1. NRW
  2. Städte
  3. Viersen

Niederkrüchten: Sessionsplanung am virtuellen Stammtisch

Brauchtum in Niederkrüchten : Sessionsplanung am virtuellen Stammtisch

In Niederkrüchten müssen die Karnevalsvereine wie Maak möt bereits jetzt Entscheidungen treffen, wie sie in der nächsten Session feiern werden. Wie ein digitaler Stammtisch dabei helfen soll.

„Wir müssen offen für neue Formate sein“, sagt Carsten Scholz, Präsident des Karnevalsvereins Maak Möt und Vorsitzender der Prinzengarde. Keiner weiß, was wegen der Corona-Krise auch im Karneval noch geschehe. Doch schon jetzt muss geplant werden: Der 11.11. und damit der Beginn der Session 2020/21 ist nicht mehr weit. Bis dahin müssten alle Tänze der Garden einstudiert sein, auch ein Prinzenpaar muss bei vielen Vereinen gefunden worden sein. Neue Uniformen müssten gekauft oder neue Gardegruppen ausgestattet werden.

Dafür braucht jeder Karnevalsverein – wie auch Maak Möt aus Brempt – Geld. Das Problem: Noch kann niemand abschätzen, in welcher Form die Session gefeiert werden kann, welche Auftritte möglich sind und welche Einnahmen in der Krisenzeit zu erwarten sind. Was auch niemand weiß: Wenn weiterhin Abstandsregeln oder Maskenpflicht gelten: Haben die Menschen überhaupt Spaß an Karnevalsveranstaltungen? Diese Faktoren gefährden den Erhalt des rheinischen Kulturgutes Karneval.

Zurzeit weiß keiner, wie Galasitzungen, Prinzentreffen, der Niederkrüchtener Tulpensonntagszug oder der Brachter Nelkensamstagszug ablaufen könnten. Um mit anderen Karnevalisten all diese Fragen zu diskutieren, verknüpfen die Prinzengarde Niederküchten und der KV Maak Möt Brempt die Karnevalsvereine in den sozialen Netzwerken und laden zum „Digitalen Stammtisch” per Videokonferenz ein.

  • Das Kempener Prinzenpaar Peter II. und
    Umfrage : Karneval in Corona-Zeiten: Noch sind keine Veranstaltungen abgesagt
  • Karnevalisten feiern vor dem Rathaus in
    Karnevalshochburgen in NRW : Session 2021 wird kommen - aber wohl anders
  • Beim Rosenmontagszug 2020 in Dülken schlugen
    Karneval in Viersen : Karnevalisten sagen Jubiläumsfest ab

Carsten Scholz, Vorsitzender der Prinzengarde Niederkrüchten, hatte schon länger die Idee, die Vorsitzenden, Präsidenten, Literaten, Kommandeure und andere Entscheidungsträger der Karnevalsvereine an einen Tisch zu holen. „Als Verein haben wir Kontakte von Wesel bis nach Baesweiler, von Roermond bis nach Köln“, sagt Scholz. „Alle Karnevalsvereine haben die gleichen Probleme. Wir lassen uns aber bei der Vernetzung von Ortsgrenzen, Verbandsgebieten oder Landesgrenzen aufhalten.“ Dieses Denken müsse ein Ende finden.

Am Frühstückstisch ist ihm vor einigen Tagen die Idee gekommen, statt zum Treffen in eine Gastwirt­schaft einzuladen die Karnevalisten per Videokonferenz zu vernetzen. Er stimmte sich mit Jan Sevenich, Vorsitzender vom KV Maak Möt, und mit weiteren Vorstandsmitgliedern ab und lud die Karnevalisten für den 3. Mai zum virtuellen Treffen ein.

Viele Karnevalisten fühlten sich angesprochen, und so tummelten sich Teilnehmer aus Viersen, Viersen-Dülken, Tönisvorst, Erkelenz, Ratheim, Golkrath, Hückelhoven, Merbeck und Mönchengladbach im Warteraum der Videokonferenz.

„Jeder der Teilnehmer hatte seine Sorgen und Ängste: Wie sollen unsere Tanzgarden trainieren? Was passiert mit Verträgen? Wer hat schon Orden bestellt? Wie bindet man die Mitglieder in dieser Zeit ein?“, erzählt Carsten Scholz. Viele Fragen seien lebhaft diskutiert worden, und schnell sei klar geworden, dass die Probleme bei allen sehr ähnlich seien. „Trotz der Ungewissheit, die alle haben, wurde viel in der Runde gelacht und positiv in die Zukunft geschaut“, so der Vereinspräsident. „Denn irgendwie werden wir es gemeinsam schaffen!”

Weitere Karnevalisten aus der Region erfuhren von dem Treffen und möchten sich der digitalen Stammtischrunde anschließen. Das nächste Treffen ist für Sonntag, 17. Mai, um 11.30 Uhr geplant. Bis dahin haben alle Teilnehmer die Möglichkeit, Themenvorschläge einzureichen.

„Im Kreis der Teilnehmer, aber auch in den Vereinen selbst gibt es Experten, die zu den unterschiedlichsten Themen Lösungsansätze bieten“, weiß Scholz. Er hofft jetzt, dass gemeinsam eine für alle durchführbare Lösung für die kommende Session gefunden wird.

„Wenn die Corona-Krise vorbei ist, wollen sich alle in gleicher Runde persönlich in einer Kneipe treffen“, kündigt Scholz an. Dann werde man sich zu einem „Analogen Stammtisch der Karnevalisten“ wiedersehen.