchenjahr. Man kann auch nicht woanders hingehen. Die Kontaktsperre ist schon ein tiefer Eingriff in die Religionsfreiheit.

Man könnte die Gottesdienste online übertragen.

Für eine überwiegend ältere Zielgruppe ist es schwierig, digitale Alternativen zu finden. Bei den Jugendlichen ist das kein Problem, da die ja ständig im Internet unterwegs sind. Unsere Jugendleiterinnen haben eine WhatsApp-Gruppe ins Leben gerufen, um Kontakt zu Konfirmanden und anderen Jugendlichen zu halten. Die ökumenische Kinderbibelwoche, die in dieser Woche stattfinden sollte, musste leider ausfallen. Die angemeldeten Kinder bekamen aber eine Tüte mit den Bibelgeschichten, Bastelmaterialien und Liedtexten nach Hause gebracht. Mein Kollege Christoph Helbig aus Breyell und Bastian Rütten von der Alten Kirche in Lobberich bieten das Format von ökumenischen Web-Andachten, die fünf bis sechs Minuten mit Texten und einem Lied dauern, für jeden Feiertag  an. Einen Link dorthin findet man auf unserer Internetseite (www.kirche-kaldenkirchen.de). Auf der Internet-Seite des Kirchenkreises Krefeld-Viersen (www.ekir.de/krefeld/index.php) sind zudem Web-Gottesdienste aus dem ganzen Kirchenkreis gelistet. Die Kreuzkirche in Viersen ist da sehr aktiv. Aber die ältere Klientel schaut lieber Gottesdienste, die im Fernsehen übertragen werden. Da haben sich die Sender für Ostern darauf eingestellt.

Wie funktioniert da in diesen Tagen die Seelsorge, der Kontakt zu den Gemeindegliedern?

Die telefonischen Kontakte haben auf jeden Fall zugenommen. Bei den Anrufen höre ich immer wieder, wie sehr die Gottesdienste und die Treffen der Gruppen in der Gemeinde fehlen. Aber wir können es nicht ändern. Die Landeskirche hat ganz klar vorgegeben, die Kirchen auch nicht im kleinen Rahmen zu öffnen. Aber auf Gottesdienste braucht niemand ganz zu verzichten. Wir haben auf unserer Homepage auch eine Anleitung für eine kleine Liturgie zu Karfreitag und Ostersonntag für zu Hause veröffentlicht. Und so ganz allein sind wir ja nicht. Wir läuten in Nettetal ökumenisch jeden Abend um 18.30 Uhr die Kirchenglocken, außer Karfreitag und Karsamstag natürlich. Jeder kann dann eine Kerze ins Fenster stellen, um zu zeigen, dass wir nicht alleine sind, sondern auch in der Trennung eine Gemeinschaft bilden. Für Gründonnerstag haben wir außerdem um 20 Uhr gemeinsame Läutzeiten vereinbart, für Ostersonntag und Ostermontag von 9.30 bis 9.45 Uhr.

Wie verbringen Sie Ostern?

Die ökumenische Feier in der Nacht fällt ja leider aus. Ich werde mich aber mit meinem katholischen Kollegen treffen, wie in jeder Osternacht gemeinsam mit ihm zwei neue Osterkerzen entzünden, und wir werden sie jeweils in unsere beiden Kirchen tragen. Leider dieses Jahr nur ohne eine mitfeiernde Gottesdienstgemeinde. Und natürlich werde ich am Sonntag alleine für mich eine kleine Andacht halten. Später werde ich mit meiner Tochter zusammen essen, aber nichts Besonderes.

Was meinen Sie: Werden die Kirchen nach der Corona-Pandemie voller sein?

Nach dem Krieg oder anderen Krisen war es immer so. Erst einmal werden die Kirchen wieder stärker besucht sein, die Menschen werden ihre neu erlangte Gemeinsamkeit genießen. Aber der Besuch in der Kirche wird auch wieder auf das normale Maß zurückgehen.