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Niederkrüchten: Förderverein rollender Jugendtreff sammelt Spenden für Bus

Niederkrüchten : Rollender Jugendtreff auf zehn Rädern

Der alte Doppeldecker muss ausgemustert werden. Längst ist ein neuer Ersatzbus angeschafft worden, doch es fehlt das Geld für die Innenausbau. Der Förderverein muss in diesem Jahr rund 60.000 Euro einsammeln.

Ein bunt mit Graffiti besprühter Doppeldecker ist als „Rollender Jugendtreff“ regelmäßig in den Gemeinden Niederkrüchten und Schwalmtal unterwegs. Der Bus, Baujahr 1978, wurde am Valentinstag am 14. Februar 42 Jahre alt - und muss bald ausgemustert werden. Ersatz ist bereits da. Ein Neoplan Doppeldecker mit drei Achsen, Baujahr 2003, steht bereits im Gewerbe- und Industriepark Dam in einer Halle der Firma Schönmackers. Die Halle ist videoüberwacht, weil dort künftig Datenträger geschreddert werden sollen.

Ohne Jugendarbeiter Eric Loll und Koordinator Jürgen Zeh vom Kirchengemeindeverband (KGV) Brüggen-Niederkrüchten gäbe es diesen Bus nicht. Es sei gar nicht so einfach, einen gebrauchten Doppeldecker zu bekommen. Zuerst denkt man an Berlin, aber dort stehen die Interessenten bereits Schlange, wenn die Busse ausgemustert werden. Veranstalter von Stadtrundfahrten, die oft das Verdeck der Doppeldecker kappen, können andere Preise bezahlen als die Jugendarbeit einer kleinen Kirchengemeinde. Und der Markt für gebrauchte Busse ist in Deutschland überschaubar. Fündig geworden sind die beiden in Franken. Im oberfränkischen Kulmbach fanden sie den Omnibushandel Mario Röttgen, der nach eigenen Angaben immer 180 Gebrauchtbusse im Angebot hat. Zuletzt soll der Neoplan, der kein Reisebus, sondern ein Linienbus ist, in der Schweiz eingesetzt worden sein.

Der Bus, der auch schon 1.023.000 Kilometer auf dem Tacho hat, wurde nach Niederkrüchten überführt und in Willich von der Firma Omnibus Elektroniks & Service (OES) leergeräumt. Dieses Unternehmen baut auch die Busse für Bundesligavereine um. Doch bis der Big Bass ein neues Innenleben bekommt, wird noch etwas Zeit vergehen. Denn der Förderverein Rollender Jugendtreff muss von vorne beginnen. In zwei Jahren war die Summe für die Kauf zusammen gekommen, jetzt müssen 60.000 Euro für den Innenausbau in einem Jahr gesammelt werden. Ein ambitioniertes Vorhaben.

Inzwischen sind alle Sitze aus dem Bus entfernt. Auf dem Oberdeck soll der Kicker aus dem Vorgänger-Bus wieder seinen Platz finden. Foto: Ja/Knappe, Joerg (jkn)

Für den Kauf hatten ganz viele gespendet, von kleinen Einzelspenden bis zu größeren von Unternehmen. Jürgen Zeh ist optimistisch, dass es jetzt erneut klappt und das Geld rechtzeitig zusammenkommt, damit der rollende Jugendtreff nicht zum Stillstand kommt. Träger des Projektes ist der Kirchengemeindeverband Brüggen-Niederkrüchten, Kooperationspartner sind die Katholische Kirchengemeinde St. Matthias Schwalmtal, der Kreis Viersen und natürlich die Gemeinden Niederkrüchten und Schwalmtal.

Das Konzept Big Bass bewährt sich seit 18 Jahren. Das Einsatzgebiet ist ländlich und auseinandergezogen. Der Bus schließt die geographischen Lücken zu den anderen Angeboten der Jugendhilfe. In beiden Gemeinden kooperiert der Bigbass mit den stationären Jugendzentren. Die Kinder und Jugendlichen müssen nicht immer selber zu einem Jugendtreff gehen, der Jugendtreff kommt als Bus regelmäßig in verschiedene Ortsteile. Eric Loll erreicht mit seinem Bus so 150 bis 200 Kinder und Jugendliche in jeder Woche. 80 Prozent der Besucher, so schätzt er, seien zwischen sieben und 13 Jahren alt. Die Termine werden in einem engen Netzwerk über die sozialen Medien kommuniziert, auch Eltern, Vereine und Schützenbruderschaften sind in diesen Kreis mit einbezogen. Der Name „big bass“ ist eigentlich genial, auch wenn nicht ganz klar ist, ob es sich ganz ursprünglich um einen Schreibfehler handelte. Aber die englische Aussprache von Bus und das Wort Bass, das für Musik steht, passen wunderbar für einen Jugendtreff.

Im Heck wird eine Teeküche eingebaut, links die Treppe nach oben. Foto: Ja/Knappe, Joerg (jkn)

Noch ist der neue Bus schneeweiß lackiert. Das wird nicht so bleiben. Auch der neue Bus soll wieder mit Graffitis besprayt werden und so deutlich anders aussehen als Schul- oder Linienbusse. Aber das Sprayen steht erst ganz zum Schluss an. Erst einmal muss der Wagen für den Einsatz als Jugendtreff entsprechend eingerichtet werden. 

Natürlich wird der Kicker aus dem alten Bus übernommen und auf dem Oberdeck des Doppeldeckers einen Ehrenplatz bekommen. Ansonsten ist es günstiger, eine neue Einrichtung einzubauen als die alte herauszureißen, anzupassen und wieder einzubauen.