Nutrias gefährden Naturschutzgebiete im Grenzland

Umweltschutz im Grenzland : Nutrias gefährden Naturschutzgebiete

Die Tiere finden in den Brüggener Schwalmauen, im Elmpter Schwalmbruch und an den Krickenbecker Seen ideale Lebensbedingungen vor und zerstören dabei empfindliche Lebensräume. Milde Winter können ihnen nichts anhaben.

Der Haubentaucher ist ein Wasservogel mit Familiensinn: Er trägt seine Küken in den ersten Lebenswochen auf dem Rücken, gut versteckt im Gefieder. Ihre Nester bauen die Haubentaucher-Paare aus Seerosenblättern, etwa auf den Krickenbecker Seen. Doch dort wird der Haubentaucher künftig mehr Mühe haben, Nistmaterial zu finden: Nutrias knabbern die langen Wurzeln der See- und Teichrosen an, was dazu führt, dass die Pflanze abstirbt. „Heute gibt es schon deutlich weniger Seerosen als früher“, sagt Ansgar Reichmann, Leiter der Biologischen Station Krickenbecker Seen. Würden die Seerosen von den Seen im Grenzland verschwinden, wäre das „eine Katastrophe“, sagt Reichmann. Nicht nur für den Haubentaucher, sondern auch für Rallenarten. Die Vögel leben am Wasser.

Die Ausbreitung der Nutria bereitet Naturschützern Kopfzerbrechen. Die aus Südamerika stammende Tierart wurde einst für die Pelzzucht nach Europa gebracht. Teils wurden die Tiere aus Pelzfarmen freigelassen, teils entkamen sie – und fanden vielerorts ideale Bedingungen vor, um sich zu vermehren. Ausflügler kennen den Anblick der Tiere in den Brüggener Schwalmauen, im Elmpter Schwalmbruch oder an den Krickenbecker Seen.

Über die Erfahrungen mit der Nutria-Population im Grenzland hat Reichmann kürzlich bei einer Tagung deutscher und niederländischer Naturschützer einen Vortrag gehalten. Dabei wurde deutlich, wie groß die Bedrohung durch Nutrias für die Naturschutzgebiete ist. Unter anderem gelten Rohrkolben unter Nutrias als Delikatesse – was im Nettetaler Rohrdommelprojekt für enorme Schäden sorgt. Dort, so berichtet Reichmann, habe man nun das Wasser aus der Projektfläche gelassen, damit das völlig zerfressene Röhricht wieder wachsen kann. An anderer Stelle zäunten die Naturschützer Uferbereiche ein, damit Seggen nachwachsen können. „Aber das ist ja keine Lösung auf Dauer“, sagt Reichmann.

Und nicht nur Pflanzen sind durch Nutria-Fraß gefährdet: Nutrias verschmähen Reichmann zufolge Gelege nicht. Immer wieder wurden die Tiere auch beim Verzehr von Teichmuscheln beobachtet – Muschelhaufen sind beispielsweise in der Schwalm häufig zu sehen. In die Muscheln legt ein Fisch, der Bitterling, seine Eier ab, wo diese sich zu Larven entwickeln, erläutert Reichmann. Er warnt: „Wenn es keine Teichmuscheln mehr gibt, hat der Bitterling ein Problem.“

Um der wachsenden Zahl der Nutrias Einhalt zu gebieten, geben Wasserunterhaltungsverbände auf deutscher Seite mit einer „Schwanzprämie“ Jägern einen Anreiz, die Tiere zu erlegen. Damit nicht der geschützte Biber, der ebenfalls an der Schwalm vorkommt, in eine tödliche Falle gerät, dürfen Nutrias nur mit Lebendfallen gejagt und dann getötet werden. Auf niederländischer Seite haben die Wasserunterhaltungsverbände dafür fest angestellte Kräfte. So sollte es auch in Deutschland sein, fordert Reichmann, „die Schwanzprämie allein reicht nicht“. Er hofft deshalb darauf, dass Vertreter der Wasserunterhaltungsverbände und Naturschützer bald Wege finden, um gemeinsam Nutrias besser bekämpfen zu können. Dazu sei eine Arbeitsgruppe geplant.

Mehr von RP ONLINE