Parks in Viersen Wie der Ginkgo-Baum nach Viersen kam

Viersen · Der Heimatverein hatte zum Spaziergang durch Viersener Parks zu Baum-Exoten und Veteranen eingeladen. Die Teilnehmer erfuhren, warum in Viersen die Kastanie rechtsdrehend ist und dass Buchen Sonnenbrand bekommen können.

 Der Tulpenbaum im Skulpturenpark. Die rund 30 Spaziergänger erfuhren, wie er zu seinem Namen kam.

Der Tulpenbaum im Skulpturenpark. Die rund 30 Spaziergänger erfuhren, wie er zu seinem Namen kam.

Foto: Sigird Blomen-Radermacher/Sigrid Blomen-Radermacher

Wissen Sie, warum der Götterbaum Götterbaum heißt? Was der Tulpenbaum mit einer Tulpe zu tun hat? Dass eine Buche Sonnenbrand bekommen kann? Diese und andere Geschichten rund um Bäume erfuhren die Gäste bei einem Spaziergang durch Viersens Grüngürtel unter dem Motto „Baumveteranen und Exoten in innerstädtischen Parkanlagen in Viersen“.

 Das Besondere an der Kastanie im Casinogarten ist der rechtsdrehende Stamm.

Das Besondere an der Kastanie im Casinogarten ist der rechtsdrehende Stamm.

Foto: Sigird Blomen-Radermacher/Sigrid Blomen-Radermacher

In Viersen wachsen und blühen 25.000 Stadtbäume – in einem der zahlreichen Parks, entlang der Straßen und auf der Fußgängerzone. Die ältesten sind vor 100 Jahren, die jüngsten in diesem Jahr gepflanzt worden. Eine grüne Stadt ist Viersen. Mit einem knappen Dutzend Gärten im Stadtzentrum und den übrigen Stadtteilen, die durch ein Wegenetz miteinander verbunden sind.

Karin Hedtmann-Nitsche, früher als Gartenbauingenieurin bei der Stadt Viersen tätig, kennt alle Bäume persönlich. Oder zumindest einen sehr großen Teil davon. Denn viele von den 25.000 Bäumen hat sie in ihrem aktiven Berufsleben selbst pflanzen lassen, andere beim Wachsen aufmerksam begleitet.

 Zwei Birken markieren den Ausgang des Casinogartens.

Zwei Birken markieren den Ausgang des Casinogartens.

Foto: Sigird Blomen-Radermacher/Sigrid Blomen-Radermacher

Jetzt leitete die Baumfachfrau einen Spaziergang, den der Verein für Heimatpflege Viersen, angeboten hatte. Knapp 30 Frauen und Männer schlenderten mit Karin Hedtmann-Nitsche durch den Casinogarten, den Skulpturenpark und den Preyersgarten und erfuhren viel Wissenswertes nicht nur über die Bäume.

 Eine Platanenallee führt durch den Skulpturenpark und schützt den Flaneur vor Regen und Sonne.

Eine Platanenallee führt durch den Skulpturenpark und schützt den Flaneur vor Regen und Sonne.

Foto: Sigird Blomen-Radermacher/Sigrid Blomen-Radermacher

Der Casinogarten bildet den Mittelpunkt der Stadtgärten. Er entstand aus Zukäufen mehrerer großer Privatgärten aus dem 19. Jahrhundert, die mit ihrem zum Teil exotischen Baumbestand in den Grüngürtel integriert wurden.

Der Garten trägt seinen Namen nach dem Gesellschaftshaus für protestantische Industrielle, Kaufleute, Rechtsanwälte und Ärzte, Casino genannt. Ein Mauerverlauf parallel zur Bahnhofstraße verdeutlicht, wo es sich befand, bevor es während des Zweiten Weltkriegs im Februar 1945 bei einem Angriff zerstört wurde. Hedtmann-Nitsche machte auf die mächtigen Kastanien auf der Wiese gleich hinter der Mauer aufmerksam, deren Charakteristikum der „Drehwuchs“ ist: Ihr Stamm wächst rechtsdrehend. Wenn die Blätter der Kastanie bereits im Sommer braun werden, dann ist nicht der Baum erkrankt, erklärte die Baumfachfrau, sondern die Miniermotte Schuld. Unter der Kastanie wächst eine Mispel. Dieses Wahrzeichen der Stadt darf natürlich im grünen Bestand der Viersener Parks nicht fehlen.

In den mächtigen kanadischen Mammutbaum im Casinogarten sei vor Jahren der Blitz eingeschlagen. Daraufhin musste er gekürzt werden. Kann man noch gut erkennen, wenn man den Blick hebt. Was man gar nicht immer tun muss, denn die Rinde der Bäume ist schon ausgesprochen spannend. „Die meisten Bäume kann man am Stamm erkennen, da muss man gar nicht hochschauen“, so die Fachfrau. Wenn man sich denn auskennt. Die Rinde des exotischen Mammutbaums ist weich und kann bis zu 60 Zentimeter dick werden.

Der Ginkgo-Baum ist auch so ein Exot, der aber in Viersen gut gedeiht. Er ist weder Nadel- noch Laubbaum, sondern ein Palmfarn, ein Relikt aus der Urzeit. Wie die exotischen Bäume nach Viersen kamen, erklärte die Fachfrau mit dem „Hobby“ früherer Textil- und Seidenfabrikanten der Stadt, die gerne Bäume aus fernen Ländern mitbrachten, um sie in ihrer Heimat anzupflanzen.

Früher ein Ort für Konzerte und andere Vergnügungen, ist er jetzt fast vergessen: der Preyersgarten hinter dem Sparkassengebäude. In seiner Mitte ein Relikt aus einer anderen Modeerscheinung des frühen 20. Jahrhunderts: der Senkgarten, damals meist mit einem Springbrunnen gefüllt und von Blumenrabatten umgeben. Im Preyersgarten wächst die älteste Ulme der Stadt: Die Bergulme ist über 100 Jahre alt.

Übrigens: Der Götterbaum, er steht im Skulpturengarten, heißt so, weil er so schnell und bis zu 30 Meter gen Himmel wächst. Die Rinde der Buche kann, wenn sie beispielsweise durch die Fällung von Nachbarbäumen plötzlich zu sehr dem Sonnenlicht ausgesetzt ist, Sonnenbrand bekommen. Und der Tulpenbaum bringt Blüten hervor, die der Tulpenblüte sehr ähneln.

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