Ob eine Freibad-Sanierung in Niederkrüchten machbar ist, soll eine Studie zeigen

Bäder-Frage: Niederkrüchten prüft Bäder-Optionen

In der Diskussion um die Bäderlandschaft in Niederkrüchten läuft alles auf eine Entscheidung zwischen einem interkommunalen Freizeitbad mit Brüggen und einer Sanierung des Freibades mit Hallenbad-Neubau hinaus

Kalle Wassong hat ein Paket bekommen. Es enthält Listen mit exakt 6052 Unterschriften, in denen sich die Unterzeichner, davon gut die Hälfte (3062) aus der Gemeinde Niederkrüchten, für den Erhalt des hiesigen Freibades aussprechen. Die Initiatoren der Petition, Dirk Zilz und Maik Faßbender, übergaben Niederkrüchtens parteilosem Bürgermeister am Montag die Unterschriftenlisten. Das Paket bringt nicht nur wegen des vielen Papiers einiges auf die Waage – es hat auch politisches Gewicht.

Zilz sieht in den mehr als 6000 Unterschriften einen klaren politischen Auftrag an Rat und Verwaltung, das Freibad zu sanieren. Bei der Übergabe garnierte er das mit einem Merkel-Zitat: „Wir schaffen das.“ Wassong, der sich als Befürworter eines interkommunalen Bades mit Brüggen auf dem ehemaligen Brimges-Gelände positioniert hat, zeigte sich nichtsdestotrotz begeistert von dem großen bürgerschaftlichen Engagement, das in der Petition zum Ausdruck komme. „Wir gehen damit so um, wie es sich gehört – wertschätzend“, sagte Wassong.

Dieser Wertschätzung verlieh tags darauf auch die Politik Ausdruck: Der Hauptausschuss beschloss am Dienstag, dem Wunsch der Petitions-Initiatoren entsprechend, eine Machbarkeitsstudie für die Sanierung des Freibades samt neuer Dusch- und Umkleidevorrichtungen inklusive der Errichtung eines integrierten, ganzjährig nutzbaren Hallenbades in Auftrag zu geben. So hatten es auch die Grünen in einem Antrag an den Rat formuliert. Geprüft werden soll auch, ob zum einen eine gemeinsame Bäderbetriebsgesellschaft mit Schwalmtal und Brüggen möglich ist und zum anderen, ob ein solches Bad in Trägerschaft eines Bürgervereins betrieben werden könnte.

Damit liegen nun zwei Vorschläge auf dem Tisch: Auf der einen Seite die große Lösung, das interkommunale Freizeitbad mit Top-Ausstattung und überregionaler Strahlkraft als Gemeinschaftsprojekt mit Brüggen. Und auf der anderen Seite die kleinere Lösung, nämlich Erhalt und Sanierung des Freibades, verbunden mit einem zusätzlichen Hallenbad.

Mit einer politischen Entscheidung in dieser Frage rechnet Wassong nicht vor dem Frühjahr 2019, weil die Machbarkeitsstudie zur Freibadsanierung entsprechend Zeit braucht. Ziel ist es, dem Rat bis dahin verlässliche Zahlen für beide Varianten und damit eine solide Entscheidungsgrundlage an die Hand zu geben: Wie hoch sind die Investitionskosten? Wie hoch sind die langfristigen Betriebskosten? Welche Fördertöpfe können angezapft werden? Im Hauptausschuss deutete sich an, dass die Entscheidung vor allem eine Kostenfrage werden könnte. Mehrere Redner wollten wissen, wo die finanzielle „rote Linie“ sei. Oder wie es Ulrich Seeboth (SPD) ausdrückte: „Wie viel Bad kann sich die Gemeinde erlauben?“

Zilz und Faßbender, die selbst Kontakt zu einschlägigen Ingenieurbüros aufgenommen haben, halten es für machbar, für 2,65 Millionen Euro das Freibad zu sanieren und attraktiver zu gestalten und für weitere vier Millionen Euro ein integriertes Freibad mit 25-Meter-Becken und drei Bahnen zu bauen.

Für ein interkommunales Bad in Top-Ausstattung mit Sechs-Bahnen-Becken, Sprungturm, Lehrschwimmbecken, Nichtschwimmerbecken, Planschbecken, Rutsche, Cabrio-Dach, Liegewiese, Bistro und Sauna stehen rund 21 Millionen Euro im Raum – rein rechnerisch also 10,5 Millionen Euro pro Gemeinde. Kämmerin Marie-Luise Schrievers wies indes darauf hin, dass in der langfristigen Betrachtung nicht so sehr die einmaligen Investitionskosten, sondern die jährlichen Betriebskosten den Löwenanteil ausmachen.

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