Bedarf in Niederkrüchten Masterplan für neuen Wohnraum

NIEDERKRÜCHTEN · Die Gemeinde Niederkrüchten steht vor einer gewaltigen Herausforderung. In den nächsten gut zehn Jahren müssen 1000 zusätzliche Wohneinheiten her. Ein Masterplan Wohnen soll als Steuerungsinstrument dienen.

 Der Elmpter Militärflughafen: Sobald das Gebiet erschlossen ist, erwartet die Kommune hier etwa 5000 neue Arbeitsplätze. Für Menschen, die arbeitsnah wohnen wollen, fehlen Möglichkeiten.

Der Elmpter Militärflughafen: Sobald das Gebiet erschlossen ist, erwartet die Kommune hier etwa 5000 neue Arbeitsplätze. Für Menschen, die arbeitsnah wohnen wollen, fehlen Möglichkeiten.

Foto: Busch, Franz-Heinrich sen. (bsen)

Schon in fünf Jahren könnte es eng werden. „Die vorhandenen Bauland-Reserven reichen nur bis 2024“, erklärte Kathrin Feigs vom Büro Plan-lokal jetzt bei der Vorstellung des Masterplans im Rat. Damit ließen sich rein rechnerisch 440 Wohneinheiten realisieren. Bis 2030 wachse der Bedarf aber auf rund 1000 Wohneinheiten, so die Expertin.

Dafür gibt es zwei Gründe. Zum einen könnten im Zuge der Entwicklung des Flughafengeländes laut Prognosen bis zu 5000 neue Arbeitsplätze entstehen. Für die strukturschwache Gemeinde wäre das ein Segen, aber zugleich eine Bürde. Denn viele der künftigen Arbeitskräfte werden arbeitsplatznah wohnen wollen. Feigs kalkuliert mit einem Wachstum der Bevölkerungszahl in Niederkrüchten von derzeit 15.200 auf 15.700 bis 2035. Die Zahl der Haushalte werde im gleichen Zeitraum von 6700 auf 7400 steigen.

Dass die Zahl der Haushalte stärker zunimmt als die der Neu-Bürger, hängt mit dem zweiten Grund, dem demografischen Wandel, zusammen: „Die Altersgruppe der über 65-Jährigen wird in den nächsten Jahren sehr stark wachsen“, erläuterte Feigs. Damit wird der Bedarf an kleineren Ein- bis Zwei-Personen-Wohnungen, idealerweise seniorengerecht und barrierefrei, rasant steigen. Aktuell gibt es in der Gemeinde rund 4400 Ein- bis Zwei-Personen-Haushalte. Bis 2035 werden nach Feigs’ Einschätzung 5460 benötigt.

Darauf ist die Gemeinde überhaupt nicht vorbereitet. Sie hat in der Vergangenheit vor allem junge Familien umworben, etwa im erfolgreich vermarkteten Malerviertel in Elmpt oder aktuell im Neubaugebiet am Schulzentrum in Alt-Niederkrüchten. Dementsprechend dominieren Ein- und Zweifamilienhäuser das Ortsbild – sie machen 82 Prozent des Bestandes aus. Nur 18 Prozent sind Mehrfamilienhäuser mit kleineren Wohnungen.

Auch bei Angeboten des Service-Wohnens für ältere Menschen hapert es. An der Uhlandstraße sind im Umfeld des Altenheims in den vergangenen Jahren 30 solcher Wohneinheiten entstanden. Schon jetzt liege der Bedarf jedoch bei 80. Darum empfahl Feigs nachdrücklich, das Grundschulgelände in Niederkrüchten wie geplant für Seniorenwohnungen zu nutzen. Wichtig sei es dabei, keine „Altenquartiere“ zu schaffen, sondern eine soziale Durchmischung der Alters- und Bevölkerungsschichten zu gewährleisten. Grundsätzlich bestehe in der Gemeinde eine erhebliche Diskrepanz zwischen der aktuellen Wohnraumstruktur und dem künftigen Bedarf, resümierte Feigs.

Die Gemeinde braucht also Platz für die Wohnraumentwicklung. Kurz- bis mittelfristig verfügbar und nutzbar sind knapp zehn Hektar Bauland, die Hälfte davon im Elmpter Neubaugebiet Heineland, das in diesem Jahr erschlossen wird. Hinzu kommen 2,2 Hektar aus vorhandenen Baulücken und 2,3 Hektar, die für Alt-Niederkrüchten im Flächennutzungsplan stehen und als Neubaugebiet ausgewiesen werden könnten. Mittel- bis langfristig wären weitere zehn Hektar aktivierbar. Macht in Summe knapp 20 Hektar. Der prognostizierte Bedarf ist allerdings mehr als doppelt so hoch. „Bis 2035 brauchen wir 42 Hektar“, so die Bestandsaufnahme von Feigs. Als sozialpolitische Leitlinie empfahl sie „Wohnraum für alle“. Dieses Ziel solle Vorrang vor rein ökonomischen Interessen haben.

„Da kommt eine Menge Arbeit auf uns zu“, sagte Johannes Wahlenberg, Vorsitzender der CDU-Ratsfraktion, die mit ihrem Antrag den Anstoß zur Erarbeitung des Masterplans Wohnen gegeben hatte. Die Gemeinde müsse angesichts der bevorstehenden Entwicklungen ihre Infrastruktur anpassen. Wahlenberg plädierte dafür, ein kommunales Baulandmanagement zu installieren. Einen entsprechenden Vorschlag werde die Verwaltung in der nächsten Sitzung des Ausschusses für Wirtschaftsförderung, Forst und Liegenschaften am 2. Mai vorstellen, kündigte Bürgermeister Kalle Wassong (parteilos) an.

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