Niederkrüchten: So müssen Einbrecher draußen bleiben

Niederkrüchten : So müssen Einbrecher draußen bleiben

Ein Wohnungseinbruch ist für die Betroffenen ein Horror. Wie die Täter vorgehen und wie man sich wirksam schützen kann, war Thema einer Infoveranstaltung, die die CDU Niederkrüchten mit Polizei und fachfirmen organisiert hatte.

Das Urvertrauen, dass die eigenen vier Wände ein unantastbarer Rückzugsort sind, hat Olaf Offermanns an jenem 20. Februar 2016 endgültig verloren. Nur 25 Minuten waren er und seine Frau weg, um ein paar Besorgungen zu machen. Das reichte den Einbrechern, um ins Haus einzudringen, alles auf den Kopf zu stellen, Schmuck, Geld und ein Notebook mitzunehmen. Für Offermanns war es ein Deja-vu des Horrors. Denn ein Jahr zuvor, am 5. Januar 2015, war er schon einmal Opfer eines Einbruchs geworden. Die gleiche Masche, vermutlich sogar die gleichen Täter, weil in beiden Fällen neben Wertgegenständen auch Damenparfum aus dem Bad gestohlen wurde.

Schlimmer als der materielle Verlust – im ersten Fall 13.000 Euro, im zweiten 8000 Euro, war das Gefühl, zuhause nicht mehr sicher zu sein. „Wir sind bei jedem Geräusch hochgeschreckt. Es hat Monate gedauert, bis wir wieder nachts durchschlafen konnten“, erinnert sich Offermanns. Rund 30 Zuhörer sind mucksmäuschenstill, als er seine Erlebnisse schildert. „Riegel vor!“, lautet der Titel der Veranstaltung, zu der der Arbeitskreis Sicherheit der CDU Niederkrüchten in die Gaststätte „Et Stübchen“ geladen hat. Es geht um Einbruchskriminalität und wie man sich davor schützt.

Dazu gibt es Tipps aus erster Hand. Torsten Janssen, Sicherheitsberater bei der Kreispolizei Viersen, erklärt Typ und Vorgehensweise der Einbrecher. Das typische Täterprofil sieht so aus: männlich, zwischen 20 und 30 Jahre alt, unbewaffnet, auf eine günstige Gelegenheit aus. Wenn die Sonntagszeitung abends noch sichtbar im Briefkasten steckt und die Rollladen runtergelassen sind, ist das wie eine Einladung, sagt Janssen. Das Werkzeug der Wahl ist in der Regel ein großer Schraubendreher. Schwere Werkzeuge wie Brechstange oder Kuhfuß kommen eher selten zum Einsatz, weil sie sich auf dem Weg zum und vom Tatort schlecht verstecken lassen. Bevorzugter Angriffspunkt sind Terrassentüren, manchmal auch Fenster, auf der Rückseite des Hauses. Bei einfachen Fenstern und Türen mit niedrigem Sicherheitsstandard brauchen Profis oft nur ein paar Handgriffe und wenige Sekunden, um ins Haus einzudringen.

Das heißt im Umkehrschluss: Je höher der Sicherheitsstandard, desto länger braucht der Einbrecher und desto höher ist die Chance, dass er aufgibt. In knapp der Hälfte der Einbruchsdelikte bleibt es beim Versuch, weil der Täter Einbruchsicherungen nicht überwinden konnte oder gestört wurde, erläuterte Janssen. Dementsprechend hat auch Olaf Offermanns nach dem zweiten Einbruch die Schutzmaßnahmen nochmals hochgefahren. Seither ist in seinem Heim nichts mehr passiert.

Wirkungsvoller Schutz ist also möglich – das war das Fazit des Abends. Michael Tekolf und Bernd Coenen von der CDU, die die Veranstaltung moderierten, hatten dazu mehrere Experten eingeladen. „Wenn Sie einen Einbruch verhindern wollen, kommen Sie um eine mechanische Sicherung an Fenstern und Türen nicht herum“, betonte Bernd Knappmeier, Geschäftsführer der Firma Schloss & Schlüssel Knappmeier in Viersen. Abschließbare Fenstergriffe oder Pilzkopfverriegelungen gehören etwa  dazu. Es müsse nicht zwingend ein neues Fenster sein, so Knappmeier. Auch in der Nachrüstung lasse sich der Schutzstandard wirkungsvoll erhöhen. Die Schwachstelle am Fenster sei die Verbindung des Rahmens zum Glas, so Glasermeister Robert Schmitz, Geschäftsführer der Glas Schmitz Spiegel GmbH aus Kempen. Er empfahl eine einbruchhemmende Verglasung, die nach Möglichkeit im Rahmen verklebt werden sollte.

Wer noch mehr Sicherheit will, wäre bei Tino Konnertz an der richtigen Adresse. Der Geschäftsführer der Konntec Sicherheitssysteme GmbH aus Mönchengladbach stellte eine für die Nachrüstung geeignete Funk-Alarmanlage vor.

Klar wurde bei der Veranstaltung jedoch auch: Hundertprozentigen Schutz gibt es nicht. Aber, so Konnertz: „Wir können die Einbrecher stressen.“ Wer sich im Lichtkegel eines per Bewegungsmelder aktivierten Strahlers mit einem einbruchhemmenden Fenster abmüht und damit die Alarmanlage auslöst, wird es höchstwahrscheinlich beim Einbruchversuch belassen.    

Mehr von RP ONLINE