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Kreis Viersen: Not in der Region nimmt zu

Kreis Viersen : Not in der Region nimmt zu

Heute stellt der Caritasverband für die Region Kempen-Viersen der Mitgliederversammlung in St. Tönis seinen Jahresbericht 2008 vor. Für die Schuldnerberatung und Familienpflege gibt es immer mehr zu tun.

Es sind eher negative Nachrichten, die die Berichte der Caritas-Führung heute bei der Mitgliederversammlung (20 Uhr im "Marienheim" der Pfarre St. Cornelius in St. Tönis, Friedensstraße 1) beherrschen werden. Denn auch im Kreis Viersen wird die Kluft zwischen Arm und Reich größer. "Das spüren wir an vielen Stellen, etwa bei der Schuldner- und Insolvenzberatung oder in der Familienpflege", sagte gestern Peter Babinetz, Geschäftsführer des regionalen Caritaverbandes, bei der Vorstellung des Jahresberichtes 2008 gegenüber der Presse.

50,7 Millionen Euro Schulden

Ein Beleg für die wachsende Not in der Region sei die ständig steigende Zahl von Klienten in der Schuldnerberatung des Caritasverbandes, so Babinetz. Der Verband bietet diese Beratung für die Stadt Viersen und die Gemeinden Brüggen, Niederkrüchten und Schwalmtal an. Die übrigen Kommunen im Kreisgebiet deckt der Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt (Awo) ab. Der zuständige Caritas-Dienst hat im vergangenen Jahr 1456 Frauen und Männer beraten. Das waren erneut 176 mehr als 2007 und über 650 mehr als noch im Jahr 2003. Babinetz: "Bei einer durchschnittlichen Haushaltsgröße von drei Personen waren in den vier Kommunen des Westkreises also 4370 Menschen überschuldet. Die Klienten hatten Schulden in Höhe von 50,7 Millionen Mark."

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Die Gründe für die Misere bei den Betroffenen sind vielfältig. "Zu geringes Einkommen, Arbeitslosigkeit, Trennung oder Scheidung, aber auch ein leichter Zugang zu Ratenkrediten können schnell Schuldenberge auftürmen, die der Einzelne aus eigener Kraft nicht mehr abtragen kann", sagte Babinetz. Positiv: Die vier Berater der Caritas-Schuldnerberatung haben im vergangenen Jahr insgesamt 318 Klienten mit Verbindlichkeiten in Höhe von rund 24,4 Millionen Euro auf den Weg der Entschuldung gebracht.

Besonders gefordert war im vergangenen Jahr auch das 17-köpfige Team der Familienpflegerinnen des Caritasverbandes. Die Mitarbeiterinnen treffen vermehrt auf verwahrloste Haushalte, ungepflegte und mangelernährte Kinder sowie völlig überforderte Eltern. 30 Familien betreute der Verband im Jahr 2008 im Auftrag von Jugendämtern.

Verstärktes ehrenamtliche Engagement ist in Krisenzeiten notwendig. In der Pfarrcaritas der Kirchengemeinden engagierten sich vermehrt Helfer, um die Not der Familien zu lindern, berichtete Felix Pieroth, Vorsitzender des regionalen Caritasverbandes.

Fast schon zur Routine geworden ist die Arbeit des Caritasverbandes in der Alten- und Krankenpflege. Im vergangenen Jahr wurden durch die sechs Caritas-Pflegestationen im Kreis Viersen 2151 Kunden betreut, weitere 171 in den beiden Altenheimen in Süchteln und Waldniel.

(RP)