Partnerschaftsvertrag unterzeichnet: Brüggen und Beesel haben geheiratet

Gemeinde-Partnerschaft : Brüggen und Beesel haben geheiratet

Weiße Tauben, Musik und lockere Atmosphäre: So wurde die offizielle Partnerschaft zwischen der niederländischen Gemeinde Beesel und der Gemeinde Brüggen besiegelt. Die Fraktionen freuen sich auf gute Zusammenarbeit.

Seit mehr als 25 Jahren arbeiten die Gemeinden Brüggen und Beesel in vielen Bereichen zusammen. Nun wurde am Europatag, 9. Mai, die strategische und grenzüberschreitende Partnerschaft auch auf dem Papier besiegelt. Bei einer Feier an der Grenze beider Länder, am Weißen Stein im Brachter Wald, wurden die Unterschriften unter den Partnerschaftsvertrag gesetzt.

„Europa wird eins, die Welt ist gerettet, Brüggen und Beesel heiraten heute“, rief Moderator Frans Pollux, der humorvoll in die Feierlichkeiten einführte. Trotz der historischer Bedeutung des Festaktes war die Stimmung locker und gelöst. Während der Musikverein Cäcilia Brüggen die „Ode an die Freude“ spielte, schritten Petra Dassen, Bürgermeisterin von Beesel, und Brüggens Bürgermeister Frank Gellen (CDU) vor großem Publikum zur Vertragsunterschrift.

Dassen betonte die historische Bedeutung der Grenze. Die elf Kilometer räumlichen Abstand zwischen den beiden Orten würden jetzt auf Null gesetzt. Gellen forderte den Abbau der Bürokratie, um die Zusammenarbeit zu erleichtern. Und auch die Fraktionen äußerten ihre Hoffnungen und Erwartungen, die diese neue Partnerschaft mit sich bringt. Stephan Holthoff-Pförtner (CDU), NRW-Minister für Bundes- und Europaangelegenheiten, betonte, dass sich die Landesregierung den Abbau der Grenzen auf die Fahne geschrieben habe. Es sei wichtig, auf allen Ebenen die Beziehungen zu den Niederlanden zu pflegen.

Neben gemeinsamen Veranstaltungen und der Förderung des Tourismus ist für die CDU der verstärkte Jugendaustausch das wichtigste Ziel der neuen Partnerschaft. Das betreffe laut Johannes Weiß sowohl die Freizeit als auch Ausbildung und Beruf. In der Grenzgemeinde werde bisher kein „Umkreis“, sondern ein „Halbkreis“ gesehen, nämlich nur die deutsche Seite. „Das größte Problem ist die fehlende Sprachkenntnis. Durch Schüleraustausch sehen wir einen Weg, der dazu führen könnte, dass Niederländisch in unseren Schulen einen Platz bekommt“, sagt er. Die AWB möchte durch die räumliche Nähe gemeinsame Projekte entwickeln und umsetzen.

Die Grünen setzen große Hoffnungen auf die bereits beschlossene grenzüberschreitende Wirtschaftsförderung. „Brüggen und Beesel werden sich gegenseitig unterstützen, Unternehmen mit Ansiedlungsinteresse in Deutschland sowie Benelux zur Partnergemeinde zu leiten. Das bedeutet Arbeitsplätze hüben und drüben der ehemaligen Grenze. Ganz wichtig wird es sein, Fachkräfte aus dem Pool der aktuellen Auspendler zu gewinnen“, meint René Bongartz.

Die Brüggener SPD unterhält schon seit mehr als zehn Jahren engen Kontakt zur PvdA (Arbeiterpartei) in Beesel. „Wir hoffen, dass sich durch die Partnerschaft die Kontakte auch auf das gesellschaftliche und kulturelle Leben ausweiten lassen“, sagt Gottfried Optenplatz.

Schon seit Jahren ist die Unabhängige Brachter Wählergemeinschaft im Austausch mit der niederländischen Wählergemeinschaft VLP aus Beesel. Vorreiter bei der  grenzüberschreitende Freundschaft sei Manfred Klingen. „Er organisiert schon seit längerer Zeit regelmäßige deutsch-niederländische Stammtischtreffen an der Grenze, hält engen Kontakt zu niederländischen Vereinen aus dem Schützenwesen, Musik, Kultur und der Politik“, sagt Christian Wolters.

Für die FDP-Fraktion sagt Andreas Bist: „Durch eine Städtepartnerschaft, versprechen wir uns die Bürger beider Gemeinden näher zusammenbringen.“ Dies solle in den verschiedensten Bereichen mit Unterstützung der Politik entwickelt werden. „Uns sind auch Ideen aus der Bevölkerung wichtig, die eingebracht werden sollten. Und natürlich sind ganz besonders die Ideen unserer Partnergemeinde von Interesse“, so Bist.

Vielen der Gäste schien bewusst zu sein, dass etwas Besonderes entsteht. Gouverneur Theo Bovens bezeichnete Nordrhein-Westfalen als das „kleine Europa“ und nannte die Gemeindepartnerschaft zwischen Beesel und Brüggen ein Vorbild für Europa. Staatssekretär Raymond Knops freute sich über die Begeisterung der Menschen in der Grenzregion und sagte: „Wir formen hier zusammen Europa.“

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