Oberkrüchtener sammelt Erinnerungsstücke seiner Heimat

Niederkrüchten : Oberkrüchtener sammelt Erinnerungsstücke seiner Heimat

Wer nicht weiß, wohin damit, bringt Erbstücke zu Joe Labonde. Der 65-Jährige hütet Schützen-Uniformen, Fahnen, viele Totenzettel und einen Wander-Beichtstuhl

Viele alte Schätzchen hat der Oberkrüchtener Joe Labonde im Laufe der Jahre gesammelt. In den vergangenen 50 Jahren kamen rund 15.000 Dinge zusammen, die ihm Menschen brachten mit der Bitte, diese Dinge aufzubewahren. Und es werden immer mehr: „Bestimmt jede Woche kommt ein neues Teil hinzu“, sagt der 65-Jährige. „Entweder wird es bei mir persönlich abgegeben oder bei mir vor die Tür gelegt.“

Den größten Teil seiner Sammlung hat er in einer beheizten Garage untergebracht. „Jedes Teil hat seine Geschichte“, sagt Labonde. Er deutet auf das Schützensilber der St.-Nikolaus-Bruderschaft Meinweg. Labonde: „Die Bruderschaft bestand von 1927 bis nach dem Krieg. Heute wohnen am Meinweg noch 30 bis 40 Leute.“ Aus einem Kästchen holt er eine Christkind-Figur aus Wachs. Sie wurde im frühen 19. Jahrhundert angefertigt. „Sie landete im Container, als nachdem Tod von Pfarrer Josef Niesemann das Pfarrhaus geräumt wurde.“ Labonde bewahrt die Figur auf, ebenso wie ein Reliquien-Kreuz der Heiligen Agatha aus dem 19. Jahrhundert, „ein altes Erbstück“. Nach der Heiligen ist die Oberkrüchtener Bruderschaft benannt.

In einem Raum steht ein Wander-Beichtstuhl. Labonde erklärt: „Mit dem gingen die Priester bis in die 1950er-Jahre in die Haushalte, um den Gläubigen die Beichte abzunehmen.“ Wie eine echte Flinte sieht das Kirmesgewehr aus den 1920er-Jahren aus – allerdings wurde es aus purem Holz gefertigt. Stolz ist Labonde auf die einzige erhaltene Orgelpfeife der alten Kirchenorgel aus dem Jahr 1774. Ein großer Teil der Stücke stamme aus der Sammlung von Lehrer Bernhard Rabbert, berichtet Labonde. „Schränkeweise“ habe er viele Dinge bekommen, als Rabberts Tochter Hildegard starb.

So bewahrt der Oberkrüchtener heute unter anderem eine Schöffen-Urkunde von 1627 und ein Schreiben des Bischofs von Roermond von 1727 auf. „Wir gehörten zum Bistum Roermond, vorher sogar zu Lüttich, dann zu Köln und zuletzt zu Aachen“, berichtet Labonde. Eine Sammlung für sich sind die rund 4000 Totenzettel – der älteste Zettel stammt aus dem Jahr 1839. „Die heutigen modernen Totenzettel sind da eher langweilig“, hat Labonde festgestellt. Die alten Zettel seien informativer gewesen.

Neben den alten Dokumenten gibt es viele Bücher, die vor dem 18. Jahrhundert gedruckt wurden, Fotos ab 1910 und Zeitschriften. Zwei Fahnen des Kriegervereins von 1902 und die Fahne des Männergesangvereins Frohsinn von 1919 liegen bei Labonde, ebenso wie ein Stück Stoff mit winzigen Flecken – Nesselstoff, der aus den Fasern der Brennnessel gefertigt wurde, wie der Oberkrüchtener erklärt. Das habe ihm seine Mutter erzählt. Sie habe viel über die alten Dinge gewusst, die bei ihm zur Aufbewahrung abgegeben wurden. Ob er sich schon Gedanken darüber gemacht hat, was passiert, wenn er sich nicht mehr um die Sammlung kümmern kann? „Ich will niemanden zwingen, sich darum kümmern zu müssen“, sagt Labonde. „Das wird dann abgeschlossen – und irgendwann wird jemand kommen, der Spaß daran hat.“

Joe Labonde ist gern bereit, Interessierten die Sammlung zu zeigen. Termine können telefonisch vereinbart werden unter Ruf 02163 4865.

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