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Paar aus Schwalmtal lebt im eigenen Reptilien-Zoo

Hobbyzüchter aus Schwalmtal : Paar lebt im eigenen Reptilien-Zoo

Melanie und David Meyer aus Schwalmtal-Amern leben mit 80 Reptilien unter einem Dach. Sie planen, ihr Hobby zum Beruf zu machen. Sie helfen Feuerwehrleuten, sich auf Tierrettungen vorzubereiten.

David (35) und Melanie Meyer (40) aus Amern führen als Einzelhandelskaufmann und Fleischereifachverkäuferin ein typisches Berufsleben. Doch ihr gemeinsames Hobby ist ungewöhnlich: Rund 80 Reptilien von der kleinen Schildkröte bis zum 1,50 Meter großen Mississippi-Alligator leben bei ihnen. Sie wollen nun ihre Hobbyzucht zum Beruf machen.

Unter den Haustieren der Familie Meyer finden sich Krustenechsen, Warane, Leguane, Tejus, Agamen, Schlangen, Alligatoren, Panzerechsen und Schildkröten, aber auch einige Nacktmeerschweinchen. Am Anfang seien die beiden von Reptilien weit entfernt gewesen, doch als ihr Tätowierer 2014 seine Echsen abgeben wollte, nahmen sie zwei Wüstenleguane und zwei grüne Leguane auf. „Wenn man mit ihnen zusammenarbeitet, entwickelt sich eine Liebe zu den Tieren von allein“, erzählt Melanie Meyer. Heute ist ihre Wohnung eher ein großes Terrarium-Wunderland – ob im Wohn- oder Schlafzimmer, Küche oder Flur: Überall teilen sich die Reptilien mit dem Paar den Platz.

David Meyer reizen vor allem die seltenen Tiere ab 60 Zentimeter. „Je seltener, umso besser“, betont der 35-Jährige. Seit 2016 besuchen beide regelmäßig Messen und haben sich auf Raritäten spezialisiert. Da sie ihre Zucht vergrößern wollen, sammeln sie jetzt Terrarien, die sich im Flur zur Wohnung stapeln.

23.000 Kilowatt pro Stunde an Strom verbraucht die Tierhaltung im Jahr. „Jeder, der sich ein Tier anschaffen möchte, muss wissen, dass die Stromkosten die Haltung teuer machen“, sagt Melanie Meyer (40). Etwa der Bindenwaran hat ein Wasserbecken in seiner Anlage, manche Tiere benötigen eine konstante Temperatur unter einer Lampe von 45 Grad Celsius. Klettermöglichkeiten und ausreichend Platz – jedes Tier hat besondere Bedürfnisse.

Beide können einen Sachkundenachweis vorweisen und werden vom Veterinäramt überprüft. Sie betreiben ihr Hobby mit derart viel Leidenschaft, dass sie nach einem Umzug im Juli den Schritt in eine gewerbliche Reptilienzucht wagen wollen. Sie planen ein Reptilienhaus: „Das wäre unser Ziel, darauf arbeiten wir hin.“

Außerdem sei eine Zusammenarbeit mit Philippe Niebling von der unteren Naturschutzbehörde des Kreises Viersen entstanden, der auch in der Freiwilligen Feuerwehr in Amern aktiv ist. So erfuhren die Feuerwehrleute kürzlich Wissenswertes zum Umgang mit Reptilien. Dies kann helfen, wenn sie entlaufene Tiere einfangen müssen. David und Melanie Meyer planen, eine Reptilienauffangstation für Fundtiere in der Region zu ermöglichen.

Ob Kinder zu Besuch sind, Freunde und Familie: Probleme gibt es nicht damit, dass in jedem Raum Reptilien anzutreffen sind. Etwa der Bindenwaran Be und die schwarzweiße Schienenechse The Rock haben manchmal Freigang. Melanie Meyer erzählt, dass sie diese Tiere auch streicheln könne, sie würden auch auf ihr herumklettern.

Vorsichtiger müsse man mit den Alligatoren umgehen. Aber auch die beiden seien an Menschen gewöhnt und friedlich. Allerdings: „Männliche Alligatoren können bis zu fünf Meter groß werden. Jetzt sind sie circa 1,50 Meter groß“, sagt David Meyer. Im zukünftigen Zuhause in Viersen-Dülken wird ein großes Areal für die Riesenechsen eingeplant.

Täglich verbringen beide jeweils zwei Stunden damit, die Terrarien zu säubern, kümmern sich um Wasser und Futter. 20 bis 40 Kilogramm an Fleisch, Salat, Küken, Ratten, Mäusen und Pute werden im Monat gebraucht. Manche Tiere erhalten nur alle zwei Wochen Nahrung. „Das Krokodil könnte sogar ein Jahr ohne Nahrung auskommen“, sagt David Meyer. Halter sollten sich gut überlegen, welches Tier sie anschaffen wollen und wie groß es wird. Man müsse den Zeitaufwand, die Bedingungen für die Haltung und die Bedürfnisse an Futter kennen: „Es kann auch vorkommen, dass Insekten durch die Wohnung hüpfen“, sagt Meyer schmunzelnd.

Auch das mögliche Alter der Tiere müsse bedacht werden: „Die Schildkröten werden mich überleben“, gibt Melanie Meyer zu. Man solle sich gut informieren „und das Terrarium bitte vor dem Reptil kaufen“. Die beiden beraten zukünftige Tierhalter; Kontakt ist möglich über Facebook.

(bigi)