Niersverband will Kläranlage in Nettetal-Breyell modernisieren

Viersen : Niersverband plant Pilot-Klärwerk

Die Anlage in Nettetal-Breyell soll für rund 65 Millionen Euro modernisiert werden. Ziel ist, dass dort künftig auch multiresistente Keime aus dem Abwasser gefiltert werden können. Verbraucher müssen mit Mehrkosten rechnen.

Beim Paddelausflug auf der Niers könnte es durchaus passieren, dass der Paddler einen Schluck Flusswasser abbekommt. „Solange man das nicht literweise trinkt, sollte es für einen gesunden Menschen nicht kritisch sein“, sagt Dietmar Schitthelm, Vorstand des Niersverbands. Doch gerade multiresistente Keime im Wasser können zur Gefahr werden und Krankheiten herbeiführen, wie Medikamentenrückstände und Mikroplastik gelangen sie über das Abwasser in die Niers. Der Niersverband reagiert, plant, das Klärwerk Nette in Nettetal-Breyell für rund 65 Millionen Euro zu modernisieren. Als Pilot- und Testanlage soll es mit Reinigungstechnik ausgestattet werden, die sowohl multiresistente Keime als auch Mikroschadstoffe und Mikroplastik herausfiltern kann.

Der Niersverband strebt an, bis 2026 die Pilotanlage in Betrieb zu nehmen. „Die vorgesehene verfahrenstechnische Kombination ist großtechnisch bisher noch nicht realisiert worden“, sagt Schitthelm. „Unser Umweltministerium hat die Förderwürdigkeit unserer Planung bestätigt, aber keine konkrete Aussage über eine Förderquote getätigt“, ergänzt er: „Die nicht förderfähigen Investitionen sowie die vollständigen, höheren Betriebskosten werden von den Gebührenzahlern getragen werden.“ Bei den Abwassergebühren könnten sich bis zu 25 Cent Mehrkosten pro Kubikmeter Wasser ergeben. Erteilen die Gremien des Niersverbands im Juni grünes Licht, werde die Planung europaweit ausgeschrieben.

Der Niersverband betreibt in seinem Einzugsgebiet 19 Kläranlagen, die jährlich etwa 70 Millionen Kubikmeter Abwasser reinigen. Etwa fünf Prozent des Verbandsabwassers werden in Breyell gereinigt, sagt Schitthelm – von der Nette bis zur Niersmündung bei Wachtendonk. Parallel zum Umbau der Anlage solle begonnen werden, für vier weitere die neue Verfahrenstechnik zu planen: Viersen-Dülken, Grefrath, Mönchengladbach-Neuwerk und Geldern. Es sei jedoch eine Herausforderung, Fachleute zu finden, die planen und bauen. „Der Markt ist im Moment so gesättigt.“

Klärwerk Nette. Foto: Niersverband

Bestandteile von Fassadenfarbe, Imprägniermittel, die in der Waschmaschine aus Funktionskleidung gelöst werden, Antibiotikarückstände aus der Tiermast oder im Krankenhaus-Abwasser: Es gibt verschiedene Ursachen für die Schadstoffkonzentration im Flusswasser. Das Problem bestehe europaweit, erläutert Schitthelm: „Die Stoffe sind schon seit Jahrzehnten im Gewässer.“ Erst seit ein paar Jahren sei aber bekannt, dass sie für Menschen gefährlich werden, sich außerdem im Fischfett anreichern können. Für Schitthelm ist klar: Wer den Schaden mit verursacht, soll die Kosten für die Beseitigung mittragen. Hersteller von bestimmten Arzneien und Fassadenfarben, etwa – oder eben die Verbraucher, die zu den Produkten greifen.

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