1. NRW
  2. Städte
  3. Viersen

Orkantief "Xaver": Oberleitung verfehlt Kesselwagen

Orkantief "Xaver" : Oberleitung verfehlt Kesselwagen

Sturmtief "Xaver" hat in Viersen für einen spektakulären Einsatz gesorgt: Eine Oberleitung landete auf den Gleisen. Dicht daneben stand ein Waggon, der Gas transportieren kann. Explosionsgefahr habe nicht bestanden, sagt die Feuerwehr.

Im Gegensatz zu den Ereignissen in Norddeutschland ist der Kreis Viersen vom Nikolaus-Sturm "Xaver" weitgehend verschont worden. Polizei und Feuerwehr verzeichneten 18 Einsätze kreisweit von Donnerstagmittag bis in die Nacht. Der aufwendigste war der gegen Mitternacht in Viersen: Die Mitarbeiter der Kreisleitstelle und der Feuerwehr-Hauptwache Viersen sahen plötzlich mehrere Lichtbögen auf den nahen Gleisen im Bereich Gerberstraße/Freiheitsstraße. Eine Oberleitung war abgerissen und landete auf den Gleisen. Durch den mächtigen Kurzschluss kam es zu den Lichtbögen.

 An der B 221 bei Brüggen mussten Feuerwehrleute Äste eines Baumes absägen. Ein anderer Baum war auf die Straße gefallen.
An der B 221 bei Brüggen mussten Feuerwehrleute Äste eines Baumes absägen. Ein anderer Baum war auf die Straße gefallen. Foto: Anne Goch

Im Nachbargleis, etwa drei Meter daneben, stand ein Kesselwagen, in dem Gas transportiert werden kann. Die Wehrleute, die durch das gleißende Licht alarmiert worden waren, veranlassten sofort eine großräumige Absperrung des Bereichs, an der sich auch die Polizei mit zehn Fahrzeugen beteiligte. Auch der Notfallmanager der Bahn wurde alarmiert und war in kürzester Zeit an Ort und Stelle. Die wichtigste Arbeit hatte da schon das Bahnsystem selbst geleistet: Durch den Kurzschluss veranlasst die Computersteuerung, dass die betreffende Leitung sofort stromlos gestellt wird. Nur eine Restspannung lag noch im Bereich der Gleise an. "Die hätte aber zu keiner Zeit ausgereicht, um eine Explosion auszulösen", sagt Viersens Wehrchef Frank Kersbaum, der den Einsatz leitete.

 Auch der Notfallmanager der Bahn wurde informiert und war binnen kurzer Zeit an Ort und Stelle.
Auch der Notfallmanager der Bahn wurde informiert und war binnen kurzer Zeit an Ort und Stelle. Foto: Günter Jungmann

Nach einer Erkundung stand außerdem fest: Der Kesselwagen ist nicht von der herabfallenden Leitung getroffen oder beschädigt worden. Was folgte, war Routine, wenn auch eine langwierige. Es musste geerdet werden, damit die Gleise wieder gefahrlos benutzt werden konnten. Das dauerte bis in die Morgenstunden. Bis 7 Uhr war die Strecke zwischen Krefeld und Viersen nicht befahrbar, bis 11 Uhr lief der Zugverkehr eingleisig. Berufspendler, die aus Richtung Nettetal oder Dülken kamen und in Richtung Krefeld wollten, wurden im Regionalexpress per Durchsage darauf aufmerksam gemacht, dass sie nicht in Viersen umsteigen konnten, sondern einen Umweg über Neuss in Kauf nehmen mussten.

Orkantief "Xaver": Oberleitung verfehlt Kesselwagen
Foto: Christoph Reichwein

Für die anderen Feuerwehren im Kreis Viersen war es eher ruhig. Im Bereich Niederkrüchten erwischte es drei Bäume, die beseitigt werden mussten, weil sie Straßen blockierten, außerdem kippte auf der B221 bei Gützenrath der Anhänger eines Fahrzeugs um, konnte aber unbeschädigt wieder aufgestellt werden. Auf die A 61 zwischen Süchteln und Viersen stürzte am frühen Abend ein Baum, die rechte Fahrspur wurde blockiert und musste von der Feuerwehr geräumt werden.

Orkantief "Xaver": Oberleitung verfehlt Kesselwagen
Foto: Deutscher Wetterdienst

Auch die B 221 bei Brüggen war betroffen. Dort fiel ein Baum auf die Fahrbahn, ein Autofahrer konnte nicht mehr bremsen, fuhr mit seinem Wagen in den fallenden Baum. Das Fahrzeug wurde dabei beschädigt, der Fahrer blieb aber unverletzt. In Amern-Linde stürzte ein Straßenbaum an der K 21 nach Brempt um. Hier brauchte die Wehr aber nicht einzugreifen, denn der Riese fiel auf ein angrenzendes Feld.

(hah)