1. NRW
  2. Städte
  3. Viersen

Niederrheintheater Brüggen nimmt Probenarbeit nach Corona-Pause wieder auf

Niederrheintheater Brüggen : Theater nimmt Probenarbeit wieder auf

Nach corona-bedingter Zwangspause plant das Niederrheintheater jetzt für kommende Aufführungen. Im Fokus steht die Vorbereitung von Anton Tschechows „Die Möwe“. Das Drama soll 2022 gezeigt werden.

Mit weitem Abstand voneinander hatten Verena Bill und Michael Koenen, die Leiter des Niederrheintheaters Brüggen, die Stühle im Kultursaal der Burg Brüggen aufgebaut. Nach langer corona-bedingter Zwangspause freuten sich die beiden Schauspieler darauf, endlich ihre Ensemblemitglieder wieder zu sehen.

„Aus einer Mischung von Lähmung, Altruismus und Überlebensstrampelei“, so erklärte Verena Bill, „entstand die Idee zu dieser positiven Initiative.“ Also lud sie die Ensemblemitglieder Tim Fairhurst, Danny Lennartz, Sophia Mutschler, Angelika Pasch, Manfred Reiffs, Christina Wouters, Nadine Schaub und Christian Stock für zwei Tage nach Brüggen ein, um die Aufführung von Anton Tschechows „Möwe“ im Jahr 2022 zu planen und zu besprechen.

Die „Möwe“ wird die große Inszenierung zum 15-jährigen Bestehen des Niederrheintheaters werden. Die Arbeit an dem Stück von Tschechow begleitet Verena Bill schon ein Leben lang, erzählte sie. Immer wieder habe sie sich mit dem Stoff auseinandergesetzt. Den Wunsch, die „Möwe“ zu inszenieren, hegte Bill bereits seit Gründung des Niederrheintheaters. Nun ist es soweit.

In den kommenden beiden Jahren wird sich das Ensemble in etwa dreimonatigen Abständen treffen und wie in einem „Theaterlabor“, so Bill, das Stück erarbeiten. „Wir säen eine Saat und lassen sie bei euch aufgehen“, erklärte Verena Bill.

Gemeinsam werden sie das Stück lesen, die Charaktere analysieren und entwickeln. Bill und Koenen folgen in ihrer Regiearbeit dem Konzept des russischen Schauspiellehrers und Regisseurs Konstantin Stanislawski. Dieser gestaltete die Idee des „inneren Erlebens einer Rolle“. So liegt der Schwerpunkt der Vor-Arbeit auf der Entwicklung der einzelnen Charaktere. „Wie wollen die Zuschauer mitten ins Herz treffen“, bekäftigte Verena Bill.

Die „Möwe“ von Tschechow ist ein Drama aus dem Jahr 1895. Bill und Koenen legen Wert auf eine authentische und werkgetreue Aufführung. Nur bei den Kostümen, für die seit vielen Jahren Angelika Pasch aus Mönchengladbach zuständig ist, werden Abstriche nötig sein. Angelika Pasch ist nicht nur die Kostümfrau, sie sorgt auch für Licht, Ton, Maske und – ganz wichtig für das Ensemble – Kaffeenachschub. Früher hat sie selbst Theater gespielt.

Die Schauspieler kommen aus Erftstadt, Köln, Krefeld, Schwalmtal, Nettetal und Brüggen. Sie sind zwischen 25 und 58 Jahre alt und alle hegen eine große, langjährige Leidenschaft fürs Theaterspielen. Bis auf Manfred Reiffs, der sein Geld als Betriebswirtschaftler verdient, und Nadine Schaub, die auch als Sprecherin und Fernsehautorin arbeitet, sind sie bereits hauptberufliche Schauspieler oder fangen gerade damit an, wie Christina Wouters und Sophie Mutschler.

Alle neun Mitwirkende verbindet eine langjährige Zugehörigkeit zum Niederrheintheater. Sie haben Sommerkurse dort absolviert oder ein Praktikum, sie spielen zum Teil schon mehr als zehn Jahre mit Bill und Koenen. Manfred Reiffs war beim ersten Schauspielkurs dabei. Mit den Worten „Warum tragen Sie eigentlich immer schwarz?“ stellte er sich den Leitern des Theaters vor. Das sind die ersten Sätze aus der „Möwe“. Nun schließt sich der Kreis.

Parallel zu den Vorarbeiten und Proben werden Bill, Koenen und die Ensemblemitglieder sich damit beschäftigen, Sponsoren und Gelder für die Inszenierung zu sammeln. Eine Idee ist es, kleine Porträts der Schauspieler und Appetizer von Tschechow-Szenen auf der Internetseite des Theaters zu zeigen und damit Menschen für eine finanzielle Unterstützung zu gewinnen. Die Szenen und Poträts werden unter www.niederrheintheater.de zu sehen sein.