Niederkrüchten fehlen kleine Wohnungen

Niederkrüchten : In Niederkrüchten fehlen Wohnungen

Die Gemeinde muss nach Prognosen 65 Asylbewerber und 110 Geflüchtete aufnehmen. Für sie fehlen ebenso kleine Wohnungen wie für Ältere, Singles oder Paare. Diese Lücke sollen Bauprojekte in der gesamten Gemeinde schließen.

Die Gemeinde Niederkrüchten steht vor großen Herausforderungen. „Wir müssen jetzt handeln“, sagte Niederkrüchtens Verwaltungschef Kalle Wassong (parteilos) bei einem Bürgerdialog zur geplanten Bebauung im Bereich Ulmenstraße/Erkelenzer Straße. Zwar gebe es im gesamten Gemeindegebiet ausreichend Einfamilienhäuser. Wer aber als Single, Alleinerziehender, junges Paar oder Älterer eine kleine Wohnung sucht, der tue das oft vergebens. Und dieses Problem werde sich Wassong zufolge noch verschärfen, wenn das ehemalige Gelände des britischen Militärflughafens entwickelt wird. Dann fehlten neben kleinen Wohnungen auch die passende Infrastruktur. „Das ist eine gemeinsame Aufgabe“, appellierte Wassong im mit 80 Personen voll besetzten Gruppenraum der Begegnungsstätte am Oberkrüchtener Weg.

Die kleinen Wohnungen brauche die Gemeinde aber auch für Menschen, die ihre Heimat wegen Kriegs und Verfolgung verlassen müssen und nach Deutschland fliehen. Nach aktuellen Prognose müsse die Gemeinde mittelfristig 65 Asylbewerber und 110 Geflüchtete aufnehmen.

„Es ist unsere Aufgabe, diese Menschen zu integrieren“, betonte der Bürgermeister. Verwaltung und Politiker wollen deshalb eine gemeinsame Route einschlagen: Asylbewerber sollen wie bereits jetzt in den Contaner-Unterkünften an der Stadionstraße und auch am Lelefeld untergebracht werden. „Für Familien wollen wir mittelfristig Wohnraum im gesamten Gemeindegebiet schaffen, und das sukzessive.“ Als Beispiel nannte Wassong ein Mehrfamilienhaus mit acht Wohneinheiten. Vier davon sollten frei vermarktet werden, zwei für den sozialen Wohnungsbau und zwei für Geflüchtete genutzt werden.

Ein Bebauungsplan für die Erkelenzer Straße/Ulmenstraße hatte zuvor bei Anwohnern für Diskussionen gesorgt. Am Grundstück Erkelenzer Straße 28 bis 32 werden zurzeit drei Zollhäuser von Flüchtlingen bewohnt. Die Gemeinde hat neben den Zollhäusern auch das dahinter liegende Grundstück erworben. Laut Bebauungsplan könnten dort theoretisch zwei Wohnhäuser mit 2,5 Geschossen entstehen. Armin und Ulrike Herzig sowie Leander Müß, alle drei Anwohner des Akazienwegs, hatten sich in einem Brief an ihre Nachbarn und an die Verwaltung gewandt und ihre Einwände, insbesondere gegen die Größe der geplanten Objekte, formuliert. Auch andere Nachbarn fürchteten angesichts der Höhe fremde Blicke auf Terrasse oder Räume.

Kalle Wassong erläuterte am Dienstag die Hintergründe zum Grundstückskauf. Die Gemeinde habe die Fläche zu einem günstigen Preis von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima) erworben. Und sie habe von der Bima den Kaufpreis erstattet bekommen, da sie sich verpflichtete, auf dem Gelände für zehn Jahre Flüchtlinge unterzubringen. „Davon ist jetzt ein Jahr um“, sagte der Bürgermeister.

Ohne konkret auf die baurechtlichen Möglichkeiten einzugehen, erläuterte Wassong die Pläne der Gemeindeverwaltung: „Wir wollen die vorhandenen Zollhäuser nicht abreißen, sondern lediglich zunächst einen Baukörper errichten.“ Inklusive der Zollhäuser könnten dann bis zu 40 Menschen dort leben. Alle anderen, höheren Zahlen von Bewohnern nannte Wassong nicht zutreffend. Johannes Wahlenberg, Fraktionsvorsitzender der CDU, betonte auch, dass es sich noch um ein laufendes Verfahren handele. Noch habe der Gemeinderat keine Entscheidung getroffen. Er unterstützte ausdrücklich eine dezentrale Unterbringung von Geflüchteten im gesamten Gemeindegebiet.

Ulrike Herzig brachte nochmals die Sorgen der Anwohner am Akazienweg auf den Punkt: „Wir wollen keinen derart massiven Baukörper.“ Wassong sagte zu, diese Bedenken mitzunehmen.

Sie gehören zu den Anwohnern, die Fragen zur Bebauung hatten (v.l.): Leander Müß, Anita Müß, Ulrike Herzig, Inge Lammers, Dieter Küsters und Armin Herzig. Foto: Daniela Buschkamp

Auch die Kritik, dass die Verwaltung die Anwohner vorab hätte informieren könne, nahm er teilweise an: „Ja, da besteht Optimierungsbedarf.“ Allerdings hätte er nicht viel früher etwas zu den Plänen zur künftigen Unterbringung von geflüchteten Menschen sagen können, da Verwaltung und Politik sich erst darüber hätten abstimmen müssen. In Zukunft wolle man die Bürger früher informieren.

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